„Wir stehen zum Fachhandel“

Was plant Living Kitzbühel?

Living Kitzbühel will unter dem neuen Geschäftsführer Dieter Klingenberg wachsen. (Foto: Living Kitzbühel)
Living Kitzbühel will unter dem neuen Geschäftsführer Dieter Klingenberg wachsen. (Foto: Living Kitzbühel)

Living Kitzbühel startet neu durch. Dieter Klingenberg ist seit Oktober 2021 neuer Geschäftsführer des Hausschuhspezialisten aus Österreich. Wie sehen die Pläne von Living Kitzbühel konkret aus?

Dieter Klingenberg fühlt sich wohl. Der Schuhexperte hat in Kitzbühel eine neue Heimat gefunden – privat und beruflich. Zum 1. Oktober 2021 trat Klingenberg die Nachfolge von Jürgen Langensiepen als Geschäftsführer bei Living Kitzbühel an. Unter seiner Führung soll sich die Hausschuhmarke deutlich weiterentwickeln. Das Potenzial, davon ist Dieter Klingenberg überzeugt, ist vorhanden. „Living Kitzbühel ist ein Rohdiamant. Es reizt mich, hier etwas aufzubauen.“ Die Marke erinnere ihn an seinen Einstieg bei Birkenstock im Jahr 2010, als auch dieses Unternehmen vor dem Aufbruch gestanden habe. „Die Situation von damals ist durchaus mit der Lage in Kitzbühel vergleichbar. Auch hier ist vieles im Umbruch und es entsteht aktuell sehr viel Gutes.“ Als inhabergeführtes Unternehmen stehe zudem auch Living Kitzbühel für Werte wie Qualitätsbewusstsein und ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, die in den Produkten der Marke sichtbar seien. Living Kitzbühel zeichne sich durch eigenständige Designs, höchsten Materialanspruch, zeit losen Charme und langlebige Qualität aus. Sämtliche Loden- und Walkstoffe, die für die Hausschuhe verarbeitet werden, bezieht Living Kitzbühel vom Mutterunternehmen, der Moessmer AG aus Südtirol. Die Tuchfabrik ist eine der renommiertesten Adressen für feine Stoffe. „Dass wir unsere hochwertigen Textilmaterialien selbst herstellen, ist ein echtes Unterscheidungsmerkmal“, ist Dieter Klingenberg überzeugt. Neben feinster Walkwolle aus reiner Schurwolle, hochwertigem recycletem Wollfilz (GRS) und chromfreiem echtem Lammfell aus Europa kommt für die Schuhe Premiumleder von LWG-zertifizierten Gerbereien aus Italien zum Einsatz. Die Produktion schließlich erfolgt in der Slowakei.

Kollektion stark ausgebaut

Es gebe auf vielerlei Ebenen Potenzial, ist Dieter Klingenberg sicher. Dazu zählt auch der Vertrieb. Aktuell ist Living Kitzbühel fast ausschließlich in den deutschsprachigen Ländern aktiv; das soll sich durch einen verstärkten Fokus auf die internationalen Märkte ändern. In Produktion und Logistik sieht der neue Geschäftsführer ebenso Optimierungsbedarf. Darüber hinaus wird die Produktpalette verfeinert und ausgebaut. Aktuell ist Living Kitzbühel vor allem im Kinderschuhsegment, und hier speziell bei Modellen für Mädchen, beheimatet. Bereits zur Saison H/W 2022/23 wurde das Angebot für Jungen, Damen und Herren erweitert. „Wir haben die Kollektion strategisch stark ausgebaut und die Anzahl der Artikel vor allem im Damen- und Herrenbereich um rund 40% erhöht – und das in einer schwierigen Zeit!“ Zur kommenden Herbst/Winter-Saison wird zudem die Kapsel Living Kitzbühel Lounge an den Start gebracht. Dabei handelt es sich um die Premium-Hausschuhlinie der Marke, die sich durch besonders hochwertige Materialien mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit wie z.B. 100% ökologische Merinowolle GOTS zertifiziert, ungefärbte und ungebleichte natürliche Bio-Merino-Wolle, Baby Alpaka und Baby Yak auszeichnet. Ganz neu ist darüber hinaus eine exklusive Sneaker-Kollektion. „Unser Inhaber, Paul Oberrauch, ist ein großer Sneaker-Fan. Wir haben ihm gesagt: Wir machen dir den besten Sneaker, denn du je getragen hast. Dazu haben wir einen eigenen Leisten und eine eigene Sohlenform entwickelt, in jedem Stylebis hin zur Verpackung steckt von unserem Designteam viel Liebe zu Details und wir verarbeiten nur die besten Materialien wie GOTS zertifizierten Wollwalk, feinstes vegetabil gegerbtes Lammnappa und chromfreies Suede aus LWG-zertifizierten Gerbereien“, berichtet Dieter Klingenberg. Die Sneakers werden im VK zwischen 249 und 399 Euro kosten und sollen nur sehr selektiv vertrieben werden.

Bekenntnis zum Handel

„Living Kitzbühel bekennt sich klar zum Fachhandel“, betont Dieter Klingenberg. Der eigene E-Commerce genieße innerhalb des Unternehmens keinen hohen Stellenwert; das unterscheide das Label von anderen Marktteilnehmern. Als Angebot an den Handel wurden strategisch wichtige Einstiegspreislagen stabil gehalten. „Wir sind ein verlässlicher Partner für den Handel – ich hoffe sehr, dass dieses Bekenntnis von unseren Partnern honoriert wird“, so Klingenberg. Grundsätzlich sei die Bedeutung der Themen Home und Living in den vergangenen beiden Jahren, die von der Corona-Pandemie geprägt waren, gestiegen.
„Wohlfühlen ist den Menschen heute wichtiger denn je. Und dazu gehört für viele auch ein guter Hausschuh.“ Über die eigene Marke hinaus, blickt Dieter Klingenberg jedoch durchaus sorgenvoll auf die Entwicklung der Schuhbranche. „Der Spaß am Shopping fehlt weiterhin. Einkaufen in den Innenstädten ist angesichts der Corona-Maßnahmen mühsam geworden. Davon profitiert in erster Linie der Onlinehandel, der auch in diesem Jahr wachsen wird.“ Zwar könnten viele Handelsunternehmen, die sich rechtzeitig spezialisiert hätten, weiter bestehen. „Dennoch tut es mir in der Seele weh, den Handel aktuell so leiden zu sehen.“

Trotz der aktuellen Herausforderungen blickt Dieter Klingenberg optimistisch in die Zukunft. Mit Living Kitzbühel sei künftig verstärkt zu rechnen. „Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Entwicklung und haben noch einen weiten Weg vor uns. Aber wir spüren den Rückhalt unseres Eigentümers und werden in den kommenden Monaten noch vieles auf den Weg bringen.“ Als Devise diene ihm dabei ein Zitat des Physikers und Philosophen Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker, das er zufällig beim Wandern in den Kitzbüheler Alpen entdeckt habe: „Tradition ist bewahrter Fortschritt, Fortschritt ist weitergeführte Tradition.“

Zur Person: Dieter Klingenberg

Dieter Klingenberg verfügt über mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in der Schuh-, Sport- und Modebranche. Nach einer ersten Station im Vertrieb von Adidas folgten Positionen in Leitungsfunktion bei Seidensticker und Clarks. Von Rieker wechselte Klingenberg 2010 zu Birkenstock. Dort war er als Chief Sales Officer am Erfolg des Schuhherstellers beteiligt. Zuletzt war Dieter Klingenberg bei der amerikanischen Outdoor-Marke Keen als Sales and Business Development Director tätig.

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Helge Neumann / 11.02.2022 - 11:20 Uhr

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