Interview mit Klaus Harnack

„Steigende Preise sind Gift“

Klaus Harnack ist seit Jahrzehnten als Berater in der Fashionbranche tätig. (Foto: Redaktion)
Klaus Harnack ist seit Jahrzehnten als Berater in der Fashionbranche tätig. (Foto: Redaktion)

Das Jahr 2021 hat den stationären Schuhhandel erneut hart getroffen, sagt Klaus Harnack von der Unternehmensberatung Hachmeister & Partner. Was erwartet der Experte von den kommenden Monaten?

Welche Bilanz können Sie für das Jahr 2021 ziehen?

Im vergangenen Jahr haben die Auswirkungen der Corona-Krise den stationären Schuh- und Modehandel erneut hart getroffen. Der lange Lockdown im Frühjahr hat zu erheblichen Umsatzverlusten geführt, die im weiteren Jahresverlauf nicht wieder aufgeholt werden konnten. Im Sommer gab es zwar Aufholeffekte, die aber spätestens mit den neuen Corona-Beschränkungen ab November wieder zunichte gemacht wurden. Einerseits wirkt sich die Einführung der 2G-Regelung negativ auf die Frequenz aus, weil Nicht- oder noch nicht vollständig Geimpfte ausgeschlossen werden. Zudem schreckt die Lage auch eher ängstliche Kundinnen und Kunden von einem Besuch der Innenstädte ab. Wir gehen aktuell von einem stationären Minus zwischen 25% und 30% aus. Online ist zwar gewachsen, konnte aber die Verluste nicht vollständig kompensieren.

Wie geht es nun in den kommenden Monaten weiter?

Die Aussicht auf 2022 ist insgesamt positiv – auch wenn die aktuelle Nachrichtenlage rund um die Omikron-Variante dies nicht vermuten lassen würde. So bewegen wir uns schrittweise in Richtung Durchseuchung, während zugleich die Hospitalisierungsrate beherrschbar bleibt. Im Unterschied zur Delta-Variante scheint Omikron die Intensivstationen in den Krankenhäusern weniger zu belasten. Und damit fällt auch die Rechtfertigung für einen erneuten Lockdown weg. Wenn keine weitere Mutation auftritt, dürfte der Einzelhandel bessere Ergebnisse erzielen als 2021, allerdings wird das Umsatzniveau von 2019 noch nicht wieder erreicht.

Welche Themen sind nun besonders wichtig?

Das schärfste Schwert des Handels ist ein gutes Customer Relations Management (CRM). Das gilt für alle Unternehmensgrößen, vom bundesweit aktiven Filialisten bis hin zum Kleinstunternehmen. CRM ist unverzichtbar. Die Kundinnen und Kunden müssen auf Basis einer intensiven Kundenbindung aktiviert und zum Einkaufen animiert werden. Im weiteren Jahresverlauf könnten hier auch Events wieder eine stärkere Rolle spielen. Darüber hinaus gehört die Zusammenarbeit zwischen Handel und Industrie auf den Prüfstand. Angesichts rückläufiger bzw. stagnierender Umsätze muss an den Erträgen und Kostenstrukturen gearbeitet werden. Das kann nur durch eine Effizienzsteigerung in der Kooperation zwischen Lieferanten und Handel gelingen.

Aktuell wird außerdem intensiv über möglicherweise steigende Preise diskutiert…

Preissteigerungen sind in der aktuellen Situation Gift. Wir gehen von Zuschlägen von fünf bis zehn Prozent aus. Höhere Durchschnittsbons sind angesichts einer geringeren Frequenz durchaus hilfreich, aber nur bis zu einer gewissen Grenze. Der Handel kann nicht endlos an der Preisschraube drehen, das machen die Konsumenten nicht mit. Das Ende der Fahnenstange ist bald erreicht.

Wann wird das Umsatzniveau von 2019 wieder erreichen?

Meiner Einschätzung können wir 2023 das Niveau von 2019 erreichen. Aber die Zusammensetzung der Umsätze wird eine andere sein. Der stationäre Fachhandel verliert Marktanteile, der Onlinehandel gewinnt weiter dazu. Ich gehe von einer Entwicklung in Richtung 50/50 aus.

 
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Christopher Mastalerz / 21.01.2022 - 12:00 Uhr

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