Wortmann-Strategie

Agenda 2020

Hochbetrieb in Detmold. Bei Wortmann werden die Ärmel hochgekrempelt. Mit Einsatz und Eifer war die Mannschaft aus Lippe auch in der Vergangenheit unterwegs. Künftig soll noch eine Schippe draufgelegt werden.

Im Rahmen einer umfangreichen Agenda 2020 steht nichts Geringeres als eine Neuausrichtung des Unternehmens auf dem Plan. Warum?

Der Aufstieg von Wortmann und der Marke Tamaris gehören zu den großen Erfolgsgeschichten der deutschen Schuhbranche. Gründer Horst Wortmann hat maßgeblich die Entwicklung der Branche in den vergangenen fünf Jahrzehnten mitgestaltet. Treffsichere Kollektionen, schnelle Prozesse, große Bekanntheit – lange Zeit eilte das Unternehmen scheinbar unaufhaltsam bis in den Marken-Olymp. Die Marktanteile stiegen so stark, das bereits vor einer Abhängigkeit des Handels gewarnt wurde. In den vergangenen Saisons geriet die zuvor rund laufende Wachstumsmaschine jedoch ins Stocken. Immer öfter wurde von Seiten des Handels – zum Teil nicht ohne Schadenfreude – ein gewisser Stillstand beklagt. Zwar kam es nicht zum dramatischen Einbruch, Wortmann schien jedoch ein Stück weit die Dynamik abhanden gekommen zu sein. In Sachen Innovation hatten zunehmend andere Unternehmen die Nase vorn. Die Gründe waren vielschichtig. Nach den Jahren des konstanten Aufstiegs war eine gewisse Stagnation letztlich wohl unvermeidbar. Speziell in Deutschland ist Tamaris sehr breit vertreten. In einem gesättigten Markt von Saison zu Saison noch mehr Paarzahlen draufzusatteln, war kaum möglich. Auch die modische Entwicklung half nicht. Pumps, Sandalen oder Stiefeletten – das war die Tamaris-Welt. Sneaker spielten eher eine ungeordnete Rolle. Eine ungünstige Ausgangslage in Zeiten, in denen sogar die Oma Skechers trägt. Und letztlich dürfte auch der Generationswechsel seinen Teil zur zwischenzeitlichen Stagnation beigetragen haben.

Seit Mitte 2016 liegt die operative Unternehmensführung in den Händen von Jens Beining. Der 48-Jährige hat in den vergangenen Monaten die Initiative ergriffen und einen umfangreichen Plan zur Neuausrichtung des Lieferantenentwickelt. Eine Mammutaufgabe, der er gewachsen scheint. Im Interview mit schuhkurier zeigte sich der Unternehmer selbstkritisch, ehrlich und tatkräftig. Nicht alles, was in Detmold geplant wird, dürfte dem Handel gefallen. Das muss es auch nicht. Für Beining zählt in erster Linie die Entwicklung des eigenen Unternehmens. Bemerkenswert ist jedoch, wie explizit er weiterhin auf den partnerschaftlichen Ansatz setzt, der Wortmann in den vergangenen Jahren ausgezeichnet und ’groß‘ gemacht hat. Wortmann bewegt sich. Für den Handel ist das ein gutes Signal.

Helge Neumann / 26.07.2017 - 09:12 Uhr

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