Analyse von BNP Paribas Real Estate

Was macht der Mietmarkt?

In Berlin wurden 2021 Flächen mit insgesamt 52.000 qm vermietet. (Foto: Unsplash)
In Berlin wurden 2021 Flächen mit insgesamt 52.000 qm vermietet. (Foto: Unsplash)

Die Vermietungsdynamik auf dem Retailmarkt ist 2021 deutlich gestiegen. Laut den Experten von BNP Paribas lagen die Vermietungen bundesweit über dem Vorjahr, in den Top-Städten sogar auf Vor-Corona-Niveau.  

Die in den letzten zwölf Monaten registrierten Vermietungszahlen in deutschen Innenstadtlagen unterstreichen, dass die Stimmungslage auf dem Retailmarkt im zweiten Corona-Jahr eine andere war als noch 2020: Mit einem Flächenumsatz von knapp 465.000 qm liegt das Gesamtresultat laut BNP Paribas Real Estate zwar weiterhin fast ein Viertel unter dem Ergebnis aus dem Jahr 2019, das Volumen aus dem Vorjahr konnte allerdings um rund 12 % gesteigert werden. Auch wenn weitere Lockdownphasen gerade im Gastronomiesektor nicht gänzlich auszuschließen seien, habe die gestiegene Zuversicht von Retailern, das Risiko mittel- oder langfristiger Mietentscheidungen jetzt wieder etwas besser abschätzen zu können, das Marktgeschehen spürbar belebt, heißt es in einer Analyse von BNP.

Ein wichtiger Trend, der sich hierbei im vergangenen Jahr abgezeichnet hat, ist die zunehmende Fokussierung auf die Top-Märkte, die im weiterhin schwierigen Marktumfeld durch ihre sehr guten Rahmenbedingungen bei der Standortentscheidung punkten können: So sind die A-Städte mit rund einem Drittel am Flächenumsatz beteiligt, was auch im langjährigen Vergleich dem mit Abstand höchsten Wert entspricht (2013 bis 2020: rund 24%). Insgesamt summiert sich das Vermietungsvolumen der größten Shopping-Metropolen auf fast 150.000 qm, womit das Vorjahresergebnis um 29% und das Volumen aus 2019 um 11% getoppt werden konnte.

Die Dominanz der A-Städte soll laut BNP jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die B-Städte mit einem Anteil von rund 23% überdurchschnittlich am Flächenumsatz (105.000 qm) beteiligt sind. Auffallend in dieser Städtekategorie ist insbesondere der hohe Anteil der Gastronomie-Branche von gut 33%, während sich an den A-Standorten die Gastronomen (22%) mit dem Fashion-Segment (24%) fast die Waage halten. Zugute kommt den B-Städten hierbei zum einen, dass sich unter ihnen zahlreiche Studentenstädte befinden, deren junge Bevölkerungsstruktur den auf Socializing ausgerichteten Konzepten in die Karten spielt. Zum anderen weiten Systemgastronomen wie Five Guys und Peter Pane, die ihr Filialnetz in den Top-Städten bereits verdichtet haben, ihre Expansionspläne auf B-Städte aus.

„Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Umstrukturierungsprozess der stationären Einzelhandelslandschaft in vollem Gange ist und auf der Nutzerseite eine große Bandbreite von bekannten und mit den Auswirkungen der Pandemie kämpfenden Marken bis hin zu expansionsfreudigen Newcomern anzutreffen ist. Vor diesem Hintergrund ist das Vermietungsergebnis im Jahr 2021 sicherlich als positiver Fingerzeig zu werten, insgesamt wird sich der Retailmarkt jedoch auch in Zukunft Jahr für Jahr neu beweisen müssen“, heißt es seitens BNP Paribas Real Estate.

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Helge Neumann / 26.01.2022 - 11:36 Uhr

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