Life-Projekt „GreenShoes4All“

Wie Schuhe nachhaltiger werden können

Initiative „GreenShoes4All“
Initiative „GreenShoes4All“

Nachhaltige und reparaturfähige Schuhe waren Thema einer Online-Konferenz des Life-Projekts GreenShoes4All im Rahmen der Grünen Woche der EU. Die Veranstaltung bot Gelegenheit, neueste Ergebnisse zu teilen und bereits Erreichtes vorzustellen.

Carmen Arias von der European Footwear Confederation (CEC) schilderte im Rahmen des Online-Seminars den aktuellen EU-Rechtsrahmen in Bezug auf Kreislaufwirtschaft, Recyclingfähigkeit und Nachhaltigkeit. Sie begann mit dem EU Green Deal, der im Dezember 2019 beschlossen worden war. Anschließend ging sie auf das Vorschlagspaket im Rahmen des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft ein, das die Europäische Kommission im März 2022 angenommen hat und das sich in Teilen auch auf den Schuhsektor auswirkt. Für das Schuhbusiness relevante Elemente sind etwa die Initiative für nachhaltige Produkte, die den künftigen digitalen Produktpass regeln soll, die EU-Textilstrategie und die Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“, die Greenwashing bekämpfen soll. Schließlich stellte Arias einige für die kommenden Monate vorgesehene EG-Verordnungen vor, z. B. die Überarbeitung der REACH-Verordnung und die Vorschläge für Kunststoffe.

Maria José Ferreira vom Footwear Technology Centre of Portugal (CTCP), führte als Leiterin des Projekts in das Thema ein, indem sie die wichtigsten Ergebnisse des Projekts zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks des Endprodukts Schuh erläuterte: Verringerung des Fußabdrucks jedes vorangegangenen Schritts, Arbeit am Design und Auswahl der besten Materialien, weitestgehende Vermeidung von Abfall. Dies ist die Grundlage der Product Environmental Footprint (PEF)-Methode und der Ökodesign-Leitlinien für die Schuhindustrie, die auf der Website des Projekts verfügbar sind. Borja Mateu Romero vom Spanischen Zentrum für Schuhtechnologie (INESCOP) zeigte einige Beispiele spanischer Schuhhersteller, die sich für Recyclingfähigkeit, Reparierbarkeit, Langlebigkeit, Null-Abfall und Null-Emissionen einsetzen: eine Demonstration dafür, wie man durch Maximierung der Ressourcen produzieren kann. Vera Vaz Pinto vom CTCP ging noch mehr ins Detail, indem sie Fakten und Zahlen der im Rahmen des Projekts angewandten PEFCR-Methode erläuterte. Diese Methode wurde von dem portugiesischen Unternehmen AMF eingeführt, das über mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Sicherheits- und Berufsschuhen verfügt. Tiago Machado erläuterte, wie drei ihrer Modelle durch die Verwendung natürlicher und recycelter Materialien "umgestaltet" wurden, wobei das Gewicht reduziert, die Sicherheitsnormen und -tests jedoch eingehalten und angemessene Preise beibehalten wurden.

Wiederverwertbarkeit von Schuhen

Der zweite Teil des Webinars war der Wiederverwertbarkeit gewidmet. Drei Referenten dieses Abschnitts erläuterten, wie verschiedene Materialien in die Produktion von Schuhen und deren Komponenten integriert werden können. José García von Evathink (Spanien), einem Unternehmen, das die spanische Regierungszertifizierung für den Kohlenstoff-Fußabdruck der Organisation erhalten hat, erläuterte den Herstellungsprozess neuer recycelter Materialien durch Mischen von Polymeren. Carlo Coelho, Vertreter von Atlanta, einem Unternehmen, das seit 1995 im portugiesischen Schuhcluster tätig ist, erläuterte, wie Thermoplaste und Gummi für Schuhsohlen recycelt werden können. Schließlich stellte Mihai Georgescu vom Forschungsinstitut für Leder und Schuhe (ICPI) in Rumänien einige Recyclinglösungen vor, die Schuhherstellern vorgeschlagen werden und auf der Beimischung verschiedener Abfallarten (z. B. Leder nach dem Verbrauch, vulkanisierter Gummi und Holz) zu Materialien basieren.
Am Ende der Veranstaltung wurden aktuelle Fragen zum Thema diskutiert, z. B. die Notwendigkeit internationaler Zertifizierungen für den Carbon-Fußabdruck, die Recyclingfähigkeit von Leder und die regionalen und nationalen Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen, die auf einen grünen Wandel hinarbeiten. Der Klimawandel und die Umweltzerstörung sind eine globale Bedrohung für alle. Nach der Unterbrechung der Wertschöpfungsketten und dem Anstieg der Energiepreise, der durch die Covid-19-Pandemie und die geopolitische Krise verursacht wurde, ist der Übergang zu einer grünen Wirtschaft aus Sicht des CEC keine Option mehr. Das Life-Projekt GreenShoes4all habe jedoch gezeigt, dass ein neuer Weg möglich und gangbar sei und dass der Sektor bereit sei, sich zu engagieren und zum grünen Übergang beizutragen.

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Petra Steinke / 07.06.2022 - 09:47 Uhr

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