„Fachhandel hat erneut Marktanteile verloren“

So lief das Jahr 2021 im Schuhhandel

Shopping in der Corona-Pandemie - Herausforderung für Handel und Verbraucher. (Foto: Unsplash/Ross Sneddon)
Shopping in der Corona-Pandemie - Herausforderung für Handel und Verbraucher. (Foto: Unsplash/Ross Sneddon)

Was für ein Jahr! Zwölf anstrengende Monate mit vielen Höhen und Tiefen liegen hinter dem Schuhhandel. Unter dem Strich steht für die Branche ein Plus.

Die gute Nachricht zuerst: Der Schuhhandel in Deutschland hat das Jahr 2021 mit einem Umsatzplus in Höhe von 5% abgeschlossen. Die schlechte Nachricht: Damit konnten die enormen Umsatzverluste aus dem Vorjahr, als die Erlöse um ein Viertel eingebrochen waren, nur zu einem kleinen Teil kompensiert werden. Nach fast zwei Jahren Corona-Krise leidet die Schuh- und Modebranche weiterhin massiv unter den Auswirkungen auf das stationäre Geschäft. „Die Corona-Pandemie hat der gesamten Fashion-Branche zum zweiten Mal in Folge ein desaströses Jahr beschert. Je nach Standort und Geschäftskonzept sind die Verwerfungen zwar unterschiedlich ausgeprägt, insgesamt wird der Fachhandel am Jahresende aber erneut massiv Marktanteile an den Onlinehandel verloren haben“, lautet die Bilanz von BTE-Präsident Steffen Jost. Der E-Commerce entwickelt sich nämlich weiterhin äußerst dynamisch. So erwartet der Branchenverband BEVH, dass der Onlinehandel im vergangenen Jahr erstmals die Grenze von 100 Mrd. Euro überschritten hat – endgültige Zahlen liegen derzeit noch nicht vor. Überträgt man die Wachstumsrate auf das Schuhsegment, sind die Umsätze im Onlinehandel mit Schuhen in den vergangenen zwölf Monaten auf über 5,5 Mrd. Euro gestiegen. Dies schließt die Umsätze von Pure Playern, Herstellern und Multichannel-Händlern ein.

„2G war ein Einschnitt“

Damit trägt das Online-Segment maßgeblich zu dem neuen Rekordumsatz bei, den der gesamte Einzelhandel laut einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im zurückliegenden Jahr erwirtschaftet hat. Demnach erzielte der Handel 2021 real 0,6% bis 1,2% sowie nominal 2,8% bis 3,4% mehr Umsatz als im bislang umsatzstärksten Jahr 2020. Der Handelsverband Deutschland (HDE) zieht aufgrund dieser Zahlen eine gemischte erste Bilanz für 2021. Angesichts bis heute spürbarer Auswirkungen monatelanger Lockdowns und seit November geltender Zugangsbeschränkungen bleibe die Lage im Einzelhandel nach dem Jahreswechsel extrem angespannt. Die vorübergehende Umsatzerholung in den Sommermonaten und das im November 2021 zunächst gut angelaufene Weihnachtsgeschäft hätten die gesamte Branche auf einen zufriedenstellenden Jahresabschluss hoffen lassen. „Die Einführung von 2G war ein Einschnitt, der die eigentlich umsatzstärkste Zeit eines Jahres erheblich ausgebremst hat“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Besonders dramatisch sei die Lage auch zu Beginn des neuen Jahres im Bekleidungshandel, wo die Umsätze noch immer um bis zu 30% hinter dem Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2019 zurückbleiben. Im neuen Jahr brauche es deshalb einen neuen Ansatz bei den Wirtschaftshilfen. „Unternehmen sollten die Hilfen nicht erst bei Umsatzausfällen von 30% beantragen dürfen. In Not geraten sie aufgrund geringer Margen schon deutlich früher“, so Genth weiter.

„Fühlen uns Corona-gebeutelt“

Die Einschätzung des Verbandsvertreters bestätigt Schuhhändler Johannes Nölscher aus Heilbronn. „Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn wir keine vierte oder fünfte Welle bekommen hätten. Wir waren seit Sommer 21 gut unterwegs, es war fast zu schön, um wahr zu sein. Dabei hat sich gezeigt, dass die Kauflust sofort wieder Fahrt aufnimmt, sobald sich die Lage entspannt. Im Spätherbst dann waren die Umsätze wie abgeschnitten. Ich bin aber insgesamt zuversichtlich, was das neue Jahr angeht.“ Auch Stephan Krug sieht Licht am Ende des Tunnels. „Die uns angeschlossenen Händler haben trotz der teilweise misslichen Situation aufgrund vorsichtig-zurückhaltendem Orderverhalten und des einigermaßen positiven Saisonverlaufs recht gut abverkauft. Aktuelle und auch Altware sind gut abgeflossen und viele Läger sind erfreulich geräumt. Damit ist sowohl Platz als auch Budget für neue Ware vorhanden“, berichtet der SABU-Geschäftsführer. Johannes Huber von Garhammer aus Waldkirchen fühlt sich dagegen „seit Anfang November wieder arg Corona-gebeutelt“. Die 2G-Regelung schrecke nicht nur Ungeimpfte ab. „Wir haben in den letzten zwei Jahren extrem viel Frequenz verloren und diese auch in den Öffnungsphasen zwischen den Lockdowns nicht mehr auf das Vorkrisenniveau steigern können. Es wird für uns alle sehr herausfordernd sein, die Menschen wieder in die Läden zu locken. Zu erreichen, dass Verbraucher den stationären Handel und das Einkaufserlebnis, das er bietet, wieder als wertvoll erachten, das ist eine große Aufgabe“, so Huber. Laut den Experten von Shopper Trak ging die Frequenz 2021 um 23,5% im Vergleich zum Vorjahr zurück.

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Helge Neumann / 13.01.2022 - 12:33 Uhr

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