Sneakermarke aus Paris

Zurück auf den Asphalt

Die schwarzen Sohlen sind ein Eyecatcher und bestehen aus alten Autoreifen. (Foto: O. T. A.)
Die schwarzen Sohlen sind ein Eyecatcher und bestehen aus alten Autoreifen. (Foto: O. T. A.)

Die Marke O. T. A. will mit ihren Schuhen alten Reifen ein neues Leben als Sohle einhauchen. Doch auch beim Obermaterial steht Langlebigkeit im Vordergrund.

Was beim Schuh sonst am unscheinbarsten ist, wird bei den Schuhen der 2018 gegründeten französischen Marke O. T. A. zum Eyecatcher. Die pechschwarze Sohle, die einen starken Kontrast zu den vorwiegend weißen Sneakern der Marke bildet, besteht aus alten Autoreifen die so wieder zurück „on the asphalt“ gebracht werden sollen, woraus sich auch der Name ableitet. Die Idee dazu hatte Gründer Arnauld Barboteau im Jahr 2018. Er arbeitete bis dato als Textileinkäufer für eine Handelskette in Paris und reiste dafür alle sechs Monate nach China, um dort die massenproduzierte Mode zu ordern. Mit dem Antrieb, etwas für mehr Nachhaltigkeit in der Modebranche zu tun, kam ihm die Idee, Schuhe mit Sohlen aus alten Autoreifen zu designen. Autoreifen sind nicht abbaubar und können so auf diesem Wege neu genutzt werden. Für den Asphalt entworfen ist das Reifengummi außerdem besonders robust und lange haltbar und jeder Schuh ist durch das aus dem Reifen geschnittenen Gummi ein Unikat mit unterschiedlichem Profil und Rillenmuster. Die Reifen bekommt die Marke zurzeit aus einer Kooperation mit Reifenhersteller Michelin. Durchschnittlich lassen sich aus einem Reifen drei Paar Sohlen gewinnen. Doch nicht nur bei der Sohle soll auf Nachhaltigkeit geachtet werden.

Nachhaltigkeit durch Haltbarkeit

Passend zu den strapazierfähigen Reifensohlen sollen sich die Schuhe von O. T. A. durch lange Haltbarkeit auszeichnen und dadurch nachhaltig sein, dass sie nicht so schnell weggeschmissen werden. Das Obermaterial besteht aus italienischem Leder von Lieferanten mit Goldstandard der Leather Working Group. Verarbeitet werden die Schuhe in Guimarães in Portugal. Durch die regionale Ledergewinnung und Produktion soll die Reise, die das Leder und der Schuh bis zum Kauf hinter sich bringen, möglichst kurz werden. Leder sei außerdem das robusteste und haltbarste Material, ist Barboteau überzeugt. Als vegane Option gibt es bei O. T. A. aktuell nur Sommersneaker aus Textil. Er beobachte die Entwicklung rund um vegane Lederalternativen, doch bisher habe ihn noch keine davon restlos überzeugen können, da alle zu großen Teilen aus Kunststoff bestehen: „Es entspricht nicht meinem Verständnis von Nachhaltigkeit, mehr Plastik in den Markt zu bringen.“ Einige Lederalternativen, die mit Material auf pflanzlicher Basis werben, bestünden tatsächlich nur zu 20% aus dem beworbenen Pflanzenstoff und zu 80% aus PU. Diese Philosophie der langen Nutzbarkeit wirkt sich auch auf die Designs aus, die zeitlos und klassisch gehalten sind und unabhängig von kommenden und gehenden Trends über viele Jahre hinweg getragen werden. O. T. A. arbeitet in Frankreich außerdem mit dem Schuhreparaturservice Établissements Bonnet zusammen, damit die Schuhe generalüberholt und noch länger getragen werden können.

 

Bildstarkes Konzept

An der Marke O. T. A. arbeiten zurzeit hauptberuflich drei Menschen. Das Team sitzt in einem Co-Working-Space in Paris, in dem Modemarken mit Nachhaltigkeitsfokus gemeinsam an ihren Projekten arbeiten und sich gegenseitig helfen. Auch mit der Hilfe der Büronachbarn konnte Barboteau seine bislang erfolgversprechende Instagram-Kampagne durchführen. Das Kampagnenmaterial müsse das Konzept mit einem Bild und ohne Worte erklären können und die Idee direkt vermitteln. „Leider funktioniert es. Ich wünschte, man wäre nicht so abhängig von Facebook und Instagram“, führt Arnauld Barboteau aus: „Ich finde es zwar schade, dass Mark Zuckerberg an meiner Arbeit mitverdient, aber es ist der beste Weg, um bekannter zu werden.“ Neben der Online-Werbung glaubt er nach wie vor an Messen, um sich Händlern vorzustellen. Gerade zu Beginn, um erste Kontakte zu knüpfen, war O. T. A. in Frankreich auf der Who’s Next und der Maison & Objet präsent, in Deutschland auf der Nachhaltigkeitsmesse Neonyt und auf der Seek, außerdem auf der Micam in Mailand.

 

Kulturelle Unterschiede

Zwar profitiert die Marke vom Online-Shop und der Social-Media-Werbung, doch für Barboteau hat der stationäre Handel nach wie vor einen hohen Wert: „Wenn Leute sehen, dass deine Marke in vielen Geschäften steht, haben sie direkt mehr Vertrauen als in eine Marke, die nur im eigenen Online-Shop präsent ist.“ Schließlich habe diese Marke bereits etablierte und vertrauenswürdige Händlerinnen und Händler von der Qualität überzeugen können, während einen Shop erst einmal jeder eröffnen könne. Bislang gibt es die Schuhe online und vorwiegend in Concept Stores für nachhaltige oder besonders hochwertige Produkte in insgesamt 12 Ländern, in Deutschland unter anderem bei Shoepassion.

Deutschland sei einer der Vorreiter, in denen Nachhaltigkeit bereits vermehrt in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, und deswegen auch ein wichtiger Markt für O. T. A. Die Marke verkauft in Deutschland rund 20% ihrer Schuhe. Im DACH-Raum und in Skandinavien ist Nachhaltigkeit den Konsumentinnen und Konsumenten am wichtigsten. Sein Heimatland Frankreich ordne sich da genau zwischen den besonders nachhaltigen Mittel- und Nordeuropäern und den modeverliebten Südeuropäern in Italien und Spanien ein: „In Frankreich soll es auch nachhaltig sein. Aber nicht, wenn es auf Kosten des Modegrads geht“, verrät Barboteau. Immer wichtiger als Markt für nachhaltige Produkte werde Japan, aber noch wichtiger sei die perfekte Qualität des Produktes. Wenn der Schuh eine Macke oder einen kleinen Fehler hat, seien sich die Kundinnen und Kunden in Japan nicht zu schade, den nachhaltigen Schuh auch wieder um die halbe Welt zurück zu schicken. Langfristig soll O. T. A. auch in den konventionellen Schuhhandel und nicht nur in Concept Stores platziert sein. Denn eigentlich ist Barboteau der Meinung, dass grüne Marken nicht immer nur in der eigenen Nische bleiben sollten: „Ich möchte nachhaltige Themen auch in Bereiche tragen, in denen Nachhaltigkeit nicht sowieso schon verbreitet ist. Es müssen auch Menschen von den Produkten angesprochen werden, die sich noch nicht damit beschäftigen.“ Er hofft, mit seinen Schuhen auch Menschen anzusprechen, die einfach auf der Suche nach zeitlosen Klassikern sind, auch wenn sie sich vielleicht noch nicht so viele Gedanken über das Thema gemacht haben. 

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Christopher Mastalerz / 21.07.2022 - 11:11 Uhr

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