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Was Zalando 2022 plant

CEO David Schneider und COO David Schröder blicken zuversichtlich ins nächste Jahr. (Foto: Zalando/Daniel Hofer)
CEO David Schneider und COO David Schröder blicken zuversichtlich ins nächste Jahr. (Foto: Zalando/Daniel Hofer)

2021 habe man wichtige Schritte getan, um „Starting Point for Fashion“ zu werden, so Zalando auf der Pressekonferenz zum Jahresbericht. Der Blick aufs vergangene und kommende Jahr verrät, wie sich das Unternehmen weiter ausrichten will.

„2021 war ein herausragendes Jahr“, sagte Zalando-CEO David Schneider, als er gemeinsam mit COO David Schröder am 1. März die jährliche Pressekonferenz abermals in virtueller Form einläutete. Erwartungsgemäß konnte der E-Commerce-Anbieter aufgrund der Corona-Pandemie weiter stark wachsen. Das Bruttowarenvolumen für 2021 stieg um 34,1% auf 14,3 Mrd. Euro, der Umsatz legt um 29,7% auf 10,4 Mrd. Euro zu. Der bereinigte Gewinn vor Steuern und Abgaben (EBIT) lag bei 468 Mio. Euro, was 4,5% der Erlöse entspricht. Dieser Anteil war 2020 mit 5,3% noch höher. Im Geschäftsjahr 2022 möchte man das Brutto-Warenvolumen um 16% bis 23% erhöhen. Die Erlöse sollen um 12% bis 19% steigen. Als bereinigtes EBIT werden 430 Mio. bis 510 Mio. Euro als Ziel gesetzt. Nicht berücksichtigt in der Prognose sind mögliche Einflüsse verursacht durch den Krieg in der Ukraine. Zalando ist nicht geschäftlich in der Ukraine aktiv, man wolle die ukrainischstämmigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch dabei unterstützen, Visa für ihre Familien zu organisieren und spendet 1 Mio. Euro und Sachspenden für Kriegsgeflüchtete.

Aktiv in 23 Ländern

Neben den guten Zahlen betonte Zalando stolz, wie viele Menschen das Unternehmen heute erreicht. Mit Kroatien, Estland, Lettland, Litauen, der Slowakei und Slowenien sei man 2021 in sechs weitere europäischen Märkte eingestiegen. Insgesamt agiert Zalando heute in 23 Ländern und mit 48 Mio. aktiven Kundinnen und Kunden kauft ein beträchtlicher Teil der europäischen Bevölkerung regelmäßig beim E-Commerce-Unternehmen ein. Die durchschnittliche Anzahl von Bestellungen pro aktivem Kunden bzw. aktiver Kundin erreichte einen Höchststand von 5,2. Insgesamt wurden auf Zalando 2021 mehr als 250 Mio. Bestellungen getätigt. Auch das Abo-Angebot Zalando Plus soll immer mehr Menschen zugänglich gemacht werden. Nach drei Jahren ist der Dienst nun in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien verfügbar und die 1-Mio-Abonnenten-Marke wurde erreicht. Bis Ende 2023 soll die Anzahl an teilnehmenden Märkten verdoppelt werden. Das Ziel von Zalando bleibt, in Europa zum „Starting Point for Fashion“ zu werden. Wer online Mode kaufen will, dem soll als erstes Zalando in den Sinn kommen.

 

Für das künftige Jahr geht es vor allem um Services, das Plattform-Geschäft und Nachhaltigkeit. Mit diesen Schwerpunkten will sich Zalando zukunftssicher aufstellen. Zalando soll in Zukunft mehr sein als nur ein Online-Shop. Zur Diversifizierung des Portfolios soll der Bereich Beauty gestärkt werden, der mit eigener Themenwelt prominent auf der Website und der App vertreten sein wird. Außerdem sucht man langfristige Partnerschaften mit Unternehmen aus anderen Branchen, seit kurzer Zeit werden in einigen Märkten Apple-Produkte angeboten. Ein weiteres Stichwort bei der Entwicklung des Unternehmens ist Inspiration. Es soll mehr auf Kollaborationen gebaut werden, außerdem will Zalando im Mode- und im Beautybereich personalisierbare Guides anbieten. Das richtige Pflegeprodukt für den eigenen Hauttypen oder das perfekt aufeinander abgestimmte Outfit – die virtuelle Beratung soll den Kunden oder die Kundin zum passenden Produkt führen und dabei Spaß machen.

 

Plattform-Geschäft im Fokus

„Starting Point“ bedeutet auch, dass andere Online-Stores und stationäre Geschäfte über Zalando verkaufen. Die Geschäftsführung möchte das Plattform-Geschäft fokussieren. Ziel ist es, dass 50% des Bruttowarenvolumens über das Plattform-Geschäft generiert werden. 2021 waren es 30%, im Vorjahr noch 21%. Man arbeite gleichermaßen daran, für Händler, Hersteller und Kunden attraktiver zu werden. Händler sollen zukünftig Zugang zur Logistikinfrastruktur bekommen, die 2022 mit 400 bis 500 Mio. Euro weiter ausgebaut werden soll. Zalando will seine Partner von den Vorzügen eines Multi-Brand-Stores überzeugen. Viele Marken anzubieten, schade dem einzelnen Hersteller nicht, sondern entspreche dem Kaufverhalten der Kundinnen und Kunden. Schließlich kaufe man im Durchschnitt Mode und Schuhe von 18 Marken.

 

Eine Online-Plattform mit vielen Marken sei besonders attraktiv für den Kunden, wovon die Hersteller nur profitieren könnten. Gleichzeitig will man Partnern mit Zalando Marketing Services die Möglichkeit geben, innerhalb der Zalando-Plattform direkt die Kundschaft anzusprechen, Geschichten zu kommunizieren und damit Stammkunden zu gewinnen. Man wolle als großer Modekonzern ein Vorbild für nachhaltiges Handeln in der Modebranche sein, teilte Zalando weiter mit. 2021 wurde das Nachhaltigkeitssortiment von 80.000 auf 140.000 Waren fast verdoppelt. Der Verkaufsanteil dieser Produkte stieg von 16% auf 21,6%. CEO David Schneider betonte, dass Zalando dabei mithelfen wolle, die Modebranche als Ganzes nachhaltiger zu gestalten: „Während wir als Unternehmen wachsen, wollen wir unsere starke Position nutzen, um positive Veränderungen in der Modeindustrie voranzutreiben.“ Dabei steht das Unternehmen natürlich auch vor Herausforderungen. Gerade Retouren von Bestellungen führen zu Verschwendung bei der Produktion von Modeartikeln. „Es ist natürlich auch noch viel zu tun“, räumt Schneider ein.

Man suche nach Möglichkeiten, die Anzahl an Retouren zu senken. Man müsse den Kundinnen und Kunden besser erklären, wie Größe und Passform der Produkte ausfallen, damit diese nur wirklich passende Produkte bestellen. Klar ist jedoch, dass die großzügigen Retour-Services für Zalando in den vergangenen 15 Jahren einer der Gründe für den Aufstieg des Unternehmens waren und sich die Kundschaft bei Zalando auf diesen Service verlässt. „Die problemlosen Retouren machen uns aus und haben uns dahin gebracht, wo wir sind“, erklärt Zalando-COO David Schröder. Man werde sein Alleinstellungsmerkmal nicht aufgeben, sei aber überzeugt, dass es einen Weg gebe, Kundenfreundlichkeit und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.

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Christopher Mastalerz / 10.03.2022 - 14:06 Uhr

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