Industrie-Umfrage

Wie Unternehmen mit Social Media aus Kunden Fans machen

Viele Marken aus der Schuhbranche nutzen Social Media-Kanäle, um direkt mit Konsumentinnen und Konsumenten zu interagieren. Worauf kommt es beim Posten an?(Foto: Marc O‘Polo)
Viele Marken aus der Schuhbranche nutzen Social Media-Kanäle, um direkt mit Konsumentinnen und Konsumenten zu interagieren. Worauf kommt es beim Posten an?(Foto: Marc O‘Polo)

In der Kommunikationsstrategie der Schuhhersteller ist Social Media fest verankert. Schon mit relativ geringem Aufwand erreichen die Marken ihre Fans und über die sozialen Netzwerke lassen sich die User mit gut gemachten Kampagnen begeistern.

„Egal welches Geschlecht, welches Alter oder Aussehen – über Social Media erreichen wir gezielt die verschiedenen Zielgruppen und präsentieren jede Saison eine Auswahl an Key-Pieces“, erklärt Markus Römer, Leitung Marketing bei Dockers by Gerli. Auch für Ralf Riek, Vertriebsleiter Finn Comfort, bietet der Austausch mit der Community eine gute Gelegenheit „uns öffentlich kundenorientiert zu präsentieren“. Die Statistik-Tools von Facebook, Instagram & Co. helfen bei der Analyse der Kampagnen. Ralf Riek ergänzt: „Wir erkennen auf einem Blick, wie viele Fans in einem bestimmten Zeitraum hinzugekommen sind, welches Produkt am häufigsten gelikt wurde und welcher Beitrag die größte Reichweite erzielte“.

Und wie reagieren die User auf die zahlreichen Posts? Viele Marken haben bereits eine eingeschworene Fangemeinde und konnten zusätzlich einen jüngeren Kundenkreis gewinnen. Begeisterte Kunden würden die Produkte teilen und sie an Freunde weiterempfehlen. Generell sei das Feedback sehr positiv und man lerne auch aus den Antworten, heißt es seitens der Unternehmen. An erster Stelle stehe natürlich die Kundenzufriedenheit. Wichtig sei es, alle Fragen und Anregungen aufzunehmen und zu beantworten, und man solle ein hohes Maß an Empathie mitbringen und authentisch sein. „Die User merken schnell, ob sich eine Marke verkleidet, damit büßt sie Glaubwürdigkeit ein und das wäre schade. Es ist wichtig, auf alle Interaktionen schnell zu reagieren und bei konkreten Nachfragen klare Antworten zu geben“, fasst Kai Moewes, Vertriebs- und Marketingleiter von Ricosta, zusammen. Vorgefertigte Standardantworten seien ein Nogo. Sandro Schramm, Director Marketing & Growth bei Marc O’Polo, zieht als Fazit: „Die Kommunikation mit unserer Community hat sich stark verändert. Transparenz und Schnelligkeit sind wichtiger denn je. Austausch findet auf vielen Kanälen statt, sowohl offen unter Posts als auch im Chat oder über E-Mail.“

So präsentieren sich die Marken auf Facebook, Instagram & Co.

Für die Lifestyle-Marke Marc O’Polo liegt der Fokus auf Inspiration und Interaktion mit jungen Zielgruppen. „Schuhe sind immer integraler Bestandteil unserer Kampagnen“, erklärt Sandro Schramm. Die Kampagne für F/S 2022 „It’s on us“, produziert von Jonas Lindstroem, wird ab dem 14. April auf allen Touchpoints inklusive Social Media gelauncht. Für spezielle Items wie den neuen Timber Sneaker produziert Marc O’Polo regelmäßig Sonderthemen mit Influencern und klarem Fokus auf Instagram. Kürzlich haben die beiden italienischen Instagram-Stars Andrea und Paolo Faccio den neuen Sneaker auf ihren Kanälen inszeniert. Insgesamt sind für die Marke 150 Influencer im Einsatz.

 

Gabor ist bereits seit mehreren Jahren auf Facebook und Instagram mit mehreren Posts pro Woche vertreten und nutzt verschiedene Content-Formate wie z.B. Bewegtbilder, Stories oder Reels. Jeweils für Damen und Herren gibt es zwei Accounts in unterschiedlichen Sprachen. „Außerdem werde Paid Social für größere Reichweiten genutzt“, so ein Unternehmenssprecher. Markenbotschafterin für Gabor ist in dieser Saison Yvonne Catterfeld. Die Sängerin und Schauspielerin wird als Testimonial in einer 360 Grad-Kampagne auf allen Kanälen eingesetzt und ist auch auf Social Media gut vertreten.

Die Damenschuhmarke Ara arbeitet mit Frauke Ludowig als Markenbotschafterin zusammen. „Bei den Bild- und Videobeitragen versuchen wir stets, authentisch zu sein und abwechslungsreichen Content zu liefern“, berichtet Krasimir Zovak, Geschäftsführer Vertrieb, Marketing & Entwicklung. Hinzu kommen Influencer-Kooperationen und Inhalte der Userinnen, die auf den Kanälen repostet werden. Für die Handelspartner stellt der Damenschuhhersteller Themen und Bildmaterial vor, das sie sich im B2B-Bereich herunterladen können. „Unsere Kunden nutzen Instagram & Co. immer mehr“, freut sich Kresimir Zovak über den Erfolg.

In der Digital-Kampagne „Frauen.Momente“ setzt Tamaris auf emotionales Storytelling mit Lebensgeschichten von Frauen für Frauen. Jeden Monat gibt es ein Portrait von authentischen Frauen, die von den mutigsten Momenten im Leben und den damit verbundenen tiefen Freundschaften erzählen. Eine entsprechende Bühne erhalten sie auf dem Content-Hub der Marke Tamaris – dem YouTube Kanal, der im letzten Jahr von knapp 7.000 auf fast 30.000 Abonnentinnen und Abonnenten gewachsen ist. Stand jetzt liegt der Abonnentenzähler bereits bei 38.000. Cathleen Burghardt, Head of Marketing bei Tamaris: „Wir wollen nicht nur der perfekte Schuh sein, sondern auch das, was man mit ihm erlebt.“

Kennel & Schmenger bespielt die Social Media-Kanäle mit den Topsellern und modischen Highlights der jeweiligen Saison. Der Inhalt wird teilweise selbst erstellt oder zusätzlich von bekannten Mode-Influencern produziert. „Mit diesem guten Mix halten wir unsere Follower bei Laune“, erzählt Selina Hög, Digital Marketing Manager bei Kennel & Schmenger. Geplant werden die Inhalte und Posts schon einige Monate zuvor, damit die Marke rechtzeitig und spontan auf die aktuellen Trends reagieren und in den Social Media-Kanälen bespielen kann.

Aktuelle Kampagne des Schuhherstellers Dockers by Gerli ist die „Dockers x Art“-Kollektion. Verschiedene Motive des Künstlers Thomas Gensheimer wurden hierfür exklusiv auf den Schuhen platziert. Clou ist der farbenfrohe Druck, der ein echter Hingucker auf den Boots und Sneakern ist. „Wir geben Styling-Inspirationen, heben einzelne Produktmerkmale hervor und erzählen unsere Geschichte“, so Markus Römer. Die Kooperation mit „Eden Reforestation Projects“ soll darüber hinaus ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden. Für jedes verkaufte Paar der Canvas Sneaker-Kollektion wird ein Baum gepflanzt. Das Projekt und wie viele Bäume bereits gepflanzt wurden, können die Kunden und Konsumenten auf Facebook und Instagram verfolgen.

Josef Seibel präsentiert die Schuhe als zuverlässige Begleiter für jeden Auftritt. „Wir betreiben Storytelling, erzählen Geschichten, geben Reisetipps und zeigen dazu das passende Schuhmodell. Die Erlebnisse stehen dabei im Vordergrund“, berichtet Andreas Hillesheim, Leitung Marketing Josef Seibel. In den Botschaften betont Josef Seibel die Heimatverbundenheit und zeigt sich als stolzes Traditions- und Familienunternehmen. Der Hersteller gibt auf den Plattformen Einblicke in die Schuhfabrik in Hauenstein und stellt die nachhaltige „Spirit of Nature“ Kollektion in den Vordergrund. Bei der Kinderschuhmarke Ricosta stehen Kinderschuhe und gesunde Kinderfüße im Blickpunkt. In der Bildsprache geht es um die Kollektion, um Alltagsthemen rund um Familie und Kinder und Einblicke hinter den Kulissen der Marke. Jede Woche steht unter einem besonderen Motto und tagesaktuelle Themen und Ereignisse werden spontan eingebunden. „Sehr erfolgreich war in letzter Zeit die Kampagne rund um die neue nachhaltige Pepino Care Lauflerngruppe“, berichtet Kai Moewes. „Ein Mix aus Produktvorstellung, Informationen rund umNachhaltigkeit, einem Gewinnspiel, Blogbeitrag und einer Influencer-Kooperation“.

„Social Media User werden älter“

Social Media-Nutzer sind längst nicht mehr nur die jungen hippen Konsumenten. In der aktuellen Befragung des Frankfurter Marktforschungsunternehmen HML Modemarketing sei das Interesse der Zielgruppe 50 Plus in der Pandemie-Zeit gewachsen. In der Erhebung des Instituts im Dezember 2021 wurden ausschließlich Frauen zum Thema Mode gefragt. „Bei der Generation der Großeltern, die mit ihren Enkeln chatten, hat sich die Facebooknutzung seit der Pandemie verdoppelt“, hat Geschäftsführerin Ulla Ertelt festgestellt. Laut ihren Untersuchungen sei vor der Pandemie kaum eine Frau über 30 Jahren auf Instagram aktiv gewesen. Ganz im Gegenteil: Über 70% des Marktes hätten sich überhaupt nicht mit den sozialen Medien beschäftigt. Ein weiterer interessanter Aspekt sei, dass die über 50-jährigen Frauen mehr als 50% des deutschen Modemarkts ausmachen, so Ertelt. Und welche Kanäle nutzen die Frauen? Laut Erhebung von HML Modemarketing nutzen die 50- bis 69-jährigen Frauen zu 46% Facebook. Der Anteil ist damit genauso hoch wie bei den 14- bis 19-Jährigen. Videokanäle wie Youtube nutzen rund 25% der „reiferen“ Frauen. Die Nutzung von Instagram liegt bei den 30- bis 49-Jährigen bei 29%, bei den 50- bis 69-Jährigen bei 24%. Und selbst gut 10% der über 70-Jährigen nutzen die Bildnetzwerke, hat das Marktforschungsinstitut analysiert. Und noch eine aufschlussreiche Aussage von HML Modemarketing: Ganz junge User benutzen Facebook immer weniger. Social Media ist auch ein Medium der Generation 30+ geworden.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Lisa Dartmann / 08.04.2022 - 11:46 Uhr

Weitere Nachrichten