„Der Handel braucht neue Optiken“

Was läuft im Damenschuh-Segment?

Streetstyle Paris: Stiefel im Blickpunkt (Foto: Martin Veit)
Streetstyle Paris: Stiefel im Blickpunkt (Foto: Martin Veit)

Bleibt die Sportivität? Oder kommt die Galanterie zurück? Wie entwickelt sich das Boot-Thema weiter? Was wird aus den Langschaftstiefeln? Und kommt die georderte Ware pünktlich? Fragen an Handel und Industrie.

In Rosenheim blickt man trotz des herausfordernden Jahres 2021 zuversichtlich auf die neue
Orderrunde. Das hängt auch mit der gerade zu Ende gegangenen Saison zusammen. „Unsere Handelspartner haben mit Gabor eine hervorragende H/W 2021-Saison erlebt. Neben starken Abverkaufsraten konnten wir mit einer sehr guten Lieferfähigkeit mit fast 100% Liefertermineinhaltung punkten, wofür wir auch von Handelsseite sehr gelobt wurden“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Achim Gabor. Auch für H/W 22 habe man „eine starke, modische Kollektion auf die Beine gestellt mit einer hervorragenden Preis-Leistung“. Die im Frühjahr startende Kampagne mit der Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld als neues Gesicht der Marke soll auf verschiedenen Kanälen für Aufmerksamkeit sorgen. „Wir erwarten einen deutlichen Mengenzuwachs, weil der Handel dringend neue Ware benötigt“, so Gabor.

Auch bei Högl in Österreich hat man positive Erwartungen an die H/W-Saison. „Wir rechnen weiterhin mit deutlichen Zuwächsen, vor allem durch fehlende Segmente wie feminine Stiefeletten, Pumps, neue Farben auch in der H/W-Saison“, erklärt Geschäftsführer Dr. Gerhard Bachmaier. Mit Blick auf die Feminität in der Schuhmode sieht man auch bei Nero Giardini eine deutliche Tendenz: „Wir spüren, dass die Nachfrage nach Galanterie zunimmt. Der Handel braucht neue Optiken im Geschäft. Neben den weiterhin wichtigen sportiven Formen glauben wir, dass eine gewisse italienische Eleganz eine gute Bereicherung für die Sortimente sein kann“, sagt Rainer Kraus, der die Kollektion der Marke auf der ANWR-Messe Order No. 1 präsentierte.

Roshan Paul, der unter anderem die Brands Nubikk und Lemon Jelly vertritt, zeigt sich mit dem Start in die Orderrunde ebenfalls zufrieden. „Die Kunden sind offen für neue Produkte und Farben. Sie trauen sich deutlich mehr als zuvor. Unsere Kollektionen überzeugen. Wir bekommen deutlich mehr ,,Shelve space’’ und Vertrauen. Unser ,,Covid Support’’ geht auf – wir verdoppeln den Umsatz dieses Jahr.“ Paul, der zuletzt auf der Fashn in Düsseldorf ausstellte, sieht vor allem Hybrid Boots und Sneaker-Modelle ganz oben auf den Orderblöcken, außerdem Lightweight Boots mit Sneakerkomfort. Als dominierende Farben sieht Paul Beige- und Brauntöne – und glaubt an mehr Klassik in der Schuhmode: „Wir sehen
einen Trend hin zu Party-Schuhen, allgemein darf es femininer werden, egal ob Boot oder Sneaker.“

Kräftige Sohlen & Kontraste

Dass sie für die kommende kalte Jahreszeit auf der Suche nach neuen Styles sind, daran lassen Händlerinnen und Händler derzeit keinen Zweifel. Die Messe in Mainhausen war gut besucht; die Möglichkeit, neue Kollektionen zu sichten, wurde rege genutzt – und dabei gezielt nach Neuem gesucht. Die Schuhhändlerin Carola Raaf aus Nagold im Schwarzwald sieht drei Themen für H/W 2022/23 als dominant an: „Ich sehe eine Steigerung im Bereich der Combat Boots. Außerdem glaube ich, dass Themen der Siebziger Jahre an Bedeutung zunehmen. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass die Damenschuh-Mode insgesamt ein bisschen feiner wird. Die Kundin wird zweifellos das Bedürfnis haben, wieder etwas eleganter aufzutreten.“

Auch bei Heinrich in Kiel setzt man auf kernige Silhouetten. „Dicke, kräftige Sohlen, gern auch in Kontrastfarben wie Honig, sind in den Kollektionen sehr präsent und werden auch bei uns im kommenden H/W eine große Rolle spielen“, berichtet Antje Meyn, die den Einkauf des Schuhfilialisten verantwortet. Hinsichtlich einer möglichen Rückkehr zur klassischeren Schuhmode bzw. Galanterie bleibt sie vorsichtig: „Die Entwicklung hin zu etwas feminineren Formen beobachten wir. Bei den jüngeren Kundinnen sind Buffalo-Modelle derzeit sehr angesagt.“

Frank Beckmann vom Schuhhaus Lötte in Bochum setzt farblich auf eine Fortsetzung der vielen hellen Beige- und Weißtöne, die in den vergangenen Saisons bereits gut funktioniert haben. Hinzu kämen aber verstärkt auch kräftige Farben, ist der Unternehmer überzeugt. „Gerade die kräftigen Böden werden in allen Segmenten extrem wichtig sein“, sagt Beckmann mit Blick auf die Modellerie. Unter anderem bewertet er Chelsea Boots in allen Schafthöhen sowie neue Loafer-Typen auf derben Sohlen als wichtige Warengruppen. „Die wichtigsten Trends für die kommende Herbst/Winter-Saison sind für mich Outdoor, Pufferoptiken für neue Taschen und Boots sowie Cloud Boots“, erklärt Katja Kerstein von der Verbundgruppe Rexor. In der Begutachtung der neuen Kollektionen geht auch ihr Blick vor allem nach unten. „Eines der wichtigsten Themen ist die Bodendominanz“, so die Fashionexpertin. Keineswegs dürften die Schuhe jedoch schwer daherkommen. Vielmehr müssten die Modelle mit Leichtigkeit, Komfort und Materialkombinationen punkten.

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Petra Steinke / 17.02.2022 - 11:38 Uhr

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