Branche verlor über 1.000 Mitarbeitende

So sieht die Situation im Lederwarenhandel aus

Leder Reutter-Filiale in Tübingen (Foto: Leder Reutter)
Leder Reutter-Filiale in Tübingen (Foto: Leder Reutter)

Nachholbedarf ist vorhanden. Aber ob das Vor-Corona-Niveau erreicht wird? Der BTE Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren zur Situation im Lederwarenhandel.

Vor zwei Wochen sei er noch „hoffnungsfroh“ gewesen, berichtete Axel Augustin vom BTE Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren auf der Pressekonferenz am 5. März 2022 anlässlich der ILM in Offenbach. Doch der Lederwarenhandel verkaufe keine Alltags- und Bedarfsprodukte. Daher benötige er für gute Geschäfte eine positive Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Der Lederwarenhandel blickt auf zwei mit zahlreichen Einschränkungen verbundene Pandemie-Jahre zurück. Für den stationären Lederwarenhandel hätte diese „massive Umsatzeinbrüche, die in Extremfällen bei mehr als 50 Prozent gegenüber 2019 liegen“, mit sich gebracht, berichtete Augustin.

Das letzte Jahr sei von einem Auf und Ab geprägt gewesen. Nach dem langen Lockdown habe das Geschäft in den Sommermonaten deutlich angezogen. Ab November brachten die erneuten Einschränkungen dann wieder merkliche Einbußen im für die Branche so wichtigen Weihnachtsgeschäft. Der BTE geht aktuell davon aus, dass der Umsatz des stationären Lederwarenfachhandels in 2021 zwar im einstelligen Prozentbereich gegenüber 2020 zugelegt hat, aber immer noch rund 20 Prozent unter dem Vor-Corona-Jahr 2019 liegt.

Dabei seien die Unterschiede je nach Standort und Sortimentsschwerpunkt groß. Trotz einer Erholung liege der Gepäck- und Reisebereich noch massiv unter Vor-Corona-Niveau. Gut entwickelt hätten sich die Handtaschen, wo zum Teil bereits wieder die Umsätze von 2019 erreicht wurden. Unverändert gut liefen auch Freizeitartikel und der Schulbereich, die zusammen mit Kleinlederwaren vielen Geschäften das Überleben gesichert hätten. „Es gibt keine Insolvenzwelle und wir haben noch über 1.000 Lederwarengeschäfte“, schätzt Augustin. Außerdem nehme der Modehandel verstärkt Lederwaren als „schönes Mitnahmegeschäft“ in seine Sortimente auf.

Bei den Standorten hätten vor allem die Toplagen der Cities und die Shoppingcenter zu leiden. Dagegen schnitten kleinere Standorte deutlich besser ab, da viele Kunden im Homeoffice arbeiteten und deutlich weniger Shopping-Ausflüge in die Metropolen unternahmen.

Großer Pandemie-Gewinner sei der Onlinehandel, der nach BTE- Schätzungen in 2021 erneut um rund 20 Prozent zulegen konnte. Dessen Marktanteil dürfte im letzten Jahr damit bei 35 bis 40 Prozent gelegen haben.
Nach BLE-Berechnungen lag der Umsatz des gesamten Handels mit Lederwaren in 2019 bei rund 2,7 Milliarden Euro. Nach dem starken Einbruch In 2020 und der leichten Erholung in 2021 dürfte dieser Wert nach BLE-Schätzungen im letzten Jahr immer noch um einige hundert Millionen Euro unter 2019 gelegen haben.

 

Stationärer Lederwarenhandel: Qualität der Beratung entscheidet

 

„Die Qualität der Beratung entscheidet im stationären Handel“, ist Axel Augustin überzeugt. Empathische Mitarbeiter mit Fachkenntnis machten den Unterschied aus. Vor diesem Hintergrund machte der Handelsfachmann auf eine problematische Entwicklung aufmerksam. Laut amtlicher Statistik verlor der Lederwarenhandel zwischen Mitte 2019 und Mitte 2021 rund 600 von ehemals über 4.200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Mitarbeitenden. Auch die Anzahl der geringfügig Beschäftigten im Lederwarenhandel entwickelte sich rückläufig. Insgesamt habe die Branche somit über 1.000 Mitarbeitende verloren.

Grundsätzlich verbreitete Axel Augustin gleichwohl Zuversicht. Im Vergleich zu 2021 und 2020 hätten die Konsumenten Nachholbedarf. „Ob wir das 2019-Niveau erreichen, das ist die Frage.“
 

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Tobias Kurtz / 07.03.2022 - 12:09 Uhr

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