Interview mit Salina Ferretti

Was der Schuhhersteller Falc plant

Salina Ferretti, CEO des italienischen Schuhanbieters Falc (Foto: Falc)
Salina Ferretti, CEO des italienischen Schuhanbieters Falc (Foto: Falc)

Salina Ferretti ist seit mehr als 15 Jahren für den italienischen Schuhhersteller Falc tätig, seit 2019 ist sie CEO des Unternehmens. Im Interview spricht sie über die Marken in ihrem Portfolio, Herausforderungen durch Corona und die Relevanz von Messen.

schuhkiurier: Frau Ferretti, mit welchen Erwartungen sind Sie in das Jahr 2022 gestartet?

Salina Ferretti: Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich die allgemeine Situation verbessern wird und dass die Verkäufe von Schuhen und Mode wieder viel Schwung erfahren.
 

Worauf freuen Sie sich mit Blick auf Ihr Unternehmen und Ihre Marken?

Wir sind bereit für ein Jahr mit positiver Energie und aufregenden Projekten. Ich freue mich besonders darauf, unsere Kunden und Partner wiederzusehen und auf neue Teams, die an neuen Themen arbeiten.
 

…und was bereitet Ihnen Sorgen?

Sorge bereitet mir die gestörte Supply Chain im Hinblick auf Energie, Rohmaterialien und Logistik. 
 

Werfen wir einen Blick zurück: Wie ist 2021 für Ihr Unternehmen gelaufen? Was war besonders erfolgreich? Was lief nicht so gut?

2021 war ein gutes Jahr mit Zuwächsen für alle Marken aus unserem Haus und quer durch alle Märkte.
 

Wie hat sich speziell das Kinderschuhsegment mit den Marken Falc, Falcotto und Naturino in der Krise entwickelt?

Die Kollektionen sind gewachsenen und innovativer geworden. Das hat mit den Konsumenten zu tun, die gleichermaßen nach sicheren Marken und aufregenden neuen Farben und Styles suchen.
 

Die Sneakermarke Voile Blanche positioniert sich im gehobenen Segment und mit einer sehr eigenen, individuellen Handschrift. In welchen Bereichen erwarten Sie für Voile Blanche Wachstum?

Voile Blanche wächst stark und hat sich zu einer umfangreichen Kollektion aus Luxus-Sneakern, aber auch Cityschuhen, Boots sowie einer Taschen- und Accessoires-Linie entwickelt. Wachstum entsteht durch neue Kunden und Märkte, aber besonders auch durch Kollaborationen mit Schlüsselkunden und Partnern in wichtigen Märkten wie Deutschland, den USA und Russland.

Neuzugang im Markenportfolio ist Candice Cooper. Sie haben die typische Aussage der Marke beibehalten, die Schuhe aber um einige Styles ergänzt. Wie ist die Resonanz aus dem Handel?

Unsere Kunden haben Falc als neuen Eigner und Distributor von Candice Cooper sehr begrüßt. Der Klassiker „Hero“ ist immer noch sehr stark, aber mit Innovationen haben wir der im DACH-Raum beliebten Marke neue Energie gegeben.
 

Warum passt Candice Cooper ins Portfolio Ihres Unternehmens?

Candice Cooper hat seine eigene, sehr starke Identität und DNA und unterscheidet sich darin deutlich von Voile Blanche, FM oder Wizz. Auf der anderen Seite ist Candice Cooper die perfekte Ergänzung unserer Marken für Erwachsene. Sie alle haben die Positionierung im mittleren bzw. gehobenen Markt gemein, außerdem ein exzellentes Image, und sie alle gehören in dieselben gehobenen Vertriebskanäle.
 

Sind weitere Marken in Ihrem Angebot denkbar?

Momentan sind wir mit den bereits vorhandenen Marken und Produkten sehr beschäftigt; es ist sehr aufwändig, sie zu stabilisieren und zu entwickeln. Wenn sich großartige Gelegenheiten ergeben, etwa in Form einer Marke, die wir lieben, würden wir natürlich darüber nachdenken.
 

Welche Märkte sind – bezogen auf die jeweiligen Marken – derzeit besonders interessant?

Unsere wichtigsten Märkte sind DACH, Frankreich, Italien, die USA, Russland und China.
 

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

In diesem Jahr haben wir viele neue Team-Mitglieder bei uns begrüßt. Es ist eine wichtige Aufgabe, einen starken Teamgeist zu entwickeln – und herausfordernd, wenn man sich nur über Zoom treffen kann. Natürlich kann es darüber hinaus auch zu externen Herausforderungen kommen, wenn sich die Pandemie wieder verschlimmert und neue Probleme hervorruft.
 

Hat sich das Verbraucherverhalten im Zuge der Pandemie verändert? Wenn ja, wie?

Abgesehen von einem deutlichen Wachstum im Bereich E-Commerce, vor allem während der Lockdown-Phasen, scheint es für Konsumenten wichtiger zu sein, einer Marke vertrauen zu können. Sie fordern mehr Transparenz und sie schätzen solide und verlässliche Unternehmen.
 

Aktuell wird eine gewisse Rückkehr zu mehr Eleganz und Klassik wahrgenommen. Allmählich scheint das Interesse an Business-Mode und -Schuhen zu steigen. Was bedeutet das für Ihre Marken?

Unsere Kollektionen haben sich deutlich in elegantere Sphären entwickelt, sie sind aber auch sehr modern und komfortabel. Outdoor und Activity sind noch deutlicher geworden, gerade auch weil immer mehr Familien mit Kindern Lust darauf haben zu reisen, draußen zu sein und die Natur zu entdecken.
 

Das Thema Nachhaltigkeit hat deutlich an Relevanz gewonnen. Wie interpretieren Sie dieses Thema und welche Ansätze verfolgen Sie?

Wir haben unsere Prozesse verbessert und deutlich umweltfreundlicher und nachhaltiger gestaltet. Das kommunizieren wir auch über unsere offiziellen Kanäle. Zugleich haben wir auch nachhaltige und recycelbare POS- und Verpackungsmaterialien eingeführt. Die Materialien, die wir einsetzen, sind zertifiziert und nicht gesundheitsschädlich. Hinzu kommen biobasierte Kapselkollektionen, die sich enorm weiterentwickeln.
 

Wo werden Ihre Schuhe hergestellt?

Der Großteil unserer Produktion erfolgt in Italien und Serbien, Sportschuh-Linien kommen aus Asien.
 

Sehen Sie hier eine Veränderung, etwa im Hinblick auf eine ausschließliche Produktion in Europa?

Aktuell planen wir keine Veränderung in unserer Produktion, weil wir unsere Schuhe auch in Asien und in den USA gut verkaufen.
 

In der Branche werden aktuell Preissteigerungen im Schuhbereich diskutiert. Welche Position vertreten Sie?

Wir bewegen uns im Rahmen der gesamten Branche, denn ein objektiver Anstieg der Kosten für Energie und Rohmaterialien führt für uns zu Preissteigerungen zwischen 3 und 10%, je nach Style.
 

Inwiefern hat Corona die Arbeit innerhalb des Unternehmens verändert? Gibt es neue Wege eine Kollektion zu entwickeln?

Covid hat uns alle zu Experten für digitale Meetings und Präsentationen gemacht. Aktuell überwiegt noch das physische Verkaufen unserer Kollektionen, aber wir können uns vorstellen, das zu ändern, weil Konsumenten zunehmend auch digitalen Tools vertrauen.


Wie gehen Sie mit dem Thema Messen um? Welche Veranstaltungen sind für Sie gesetzt, und welche Rolle kann digitale Order spielen?

Wir vermissen physische Messen als großartige Gelegenheit, um Kunden zu treffen und ein direktes Feedback aus dem Markt zu erhalten. Wir sehen viele unserer Partner als Freunde an und freuen uns sehr, sie zweimal im Jahr zu treffen. Daher werden wir auf den meisten internationalen und regionalen Messen dabei sein. Digitale Order ist zwar wichtiger geworden, aber Fachmessen bleiben für uns wichtige Gelegenheiten für die Begegnung und den Austausch.        

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Petra Steinke / 03.02.2022 - 16:24 Uhr

Weitere Nachrichten

Der Fall Candice Cooper

Schuhindustrie

Seit Anfang Juni tobt ein Rechtsstreit um die Marke Candice Cooper. Auf der einen Seite reklamiert das vor wenigen Monaten gegründete Unternehmen Candice Cooper AG mit Sitz in Zug/Schweiz sämtliche Rechte an Marke und Design für sich. Auf der anderen Seite sieht sich Christoph Siegel weiterhin als Inhaber der Marke. schuhkurier wird bis zu einer gerichtlichen Klärung auf eine weitere Berichterstattung verzichten.