Verpackungsentsorgung

BDSE: Droht der Branchenlösung das Aus?

Zum 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft, das den Schuhhandel zur Registrierung jener Verkaufs- und Serviceverpackungen verpflichtet, die er selbst in den Verkehr bringt. (Foto: Pixabay)
Zum 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft, das den Schuhhandel zur Registrierung jener Verkaufs- und Serviceverpackungen verpflichtet, die er selbst in den Verkehr bringt. (Foto: Pixabay)

Der Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) sieht die vor 15 Jahren ausgearbeitete Branchenlösung zur Rücknahme von Verpackungen im Einzelhandel in Gefahr.

Die Schuhwirtschaft hatte aus Effizienz- und Kostengründen bereits vor über 15 Jahren – gemeinsam mit der Sportbranche und dem Dienstleister Interseroh – eine effiziente und kostengünstige Branchenlösung zur Rücknahme von Verpackung im Einzelhandel ins Leben gerufen. Seitdem müssen Schuhhersteller ihre Handelskunden nicht einzeln anfahren, um ihre Verpackungsmaterialien dort abzuholen und einer Verwertung zuzuführen. Der Handel wiederum muss die bei ihm anfallenden Verpackungen nicht lieferantenbezogen sortieren und zur Abholung durch eine Vielzahl von Schuhherstellern bereitstellen. Die Funktionsfähigkeit dieser Branchenlösung, die seinerzeit von HDS/L, Verbundgruppen und BDSE begründet wurde, funktioniert aber nur, wenn die Schuhhersteller die Abholung ihrer Verpackungen beim Handel dem Entsorger Interseroh übertragen. Andernfalls sind weder die Abholung bei den Anfallstellen im stationären Handel noch die Finanzierung des Gesamtsystems gewährleistet.

Wie der Schuhhändlerverband BDSE berichtet, gebe es jedoch in letzter Zeit immer mehr Lieferanten, die ihren Entsorgungsauftrag keinem oder aber anderen Dienstleistern mit vermeintlich günstigeren Angeboten erteilen würden, die dann allerdings den Schuh- und Sporthandel faktisch nicht anfahren - zumal ein Kontrollinstrument fehle. Die Konsequenz: Die Verpackungen dieser Hersteller werden nach wie vor von Interseroh im Handel abgeholt, diese Leistung werde aber nicht bezahlt. Aus Sicht des BDSE sei es leicht nachzuvollziehen, dass bei einer wachsenden Zahl von Trittbrettfahrern dieses ’Solidar-System‘ irgendwann nicht mehr finanziert werden könne. Da sich solche Fälle mittlerweile leider häufen, sei die Branchenlösung Schuhe/Sport nunmehr extrem gefährdet. Sollten sich weitere Lieferanten daraus verabschieden, drohe aus Sicht des BDSE das Aus.

Vor diesem Hintergrund appelliert der Schuhhändlerverband daher eindringlich an alle nicht teilnehmenden Schuhlieferanten, sich der Entsorgungs- und Verwertungslösung der Schuhbranche anzuschließen bzw. wieder anzuschließen. Zumal Herstellern empfindliche Bußgelder drohen, wenn sie ihrer Entsorgungsverpflichtung nicht nachkommen. Der Schuhhandel wiederum sollte prüfen, ob seine Lieferanten sich um die Verpackungsrücknahme – Verkaufs- wie Transportverpackung – kümmern, und von diesen konsequent einen Nachweis einfordern. Außerdem sollte der stationäre Schuhfachhandel von all jenen Schuhherstellern eine Entsorgungspauschale verlangen, bei denen die Verpackungsentsorgung nicht oder nur auf dem Papier erfolgt.

Verpackungsgesetz tritt 2019 in Kraft

Zum 1. Januar 2019 tritt bekanntlich das neue Verpackungsgesetz in Kraft, das den Schuhhandel zur Registrierung jener Verkaufs- und Serviceverpackungen verpflichtet, die er selbst in den Verkehr bringt, z.B. im Rahmen seines Online-Vertriebs. Der weitaus überwiegende Teil der im Schuhhandel anfallenden Verpackung wird allerdings von der Schuhindustrie in Umlauf gebracht. Und nach der jüngsten Novellierung des Verpackungsgesetzes ist der Hersteller verpflichtet, seine in Verkehr gebrachte Verpackung im Einzelhandel unentgeltlich abzuholen (§15 VerpackG).

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Michael Frantze / 28.11.2018 - 08:24 Uhr

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