IFH-Befragung

Studie zeigt „Digitalisierungsallergie“ auf

Prof. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein (links) und Faire-Head of Product Luca Beltrami (rechts) stellten die Ergebnisse der Studie im Modeladen Loretto 23 von Patricia Bernhardt in Düsseldorf vor. (Foto: Faire)
Prof. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein (links) und Faire-Head of Product Luca Beltrami (rechts) stellten die Ergebnisse der Studie im Modeladen Loretto 23 von Patricia Bernhardt in Düsseldorf vor. (Foto: Faire)

Eine Befragung der Orderplattform Faire und des Instituts IFH Köln hat ergeben, dass immer noch viele Händlerinnen und Händler mit der Digitalisierung fremdeln.

In der vom IFH Köln durchgeführten und vom Einkäufer-Marktplatz Faire in Auftrag gegebenen Studie äußerten sich 213 Einzelhändlerinnen und Einzelhändler mit einem Umsatz von bis zu 1,5 Mio. Euro. Demnach seien trotz Pandemie viele Händlerinnen und Händler noch sehr zurückhaltend, was die Digitalisierung ihres Unternehmens angeht. Insgesamt hätten 38% der Befragten ausgesagt, sich noch nie mit digitalen Lösungen beschäftigt zu haben. In der Mode-, Schuh- und Accessoire-Branche waren es 44%. Es herrsche eine „Digitalisierungsallergie“ heißt es in der Studie. Es gäben nämlich 60% der Befragten an, schlichtweg keinen Bedarf darin zu sehen. Nur 21% scheitern beim Versuch an mangelnder Bekanntheit der Möglichkeiten, 11% fühlen sich überfordert von den vielen Angeboten. „Obwohl die derzeitigen Herausforderungen im stationären Einzelhandel gewaltig sind, verweigern immer noch 4 von 10 Händlern das Thema Digitalisierung“, fasst Wirtschaftswissenschaftler Prof. Gerrit Heinemann die Studienergebnisse zusammen, die er gemeinsam mit Luca Beltrami, Head of Product von Faire, präsentierte.

Große Unterschiede gibt es dabei, welche digitalen Angebote angenommen werden: Während Steuertools nur von 29% genutzt werden, werden digitale Lösungen zur Warenwirtschaft von 46% wahrgenommen. Bei den Unternehmen mit weniger als 100.000 Euro Umsatz im Jahr nutzen aber nur 35% der Befragten digitale Warenwirtschaftsangebote, während es bei größeren Unternehmen mit mehr als 100.000 Euro Umsatz 55% sind. Angesichts dessen, dass durch das Abklingen der Pandemie auch weniger in Digitalisierung investiert wird (33% im Jahr 2022 im Vergleich zu 42% im Vorjahr) warnt Heinemann davor, die Entwicklungen aus dem Auge zu verlieren und sieht keine Zukunft für die Unternehmen, die die Digitalisierung weiterhin nicht für nötig erachten: „Sie gehören höchstwahrscheinlich zu den Handelsbetrieben, die den Strukturwandel nicht überleben werden. Die fortschrittlichen Händler allerdings haben die Gunst der Stunde genutzt und setzen vor allem auf die Vorteile der Digitalisierung auf der Beschaffungsseite in Einkauf und Logistik.“

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Christopher Mastalerz / 19.07.2022 - 16:40 Uhr

Weitere Nachrichten