Zwei Modelle für Zusammenarbeit

Assima verabschiedet neue Strategie

Die Gesellschafter der Assima haben im Rahmen einer außerordentlichen Generalversammlung am 7. September ihre neue Strategie verabschiedet. LR sprach mit dem Beiratsvorsitzenden Prof. Dr. Andreas Kaapke.

„Wir sind seit Samstag wieder gut sortiert. Die Gesellschafter haben den neuen strategischen Plan einstimmig angenommen. Wie haben wieder zeitgemäße Strukturen“, fasst Andreas Kaapke das Ergebnis der außerordentlichen Generalversammlung zusammen. Diese sei nötig geworden, da die ordentliche Versammlung Ende Juni zwar stattfand, aber aufgrund der Erkrankung von Geschäftsführer Siegfried Despineux improvisiert werden musste und noch kein ausgereiftes Modell präsentiert werden konnte.

Zu den zentralen Punkten der neuen Strategie gehört ein neues Vertragsmodell. Künftig müssen Händler nicht mehr zwangsläufig Gesellschafter werden, um mit der Assima zusammenzuarbeiten. Das habe in der Vergangenheit die Möglichkeit der Expansion eingeschränkt, da viele Interessenten nicht das komplette Paket nutzen wollten, führt Kaapke aus. „Wir bieten jetzt daher eine Vertragspartnerschaft mit Basisdienstleistungen wie der Zentralregulierung und Rahmenverträgen, ohne die Verpflichtung Gesellschafter zu werden.“ Weitere Bausteine wie Marketing-Leistungen können flexibel gebucht werden. Das Hospitanz-Jahr und auch den Gebietsschutz gibt es in dieser Form auch nicht mehr, so Kaapke weiter. Diese Strukturen ergäben in Zeiten des Online-Handels keinen Sinn mehr. „Mit diesem Modell können wir neue Mitglieder akquirieren. Wir sind attraktiv als Kooperationspartner.“ Kaapke denkt dabei nicht nur an den Lederwarenfachhandel, sondern perspektivisch auch an Textiliten mit kompetenten Lederwarenabteilungen.

Gleichzeitig befindet sich die Zentrale in einem Transformationsprozess. Sie übernimmt mehr die Rolle der Steuerung und Koordination von Leistungen, die externe Partner erbringen. So wurde die Online-Marketing-Abteilung bereits aufgelöst. Stattdessen arbeitet die Assima mit einer Stuttgarter Agentur zusammen. Diese werde bis Ende des Jahres das Online-Marketing neu aufstellen. Künftig soll der Marketingbereich generell weiter gestärkt werden. Denn: „Zwei Verbundgruppen ergeben in der Lederwarenbranche nur Sinn, wenn sie sich unterschiedlich aufstellen.“

Eigenmarken sollen weiter eine Rolle spielen. Aber auch hier setze man auf Partner, so dass nicht mehr die eigenen Mitarbeiter nach Fernost reisen. Kaapke: „Wir wollen Exklusivität, aber mit einem anderen Geschäftsmodell dahinter.“
 

Assima-Geschäftsführung klärt sich bis Anfang Oktober
 

Hinter der Lederwaren-Verbundgruppe liegen turbulente Monate. Das liegt unter anderem an der unklaren Situation an der Spitze der Verbundgruppe. Geschäftsführer Siegfried Despineux fällt seit dem 20. Mai wegen Krankheit aus. Andreas Kaapke steht mit ihm in Kontakt. Ende September bis Anfang Oktober rechnet er mit „einem Signal“ seitens von Despineux‘. Dann werde die Frage der Geschäftsführung geklärt. Bis dahin zeichne er zusammen mit Dimitrios Ioannidis für die Geschäfte verantwortlich.

Vom Tisch seien die Verhandlungen mit der ANWR Group über eine mögliche Form der Kooperation mit der Goldkrone, stellt Kaapke klar. Im Raum gestanden habe die Überlegung, dass die Assima Dienstleistungen der ANWR Group, wie beispielsweise die IT, nutzt. Verhandlungen über eine Übernahme der Goldkrone seitens der Assima bzw. der Assima seitens der ANWR Group seien dagegen gescheitert. Kaapke: „Das hat sich pulverisiert.“

Die Ordertage Mainhausen will die Assima wie in der Vergangenheit weiter organisieren. Diesbezüglich gebe es aktuell keine gegenteiligen Überlegungen.
 

Gesellschafteraustritte? „Da sehen Sie mich entspannt“

Per 30. Juni haben sechs Assimisten ihre Mitgliedschaft zum Jahresende gekündigt. Vor dem Hintergrund der schwierigen Marktsituation, den gescheiterten Verhandlungen mit der Goldkrone und der unklaren Geschäftsführungssituation habe der eine oder andere mehr Sorgen gehabt als Perspektiven gesehen und sich zum Handeln gezwungen gefühlt, erklärt Andreas Kaapke die Entscheidungen. Die Austritte treiben dem Beiratsvorsitzenden aber keine Sorgenfalten auf die Stirn. „Da sehen Sie mich entspannt. Ich rechne nicht mit weiteren Austritten.“

Fünf der betreffenden Unternehmen hätten sich zudem an der Generalversammlung am Samstag beteiligt, berichtet Andreas Kaapke. Bei der Abstimmung hätten sie sich enthalten. Er halte es nicht für ausgeschlossen, dass die ehemaligen Gesellschafter künftig auf Vertragsbasis mit der Assima kooperieren. Auch gebe es bereits einen Interessenten für eine Vertragspartnerschaft, die die ZR-Einbußen kompensieren könne.

Der Beiratsvorsitzende ist optimistisch für die Zukunft. Die Jahre 2019 und 2020 seien Übergangsjahre für die Assima. „Wir haben einen Plan, den wir jetzt mit Leben füllen. Entscheidend ist, dass die Assima am Samstag den Schulterschluss geübt hat und zu 100% hinter unserer Ausrichtung steht.“

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Tobias Kurtz / 09.09.2019 - 12:10 Uhr

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