190 Jahre Schneider Schuhe

Weiterentwicklung aus Tradition

Vor 190 Jahren eröffnete Schuhmachermeister Johann Heinrich Keller in St. Gallen eine Schuhwerkstatt. Heute wird es in sechster und siebter Generation geführt. (Foto: Schneider Schuhe)
Vor 190 Jahren eröffnete Schuhmachermeister Johann Heinrich Keller in St. Gallen eine Schuhwerkstatt. Heute wird es in sechster und siebter Generation geführt. (Foto: Schneider Schuhe)

Das St. Gallener Schuhhaus Schneider Schuhe feiert sein Jubiläum und beschäftigt sich dafür mit der Vergangenheit und der Zukunft.

Karibische Musik, einen Sandkasten für Kinder, Bier und Bratwurst: Zum 190-jährigen Jubiläum will Schneider Schuhe mit zwei Geschäften in St. Gallen in der Ostschweiz Volksfestatmosphäre ausstrahlen, die in den vergangenen Jahren nur so selten aufkommen konnte. Am 20. und 21. Mai feiert das Geschäft die Gründung im Jahr 1832, wodurch es das älteste noch bestehende Schuhhaus der Schweiz ist und nun von der sechsten Generation in Person von Ueli Schneider und der siebten Generation in Person von Samuel Schneider geführt wird. Wer sich 190 Jahre und länger halten möchte, der muss sich an das Zitat des italienischen Schriftstellers Guiseppe Tomasi di Lampedusa aus dessen Roman Der Leopold halten, heißt es beim Schuhhaus: „Alles muss sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist.“ Das Unternehmen werde beständig weiterentwickelt, um regelmäßig etwas Neues zu bieten. Seit 2017 wurden beide Läden in St. Gallen renoviert und ein Online-Shop aufgebaut. Dieser mache nur weniger als 10% des Umsatzes aus, während für die selbstgeschossenen Fotos und die tägliche Aktualisierung der Bestandsanzeige viel Arbeit im laufenden Betrieb notwendig ist: Doch er sorge nachweislich für bessere Frequenzen in den stationären Läden. „Ich habe zuvor unterschätzt, wie gut der Shop als Schaufenster funktioniert“, erklärt Samuel Schneider, dem Kundinnen und Kunden regelmäßig erzählen, dass sie einen Schuh anprobieren wollen, nach dem sie ihn auf der Webseite gesehen haben. „Man schaut sich zum Beispiel mit der Mutter, die sich nicht mehr so gut bewegen kann, online die Schuhe an und kommt dann in den Laden, weil man weiß, dass sich der Weg lohnt und man etwas Passendes finden wird“, ist eines von vielen Szenarien, in denen der Online-Auftritt der Kundschaft einen Mehrwert bietet. Das Geschäft profitiere davon wie von einer neuen Wertschätzung für den stationären Einzelhandel, wie Schneider festgestellt hat, und laufe nun besser als noch vor Beginn der Pandemie.

 

Vollsortiment und Familienausstellung

Zum 190-jährigen Jubiläum möchte das Schuhhaus nach vorne und zurück schauen. Zurzeit wird die endgültige Weitergabe des Unternehmens an Samuel Schneider geplant, der zurzeit vor allem für das Marketing und das Personal hauptverantwortlich ist und den Ein- und Verkauf gemeinsam mit Vater Ueli verantwortet, welcher demnächst das Rentenalter erreicht. „Ich wollte als Kind schon Chef werden und all das machen, was mein Vater gemacht hat. Auch wenn ich noch nicht wirklich wusste, was das eigentlich bedeutet“, erinnert sich Samuel Schneider, wie er in dieses Business hineingeboren wurde. Zum Jubiläum soll auch die Geschichte des Unternehmens öffentlich dargestellt werden. Im vierstöckigen Stammhaus verteilt sollen sieben Ausstellungstafeln, je eine für jede Generation, aufgestellt werden. Auch das Online-Archiv soll stark aufgebohrt und optisch überarbeitet werden.
Im Mittelpunkt sollen aber natürlich immer die Schuhe bleiben. In den beiden Geschäften bietet Schneider Schuhe über 100 Marken. Dass Lowa und Paul Green am besten laufen, zeigt die Bandbreite des Schuhhauses. Es positioniere sich bewusst als Vollsortimenter, anstatt sich auf wenige Schwerpunkte zu spezialisieren, auch wenn es schwierig sei, in so vielen verschiedenen Segmenten up to date zu bleiben und immer die besten Schuhe der Saison zu finden. „Es hat sich herausgestellt, dass uns das sehr krisensicher macht“, resümiert Samuel Schneider. Während der Pandemie waren zum Beispiel vor allem Hausschuhe, Outdoor-Schuhe und Kinderschuhe gefragt, nun verkaufen sich Business und Galanterie wieder besser – und wer alle Schuhe anbietet, sei auf jede Entwicklung vorbereitet.

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Christopher Mastalerz / 17.05.2022 - 13:10 Uhr

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