„Daten zeigen schnellen Zerfall der Aerosole“

Studie: Ansteckungsrisiko im Handel gering

Der Handel ist kein Infektionstreiber. Diese Aussage wird von einer neuen Studie des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation bestätigt.

Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPI-DS) ergab, dass das Risiko einer Infektion über die Luft in großen Innenräumen wie Baumärkten ähnlich wie im Freien ist. Selbst wenn die Zahl der Kunden innerhalb der typischen Kapazität für Baumärkte liege, seien solche Einrichtungen für die Kunden sicher, solange zertifizierte Gesichtsmasken getragen werden, heißt es seitens der Forscher. Es sei zu erwarten, dass diese Ergebnisse auch auf andere große Innenräume übertragbar seien.

Anhand von Messungen in zwei verschiedenen Baumärkten stellten die Forschenden fest, dass selbst bei einer typischen durchschnittlichen Kundenbelegung von einer Person pro 25 qm die ausgeatmeten Aerosole von infizierten Personen im Raum das Infektionsrisiko praktisch nicht erhöhen. Dieses Risiko beruht hauptsächlich auf dem direkten Kontakt und die Interaktion zwischen den Menschen. „Wir haben Partikel unterschiedlicher Größe verwendet, die den von Menschen ausgeatmeten Aerosolen ähneln und die bekanntermaßen lange in der Luft verbleiben. Im Experiment haben wir ihre Verteilung und ihren Zerfall an verschiedenen Stellen in den Geschäften gemessen“, erklärt Eberhard Bodenschatz den Versuchsaufbau. „Unsere Daten zeigen sehr kurze Verweilzeiten und einen schnellen Zerfall für diese Aerosole, unabhängig von der gemessenen Partikelgröße“, fügt er hinzu.

Im Verkaufsraum des Baumarktes lag die Abklingzeit der Aerosole bei etwa 1-2 Minuten. Um das Infektionsrisiko einer Person zu bestimmen, berechneten die Forscher einen Maximalwert als Obergrenze für die Infektion, ähnlich wie in ihrer jüngsten Studie über die Wirksamkeit von FFP2-Masken. Unter der Annahme einer 7-tägigen Inzidenzrate von 2.000 Neuinfektionen pro 100.000 Haushalte beträgt das Infektionsrisiko statistisch gesehen nur etwa 3%, ähnlich wie bei einer Situation im Freien.

„Alles in allem haben wir festgestellt, dass die Ansammlung von Aerosolen in großen Innenräumen wie Baumärkten für das Infektionsrisiko vernachlässigbar ist“, fasst Bardia Hejazi, Hauptautor der Studie, zusammen. „Das deutet darauf hin, dass solche Räume sichere Orte sind, solange jeder eine zertifizierte filtrierende Maske trägt“, kommentiert Bodenschatz. Gruppenleiter Mohsen Bagheri, zusammen mit Bodenschatz leitender Wissenschaftler der Studie, ergänzt: „Wenn jeder eine FFP2-Maske oder eine medizinische Maske trägt, die Verweildauer für jeden Kunden nicht ungewöhnlich lang ist und das Personal regelmäßig getestet wird, ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion in solchen Innenräumen äußerst gering.“

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Helge Neumann / 06.02.2022 - 22:20 Uhr

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