Analyse von Comfort

Wie stark beeinflusst Corona die Frequenz?

Die Düsseldorfer Innenstadt am Samstag vor dem 1. Advent: Viele Menschen waren unterwegs. Die Einzelhandelsumsätze blieben offenbar dennoch hinter den Erwartungen zurück. (Foto: Redaktion)
Die Düsseldorfer Innenstadt am Samstag vor dem 1. Advent: Viele Menschen waren unterwegs. Die Einzelhandelsumsätze blieben offenbar dennoch hinter den Erwartungen zurück. (Foto: Redaktion)

Der Einzelhandelsspezialist Comfort hat eine Untersuchung der Besucherzahlen von 2019 bis 2021 in deutschen Einkaufsstädten vorgelegt. Es gebe Anlass zur Hoffnung, so das Fazit der Experten.

Comfort hat hystreet.com-Zahlen jeweils aus dem September die Jahre 2019 bis 2021 miteinander verglichen. Olaf Petersen, Geschäftsführer und Chefresearcher des Einzelhandelsspezialisten Comfort, entschied sich für den September zum Jahresvergleich, weil dieser gegenüber einem vollständigen, gemittelten Jahresvergleich ein weniger verzerrtes Bild ergebe. „Eingedenk der besonderen Jahresverläufe der Coronajahre 2020 und 2021 ist der gemittelte Vergleich auf Jahresbasis untereinander und mit 2019 als Referenzjahr (letztes Nicht-Corona-Jahr) nicht geeignet, um daraus inhaltliche Aussagen ableiten zu können“, erklärt Petersen die Vorgehensweise. 2020 habe es einen normalen Start des Jahres gegeben, dann einen Lockdown von Mitte März bis Mai/Juni, einen Gastro-Lockdown ab November sowie einen erneuten Einzelhandelslockdown ab Mitte Dezember. Im Jahr 2021 galt der Lockdown von Jahresbeginn an bis Mai/Juni. Nach einem relativ normalen Sommer und frühen Herbst gab es dann zum Ende des Jahres die sogenannten 2G-Regeln, die bis zum Jahresende in Kraft blieben. Daher sei ein Vergleich der gemittelten Jahres-Daten rein statistischer Natur und habe keine Aussagekraft hinsichtlich der Entwicklung der Zahlen unter relativ vergleichbaren Bedingungen.

Gewählt wurde von ihm daher der September der Jahre 2019 bis 2021, da dieser Monat ein weniger verzerrtes Bild abzugeben vermag. Comfort untersuchte diesbezüglich alle Samstage (Top-Einkaufstag der Woche) in den Jahren 2019 bis 2021 mit den Ladenöffnungszeiten zwischen 8 und 20 Uhr und Durchschnittswerten pro Stunde für ausge- wählte Top-Einkaufsmeilen, sofern hier auch durch hystreet durchgehend die Frequenzen erhoben wurden. Anschließend wurden diese im Drei-Jahresvergleich gegenübergestellt. Untersucht wurden sowohl Metropolen als auch B-Städte. Als Basis dienten die durch hystreet für die Top-Einkaufsstädte und -straßen zur Verfügung gestellten Zahlen. Diese Passantenfrequenzen bilden eine wichtige Information für die laufende Entwicklung des Besucher- bzw. Kundenpotenzials in Deutschlands Innenstädten.

Dabei konnte generell konstatiert werden, dass die Ergebnisse für die Top-Metropolen wie auch ausgewählte B-Städte einen gleichartigen Trend widerspiegeln. Die höchsten Stundenfrequenzen waren danach in der Regel im Jahr 2019 festzustellen und die schlech- testen Werte im Jahr 2020. Der September 2021 sorgte mit deutlichen Aufholeffekten fast überall für eine spürbare Erholung der Besucherzahlen - wenngleich diese ebenfalls beinahe noch überall unter den Zahlen des Vor-Corona-Jahres 2019 blieben.

Dabei, sagt Olaf Petersen, sei zu berücksichtigen, dass natürlich auch die 2021er Werte durch signifikante administrative Corona-Einschränkungen beeinträchtigt waren. Maskenpflicht, eingeschränkte Höchstzahl an Kunden in den Geschäften und Gaststätten, fehlende internationale Touristen, Homeofficepflicht – all diese ungünstigen Einflüsse hatte es im September 2019 natürlich noch nicht gegeben. Dessen ungeachtet, so Petersen weiter, gäben die Zahlen durchaus Anlass zu der Erwartung, dass spätestens bei einem längerfristig anstehenden Wegfall derartiger Beschränkungen beziehungsweise wiederhergestellter Normalität, die Passantenfrequenzen wieder auf das Vor-Corona-Niveau steigen würden. Denn trotz des in der Corona-Zeit deutlich gewachsenen E-Commerce sei das Bedürfnis der Menschen nach innerstädtischen Erlebnissen in beliebiger Kombination mit Einkaufen, Essen gehen, Kino-/Theaterbesuch, Freunde treffen usw. nicht verschwunden und könnte durch den steten Empfang von Online-Paketen auch nicht ersetzt werden. Die gegenüber 2020 deutlich verstärkte Neuvermietung von Ladenlokalen im Jahr 2021 unterstreicht dies auch aus Sicht der Händler und Handelsketten, die sich derzeit für die Zeit nach Corona mit neuen Standorten positionieren.

Bei den einzelnen Ergebnissen der Städte sticht wieder einmal die Düsseldorfer Schadowstraße heraus, die als einziger der betrachteten Standorte im September des Jahres 2021 eine höhere Besucherzahl aufweist als im Jahr 2019. Grund hierfür ist die Fertigstellung des KII (Kö-Bogen 2) mit neuen, attraktiven Mietern in Verbindung mit der gleichzeitigen Fertigstellung der Fußgängerzone in diesem Bereich. In München war der Verlust an Besuchern im Jahr 2020 mit -32,5% im Vergleich zu 2019 am stärksten. Hier hat sich das Fehlen der nationalen und internationalen Touristen zu diesem Zeitpunkt stärker ausgewirkt als beispielsweise in Köln oder Hamburg. Gegenüber 2020 hat die Besucherzahl aber auch auf der Neuhauser Straße in München mit einer Steigerung um 25,8% wieder deutlich zugelegt.

In allen untersuchten Metropolen – mit Ausnahme von Stuttgart, konnte diese Erholung der Passantenfrequenzen gegenüber 2020 festgestellt werden. Dies gilt mit Ausnahme von Hannover auch für die untersuchten B-Städte. Allerdings war der Rückgang der Passanten in Hannover im Jahr 2020 mit nur 11,3% gegenüber 2019 auch vergleichsweise gering. Den gleichen niedrigen Verlust erzielte auch Mannheim. Die niedrigen Rückgänge in Mannheim und Hannover könnten ihre Erklärung darin finden, dass beide Städte weniger touristisches Potenzial aufweisen als beispielsweise Nürnberg, Dresden oder Leipzig, in denen der Rückgang deutlicher höher ausfiel.

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Helge Neumann / 27.01.2022 - 09:50 Uhr

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