Interview mit Kristin Käpplinger von Superfit

„Wir geben Eltern Sicherheit“

Kristin Käpplinger, Head of Business Unit Superfit (Foto: Legero United)
Kristin Käpplinger, Head of Business Unit Superfit (Foto: Legero United)

Die Marke Superfit hat Geburtstag. Kristin Käpplinger, Head of Business Unit Superfit bei Legero United, spricht über die Arbeit in der Pandemie, Aktionen zum Jubiläum und Ziele für die kommenden Jahre.

schuhkurier: Superfit begeht in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum. Wie feiern Sie dieses Ereignis?

Kristin Käpplinger: Dieses Jubiläum feiern wir – gemeinsam mit unseren Händlern, Händlerinnen, Konsumenten und Konsumentinnen. Mit einem umfangreichen POS-Paket und tollen Social Media- sowie PR-Aktivierungen. Denn wir sind überzeugt, wahre Helden werden nicht älter, sondern nur besser.
 

Haben sich die Ansprüche an Kinderschuhe in den zurückliegenden 50 Jahren geändert? Wenn ja – wie?

Eltern wollen und wollten schon immer nur das Beste für ihre Kinder. Das gilt natürlich nach wie vor auch bei der Wahl der Kinderschuhe. Was sich mit Sicherheit geändert hat, ist der modische Anspruch, der sich oftmals bereits bei den Kindern widerspiegeln soll. Während in der Vergangenheit überwiegend die Passform und Materialqualität eine entscheidende Rolle gespielt hat, wird der Designaspekt immer wesentlicher. Und die Kids reden bei der Kaufentscheidung heute stärker mit als vielleicht noch vor 50 Jahren. Kinderschuhe müssen auch ihnen gefallen. Selbstverständlich haben sich auch die Verarbeitungs- und Produktionsmethoden weiterentwickelt. Superfit ist und war immer am jeweiligen Puls der Zeit.
 

50 Jahre Tradition sind für Mütter sicherlich ein wichtiges Argument – für die Kinder zählt dagegen die Optik. Wie schafft man es, als Marke auch mit 50 Jahren jung zu bleiben?

Wir gewährleisten seit 50 Jahren, dass Kinder die Abenteuer der Welt auf gesunden Füßen entdecken. Dabei geben wir Eltern die Sicherheit, mit unseren Produkten das Beste für die Füße ihrer Kinder zu tun. Natürlich gilt es auch, die Kids zu begeistern. Dafür berücksichtigt unser Designteam aktuelle Trends und Entwicklungen und bindet diese in die Kollektion ein. Seien es die neuesten Trendfarben, Muster oder Applikationen, spezielle Materialien oder Verschlusssysteme, wie das BOA-Fit-System. Unsere Schuhe werden außerdem im Entstehungsprozess nicht nur von Experten auf Herz und Nieren geprüft, sondern auch von unserer Zielgruppe, den Kindern selber, begutachtet und bewertet. Unser Claim „Von Kindern geliebt. Von Ärzten gelobt.“ ist schließlich keine Marketingfloskel, sondern wird bei uns im gesamten Design- und Fertigungsprozess gelebt.
 

Hat sich die Fußform verändert, z.B. indem heute eher weitere Schuhe verkauft werden oder größere als früher?

Studien belegen, dass sich die Fußform bei Kindern in den letzten Jahren verändert hat. Sie werden größer und auch breiter. Diese Entwicklungen berücksichtigen wir natürlich auch bei der Kollektionsentwicklung. Zudem empfehlen wir, Kinderfüße regelmäßig im Fachhandel vermessen zu lassen und so sicherzustellen, dass der Superfit-Kinderschuh optimal in Länge und Breite passt. Ein wesentlicher Faktor, um eventuellen Fußschäden vorzubeugen.

Kinderfüße wachsen auch in der Pandemie. Daher waren Kinderschuhe Gewinner der Krise – oder jedenfalls nicht Verlierer. Wie haben sich die Umsätze von Superfit in den verschiedenen Märkten, in denen die Marke vertrieben wird, in den vergangenen Jahren entwickelt?

Das stimmt. Man konnte im Vergleich zu bspw. Damenschuhen erkennen, dass Kinderschuhe klar zu den Bedarfskäufen gehören. Trotz Pandemie ist es natürlich wichtig, gut passende und qualitativ hochwertige Kinderschuhe zu kaufen, um die Entwicklung von Kinderfüßen bestmöglich begleiten zu können. Wir pflegen seit jeher ein intensives Verhältnis zum guten Fachhandel. Wir konnten uns daher, trotz Pandemie, als starker und relevanter Partner für unsere Handelskunden positionieren und Beziehungen weiter festigen und ausbauen. Im DACH-Raum, aber auch in unseren europäischen Exportmärkten.
 

Welche Zuwächse haben Sie online erfahren?

Wir ermöglichen unseren Konsumentinnen und Konsumenten über unseren Brandstore superfit.com ein gesamtheitliches Markenerlebnis. Mit einer umfangreich verfügbaren Kollektion und vielen relevanten Zusatzinformationen zu unseren Produkten und der Marke generell. Denn auch wenn Kinderschuhe nach wie vor häufig im Fachhandel gekauft werden, informieren sich Eltern gerne und umfangreich vorab.
 

Welche Rolle spielt WMS für Sie?

WMS ist das Qualitätssiegel für qualitativ hochwertige, passende Kinderschuhe und Superfit pflegt eine jahrzehntelange und enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schuhinstitut.
 

Wie hat sich die Arbeit Ihres Teams in der Corona-Pandemie verändert? Wie erstellt man eine Kollektion, woher kommen modische Impulse, wenn reisen kaum möglich ist und Messen nur eingeschränkt stattfinden?

Natürlich haben die Einschränkungen des Alltags das Arbeiten beeinflusst. Trends und Inspirationen gibt es jedoch trotzdem und werden durch die Entwicklung der Pandemie mitgeprägt. Eindrücke aus der Natur, Konsumentenverhalten und -bedarf, aber auch Online-Trendseminare spielten für die Kreativen in unserem Team eine entscheidende Rolle. Die Pandemie hat auch gezeigt, dass Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Und wir mit Online-Tools nach wie vor als Team verbunden sind. Dass wir als Unternehmen bereits früh auf Digitalisierung der internen Arbeitsabläufe gesetzt haben, ist in unserem Arbeitsalltag während der Corona-Pandemie sicherlich von Vorteil.
 

Wie schafft man es als Kinderschuhmarke, der wachsenden Konkurrenz von Sportmarken die Stirn zu bieten?

Mit coolen Designs, einem hochwertigen und modernen Materialmix und der perfekten Passform. Denn bei uns werden alle Schuhe auf speziellen, kindgerechten Leisten entwickelt, um die Anatomie eines Kinderfußes zu berücksichtigen.

Bieten Sie auch Barfußschuhe an? Und was spricht aus Ihrer Sicht für dieses Segment?

Wir sehen eine erhöhte Nachfrage bei Barfußschuhen im Kinderschuhbereich, daher freuen wir uns sehr, ab F/S 22 mit der Gruppe Superfree dieses Segment in unserer Kollektion abzudecken. Bei der Entwicklung der Gruppe sind wir keine Kompromisse eingegangen. Wir haben sogar eine eigene Bezeichnung geschaffen, die unseren Anspruch an Barfußschuhe widerspiegelt: barefit. Die asymmetrische Leistenform bietet speziell der großen Zehe ausreichend Platz, damit der natürlichen Bewegung keine Grenzen gesetzt sind. Die extradünne Einlage und PU-Sohle mit minimaler Sprengung unterstützen das Barfußgefühl. Hochwertige, superweiche Leder gewährleisten höchsten Komfort und Atmungsaktivität. Wir werden wir das Segment definitiv weiter verfolgen und die Kollektion dahingehend ausbauen.
 

Nachhaltigkeit ist gerade im Kinderschuhbereich ein sehr wichtiges und aktuelles Thema. Welche Strategie verfolgt Superfit in diesem Bereich?  Arbeiten Sie nachhaltiger, etwa durch Nutzung von Erdwärme, Solarzellen etc.? Und werden die Schuhe zunehmend nachhaltiger ausgestattet? Wenn ja – wie?

Wir produzieren Schuhe mit besonders nachhaltigem Anspruch. So werden unsere Hausschuhe beispielsweise ausschließlich in Europa gefertigt. Als Teil des Unternehmens Legero United wollen wir bis 2030 CO2 neutral sein und berücksichtigen zahlreiche Maßnahmen, um diesem Ziel gerecht zu werden. So bieten wir eine Vielzahl von Modellen, die besonders ressourcenschonend, ohne schädliche Zusatz- und Farbstoffe gefertigt werden - beispielsweise mit chromfrei gegerbten VIOS-Ledern. Um die Einhaltung unserer strengen Qualitätsstandards zu gewährleisten, arbeiten wir mit ausgewählten Partnerinnen und Partnern und Produktionsstätten zusammen und lassen verwendete Materialien von anerkannten Testinstituten laufend prüfen. Dabei achten wir besonders auf eine umweltschonende Produktion und kürzest mögliche Transportwege für einen geringen CO2 Fußabdruck. Zudem haben wir uns zur Mitarbeit an wichtigen Branchen-Initiativen verpflichtet: Wir nehmen nicht nur am HIGG-Index teil, sondern haben uns auch zur Teilnahme an der Science Based Targets initiative (SBTi) verpflichtet. Auch sind wir Mitglied der Cads-Initiative, einem Zusammenschluss der größten deutschsprachigen Schuhhersteller und deren Lieferanten. Sie entwickelt laufend ökologische und soziale Standards für unsere Industrie. Zudem arbeiten wir bevorzugt mit Lederlieferanten, die von der Leather Working Group LWG zertifiziert werden.
 

Der stationäre Fachhandel steht unter Druck, die Frequenzen gehen zurück. Was bedeutet das für eine Marke, deren Schuhe vorrangig durch Beratung im Geschäft verkauft werden?

Für uns ist es wichtig, zusammen mit dem Fachhandel die Marke am POS erlebbar zu machen, um den Konsumentinnen und Konsumenten ein ganzheitliches Einkaufserlebnis zu bieten. Aus diesem Grund werden wir unser POS Angebot erweitern und vermehrt in die Markendarstellung im Fachhandel setzen. Dafür sind wir im engen Austausch, um auch in Zukunft ein starker und relevanter Partner für den Fachhandel zu sein. 

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Petra Steinke / 03.02.2022 - 12:31 Uhr

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