Der Schuhhandel zum Plastiktütenverbot

Wohin mit der Plastiktüte?

Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland das Plastiktütenverbot. schuhkurier hat nachgefragt, wie sich der Handel darauf vorbereitet hat. (Foto: Muhammad Abdullah/Unsplash)
Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland das Plastiktütenverbot. schuhkurier hat nachgefragt, wie sich der Handel darauf vorbereitet hat. (Foto: Muhammad Abdullah/Unsplash)

Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland ein Verbot für Plastiktüten im Einzelhandel. Wie geht die Schuhbranche mit dem Abgabeverbot um? Und was passiert mit den Restbeständen? schuhkurier hat im Handel nachgefragt.

 

Eigentlich ist es eine glasklare Angelegenheit. Seit dem 1. Januar 2022 ist „das Inverkehrbringen von leichten Kunststofftragetaschen mit einer Wandstärke von weniger als 50 Mikrometern“ gesetzlich verboten, Verstöße gegen das Verbot werden mit bis zu 100.000 Euro Strafe geahndet, heißt es auf der Homepage des zuständigen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Doch wie so häufig bei der Einführung neuer Gesetze gibt es in der Umsetzung Grauzonen, die zeigen, dass die Realität für den Schuheinzelhandel nicht so einfach ist.

 

Restposten Plastiktüte

„Der Tütenbedarf wurde vor zehn Jahren das letzte Mal aufgefüllt. Zum Jahresende 2021 waren noch rund 3.500 Tüten da. Die dürfen wir jetzt auf eigene Kosten entsorgen“, berichtet Axel Lambertz, Lambertz Schuhe, aus Oberhausen. Der Frust sitzt tief bei den Händlern, die noch über Restbestände verfügen. Denn vielerorts ist nicht klar, was mit den übrig gebliebenen Tüten passieren soll. Einfach weiter verbrauchen? Und hoffen, dass es zu keiner Strafzahlung kommt? Oder soll man die Tüten doch eher entsorgen? Einige Händler sind sich einig, dass sie vereinzelt und auf Nachfrage die Altbestände weiternutzen werden. Guido Poss von Orthopädie-Poss aus Trier hat seine übrig gebliebenen Plastiktüten nach Luxemburg gegeben. Dort besitzt das Unternehmen einen weiteren Standort mit angeschlossener Orthopädie-Werkstatt. „Da können wir sie noch gut gebrauchen“, so der Orthopädieschuhmachermeister. Auch Ute Dupeire vom Schuhhaus Niebling verfügt noch über Restbestände. „Es ist noch ein überschaubarer Bestand da. Wie ich diese weiter verwende, weiß ich tatsächlich noch nicht“, sagt die Händlerin aus Gersfeld an der Rhön. Auch Stiefeltüten spielen bei dem Verbot eine Rolle. Denn: Die stark saisonal abhängige Ware wird nicht so häufig verkauft wie andere Schuhmodelle. Das macht es den Händlern und Händlerinnen umso schwerer, die Tüten zeitnah an den Kunden zu bringen. Die meisten der befragten Händler sind sich einig, dass es eine Verschwendung wäre, diese nun pauschal wegzuschmeißen.

 

Papier als Alternative?

Auf die Frage nach einer Alternative für Plastiktüten sehen die meisten befragten Händler die Papiertüte als gesetzt. Viele Händler nutzen nicht erst seit Jahresbeginn Taschen aus Papier. Eva-Maria Engelhardt von Zeitlos setzt seit 1999 auf Papiertüten. „Von Anfang an gab es für mich keine Alternativen zu Papiertüten. Wir verwenden ungefärbtes Kraftpapier aus nachhaltiger Forstwirtschaft aus Westeuropa als Tüte und unser Geschenkpapier ist mit wasserlöslichen Farben bedruckt“, erzählt die Händlerin aus Bamberg.
Auch Kirsten Graßmay von Stüben Fuß & Schuh setzt seit einigen Jahren auf Papiertüten. Aber auch bei Stüben Fuß & Schuhe muss es nicht immer eine Tasche sein: „Wir fragen unsere Kunden bei jedem Kauf explizit, ob sie überhaupt eine Tasche wollen.“
Dabei ist die Papiertüte als Ersatz für Plastikprodukte nicht unumstritten. Denn vielen Händlern ist klar, dass Papiertüten keine nachhaltigere Alternative darstellen, besonders, wenn sie bedruckt wird. Zudem kritisieren einige Händler die fehlende Robustheit der Taschen aus Papier: „Wir haben früher immer Kunden mit Plastiktüten von uns gesehen, die auch mehrmals benutzt worden sind. Papiertüten werden einmal nass und dann kann man diese nicht mehr gebrauchen. Die Papiertüten halten auch nicht so viel aus“, sagt Olaf Sieling vom gleichnamigen Schuhhaus in Bad Zwischenahn.

   

Umlernen bei den Kunden

„Die Menschen sind bei dem Thema sensibler geworden“, weiß Maria Hillebrand vom Schuhhaus Hillebrand aus Herdecke zu berichten. Man habe versucht, die restlichen Tüten „unters Volk“ zu bekommen. Aber bei den Kunden habe ein Umlernen stattgefunden und viele – insbesondere Frauen – brächten ihre eigenen Taschen mit. Das merkt auch Christa Döllinger von Schuhmoden Döllinger. Sie und ihr Team sind bereits vor zwei Jahren auf Papiertüten umgestiegen und überlegen nun, eine Art Pfand für die Tüten zu verlangen. Denn häufig lassen die Kunden den Karton und das Verpackungsmaterial im Geschäft und nehmen nur die Schuhe in der Papiertüte mit. So wolle man auf die somit steigenden Entsorgungskosten

reagieren und gleichzeitig die Kunden animieren, noch mehr Papier einzusparen. Auch Dagmar Krause vom Schuhhaus Nestel sieht ihre Kunden gut vorbereitet: „Bei uns spielt aber auch die Lage eine große Rolle. Dadurch, dass die Kunden nahe am Geschäft parken können, nehmen sie die Schuhe meist einfach im Karton mit.“ Auch der Zeitpunkt des Verbots wird eher kritisch gesehen: „Die Verbraucher und Händler haben sich schon lange umgestellt, aber das Verbot ist zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht“, sagt ein Händler, der ungenannt bleiben möchte. Sein Unternehmen hat schon früh auf eine Alternative zur Tüte eingestellt, so dass die wenigsten Kunden mit Tüte aus dem Geschäft gehen. Übrig gebliebene Tüten werden auf Nachfrage weiter ausgegeben, diese jetzt wegzuschmeißen, bezeichnet der Händler als „Blödsinn“.

 
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Christopher Mastalerz / 28.01.2022 - 10:07 Uhr

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