Allianz Trade-Studie

Ukraine-Krieg kann Modehandel Milliarden kosten

Der Krieg in der Ukraine bremst laut Allianz Trade auch den Modekonsum erheblich. (Foto: Becca McHaffle/Unsplash)
Der Krieg in der Ukraine bremst laut Allianz Trade auch den Modekonsum erheblich. (Foto: Becca McHaffle/Unsplash)

Laut einer Studie von Allianz Trade (vormals Euler Hermes) gefährdet der Krieg Umsätze in Höhe von 4,85 Mrd. Euro im europäischen Modeeinzelhandel – davon 1,12 Mrd. Euro in Deutschland. Das Insolvenz-Risiko bleibe hoch.

Die Innenstädte sind gut frequentiert – aber kaum jemand kauft. Ursächlich für das derzeit sehr zurückhaltende Konsumverhalten ist unter anderem der Krieg in der Ukraine. Eine Studie von Allianz Trade bestätigt dies: Der Konflikt trübe die Aussichten für den textilen Einzelhandel ein, und das in ganz Europa. Das Vertrauen der europäischen Verbraucher habe einen deutlichen Dämpfer erhalten. Das dürfte sich laut Allianz Trade unmittelbar auf den Modehandel auswirken. Rund 4,85 Mrd. Euro an Konsumausgaben für Mode könnten 2022 in Europa verloren gehen. Besonders hart dürfte es dabei den Mode-Einzelhandel in Italien (-1,45 Mrd. Euro) und in Deutschland (-1,12 Mrd. Euro) treffen.
„Die Ausgaben für Mode bleiben durch den Ausbruch des Ukraine-Konflikts voraussichtlich weit unter dem Niveau von vor der Pandemie zurück“, sagt Aurélien Duthoit, Branchenexperte bei Allianz Trade. „Neben diesen Negativeffekten beim Umsatzwachstum kämpfen die Einzelhändler zusätzlich mit anhaltend hohen Rohstoffpreisen, die die Bruttomargen noch weiter unter Druck bringen. Das ist nach mehr als zwei Jahren Pandemie mit mehreren Lockdowns und den altbekannten strukturellen Problemen für viele Unternehmen ein sehr schwieriges Pflaster.“ Das Insolvenzrisiko im textilen Einzelhandel bleibe damit auch in den kommenden zwei Jahren hoch.

Die Pandemie habe die Branche und das Verbraucherverhalten nachhaltig verändert und so den Strukturwandel noch weiter beschleunigt: „Das Erbe der Pandemie ist auch ohne die jüngsten Ereignisse für den spezialisierten und insbesondere für den stationären Mode-Einzelhandel sehr schwierig“, sagt Duthoit. „Online ist das neue Schwarz bei den Vertriebskanälen und ‚Casual‘ sowie Secondhand das neue chic bei den nachhaltigeren Konsummustern. Bei den Produkten waren insbesondere Sportbekleidung in.“
In der Summe aber lagen die monatlichen Umsätze im Modehandel in Europa im 4. Quartal 2021 noch immer mehr als 10 % beziehungsweise 1,7 Mrd. Euro unter dem Niveau von 2019. Der Nachhol-Boom gehe am europäischen Modehandel vielerorts vorbei, insbesondere in Italien und Spanien. Die deutschen Modehändler schlügen sich im Vergleich allerdings noch relativ gut: Hier lagen die monatlichen Umsätze im 4. Quartal 2021 lediglich 1,3% beziehungsweise 63 Mio. Euro unterhalb der Werte von 2019. „Der Kuchen war insgesamt kleiner und wurde dann noch anders verteilt“, sagt Duthoit. „Wir schätzen, dass inzwischen mehr als 40% der Mode-Umsätze außerhalb der spezialisierten Ladengeschäfte erfolgen.“

 
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Petra Steinke / 31.03.2022 - 11:07 Uhr

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