Händlerumfrage

Umsatzretter Kinderschuh

Händler erzählen, wie das Geschäft mit Kinderschuhen läuft und was Eltern und Kindern besonders wichtig ist. (Foto: Lotta & Emil)
Händler erzählen, wie das Geschäft mit Kinderschuhen läuft und was Eltern und Kindern besonders wichtig ist. (Foto: Lotta & Emil)

Wie läuft das Geschäft mit Kinderschuhen? Wonach fragen Eltern und Kinder? Welche Trends zeichnen sich in der Orderrunde ab? schuhkurier fragt bei Vollsortimentern und Kinderschuhhändlern nach.

Kinderschuhe werden immer gebraucht, in vielen Bundesländern wurden sie schon früh als systemrelevant eingestuft und konnten auch während der Lockdowns verkauft werden. Gute Voraussetzungen für ein einigermaßen erfolgreiches Geschäft mit Kinderschuhen während der Pandemie. Und so hat sich das Segment – oft als anstrengend und unbequem empfunden – für viele Vollsortimenter zum Umsatzretter entwickelt. „Mit den Kinderschuhen sind wir in der ablaufenden Herbst/Winter-Sai- son auf dem Niveau von 2019“, zeigt sich Peter Zimmermann vom Leipziger Schuhhaus „Draufgänger“ sehr zufrieden. Im auf nachhaltige Schuhe spezialisierten Schuhhaus haben die Kinderschuhe einen hohen Stellenwert. Die Kinderschuhabteilung läuft mit eigenem Eingang und der Marke „Der kleine Draufgänger“ wie ein eigenständiger Laden. Doch das war nicht immer so und dies zeigt, wie Kinderschuhe auch schon vor der Pandemie immer ernster genommen wurden. Angefangen als reiner Kinderschuhladen, stieg der Draufgänger später auf Herren- und Damenschuhe um. Erst seit 2017 gibt es dort wieder Kinderschuhe. „Wir haben von Kollegen mitbekommen, dass Kinderschuhe doch sehr lukrativ sein können. Aber man muss es richtig machen. Nebenbei zwei Kinderschuhmarken zu führen, lockt niemanden an.“ Die Nachfrage sei groß gewesen: Viele Kundinnen und Kunden, die früher als Kinder bei Draufgänger Schuhe gekauft bekommen haben, wollten ihren Kindern jetzt auch wieder im gleichen Laden die ersten Schuhe kaufen.

Systemrelevanz

„Kinder brauchen immer dringend Schuhe“, fasst es auch Max Wintzen von Schuhhaus Wintzen in Mönchengladbach zusammen. Und gerade bei jüngeren Kindern sei es vielen Eltern wichtig, sie auch anprobieren zu lassen, anstatt sie online zu bestellen. Von Zahlen wie vor der Pandemie kann er trotzdem nicht sprechen. Unter anderem ist seiner Ansicht nach nicht genug darum gekämpft worden, dass Kinderschuhe auch in Nordrhein-Westfalen als systemrelevant gelten. Dadurch sind Händlerinnen und Händler beim Verkauf und bei der Beratung mit Kinderschuhen genauso von Lockdowns und 2G- und 3G-Regeln eingeschränkt worden wie bei Schuhen für Erwachsene. Als einer von wenigen Vollsortimentern mit Kinderschuhen in der Stadt, wie er selbst sagt, habe er sich als Anlaufstelle für viele Eltern etablieren können. Warum viele seiner Mitbewerber immer noch so wenig Augenmerk auf dieses Segment legen, versteht Wintzen nicht: „Beschweren will ich mich darüber aber natürlich nicht.“

Auch der Düsseldorfer Kinderschuhhändler Thorsten Menz, Inhaber des Schuhgeschäfts Lolle & Bolle, sieht die Relevanz des Segments, besonders für Eltern. „Die Kunden wollen den Kontakt und die Beratung, zudem haben wir durch Weiterempfehlung einige Neukunden gewinnen können“, berichtet der Schuhhändler. Die Order für Herbst/Winter 2022/23 sehen viele der Händler kritisch und haben Sorgen vor Warenausfällen oder verspäteten Nachlieferungen. Die coronabedingten Lieferschwierigkeiten machen schließlich auch vor Kinderschuhen nicht halt.

„Wir können nicht in die Zukunft sehen, aber ich denke, dass die Themen Warenausfall und eine erschwerte Nachorder eine Rolle spielen werden“, sagt Thorsten Menz. Für die abgelaufene Saison berichten Viele von Verspätungen, doch in den meisten Fällen kam die bestellte Ware an. „Bei den Kinderschuhen konnte man mit vier Wochen Verzögerung rechnen, doch alles wurde geliefert“, beschreibt Christoph Kamper von Schuh Kamper in Korschenbroich die Situation. Und es gibt auch optimistische Gedanken: Die meisten Hersteller seien respektvoll mit dem Handel umgegangen und hätten versucht, alle Vereinbarungen einzuhalten. Max Wintzen beschreibt, dass er bei einigen Marken nach Bedarf bestellen und dank des Entgegenkommens der Hersteller vorsichtiger agieren könne und weniger vorordere. Für Thorsten Menz sind die zentralen Herausforderungen bei der Order die gleichen wie in jeder anderen Saison: „Auch bei Kinderschuhen muss man auf aktuelle Trends achten und diese ins Sortiment aufnehmen. Dabei ist uns aber wichtig, dass wir hinter dem Produkt stehen. Nur so kann man ein lebendiges Sortiment aufbauen, das von den Kunden angenommen wird.“

Durch die Lieferkettenprobleme und die steigende Inflation fürchten sich viele Händler vor Preissteigerungen. Dabei machen sie jedoch positive Erfahrungen, wenn es um die Kommunikation mit den Eltern geht: „Preissteigerungen müssen wir hinnehmen. Das Thema kann nicht ignoriert werden, weshalb wir ganz offen mit unseren Kunden darüber sprechen, und ihnen erklären, woher der gestiegene Preis kommt. Die meisten haben viel Verständnis und kennen gestiegene Preise auch aus anderen Lebensbereichen“, erzählt Thorsten Menz: „Da ist bislang niemand ins Internet abgewandert oder hat den Kauf nicht abgeschlossen. Zudem stehen wir in engem Austausch mit den Herstellern.“

Was Eltern und Kinder wollen

Den Eltern ist es immer wichtiger, für ihre Kinder Schuhe aus nachhaltigen und hochwertigen Materialien zu kaufen. „Nachhaltigkeit ist ein Thema für uns und wird auch auf der Fläche gezeigt. Unsere Kunden fragen teilweise gezielt nach nachhaltigen Produkten“, berichtet Thorsten Menz: „Dabei spielt für sie häufig auch eine Rolle, wo der Schuh herkommt. Unsere Kunden achten generell weniger auf den Preis, sondern wollen ein hochwertiges Produkt und eine individuelle Beratung.“ Ähnliches berichtet Peter Zimmermann von „Draufgänger“, jedoch sei die Qualität der Materialien immer noch das wichtigste Kriterium für die meisten Eltern Und was wollen die Kinder? Die werden immer markenbewusster. Schon die Grundschüler achten sehr genau darauf, welches Logo auf dem Schuh steht. Und das sind oft nicht die Marken, die dem Fachhandel zur Verfügung stehen: „Ab Größe 30 sind wir dann oft schon raus“, bedauert Christoph Kamper von Schuh Kamper. Auch wenn Kinderschuhe allgemein immer modischer werden, lassen sich Kinder ab einem bestimmten Alter doch nur von wenigen Marken begeistern. Die Zeit ist also auch für den Kinderschuhhandel herausfordernd. Lieferkettenprobleme und die gestiegenen Ansprüche der Kinder und der Eltern sind Themen, die Kinderschuhhändler und Vollsortimenter beschäftigen; auch wenn nicht alle Probleme des Schuhhandels auch für Kinderschuhe gelten. Doch es herrscht Zuversicht unter den Schuhhändlern, solange die Arbeit untereinander und mit den Herstellern gut weiterläuft. „Alle sind betroffen und wir müssen es partnerschaftlich meistern. Hinwerfen ist keine Option“, fasst es Thorsten Menz zusammen.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Christopher Mastalerz / 03.02.2022 - 10:33 Uhr

Weitere Nachrichten

Im Januar stand auf der Pitti Bimbo in Florenz die neue Kindermode im Mittelpunkt. (Foto: Pitti Immagine)

What’s new? Pitti Bimbo in Florenz

Bildergalerie

Neue Schuhe, Textilien und Spielzeug standen auf der Pitti Bimbo im Januar im Rampenlicht. Allerdings wollten Aussteller, Besucher und Veranstalter mit der Messe auch ein Zeichen über das Orderbusiness hinaus setzen.