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Body Positivity: Für mehr Wohlbefinden

Body Positivity: Für mehr Akzeptanz und Selbstliebe. (Foto: Unsplash)
Body Positivity: Für mehr Akzeptanz und Selbstliebe. (Foto: Unsplash)

Ein entspanntes Verhältnis zum eigenen Körper. Makel anerkennen und vielleicht sogar lernen, sie zu lieben – das beinhaltet die neue ’Body Positivity‘-Bewegung. I love shoes mit einem Plädoyer für mehr Selbstliebe – gerade in der Modebranche.

Die internationalen Fashion-Weeks stehen vor der Tür. Trotz fortlaufender Kritik an zu dünnen Models, werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch diesen Sommer wieder ausschließlich super-schlanke Frauen über den Catwalk marschieren. Nicht nur diejenigen, die Teil des Fashion-Kosmos sind, spüren zum Hochsommer hin einen mehr oder weniger schweren Druck auf ihren Schultern. Fast jedes Magazin berichtet über die besten Tricks, um bis zum Sommer noch zehn Kilo zu verlieren oder gibt Tipps für besonders schnelle und gleichmäßige Bräune.

Im Sommer wird das Vergleichen und Bewerten der physiognomischen Eigenschaften der Körper auf ein neues Level gehoben. Doch auf dem Feld der Körper-Kritik hat seit einiger Zeit ein immer stärker werdender Akteur seinen Platz gefunden.

Die Rede ist von der sogenannten Body Positivity, die für mehr Selbstliebe und Akzeptanz plädiert.

Body Positivity: Was versteht man darunter?

Body Positivity ist eigentlich eine feministische Freiheitsbewegung, die überzogene Maßstäbe und Erwartungen kritisch hinterfragt und für mehr Selbstbestimmung in Sachen Körperform und Wohlbefinden kämpft. Frontfrau der neuen Sicht auf den eigenen Körper ist unter anderem Schauspielerin Lena Dunham, die sich für weniger Kritik an sich selbst und auch an anderen Frauen ausspricht. Inzwischen wird das Projekt Selbstliebe aber viel kleinteiliger betrieben – beispielsweise auf Instagram, auf Blogs oder in Youtube-Videos. Die sogenannten ’Body Positivity Acitivists‘ wollen letzten Endes einen Beitrag dazu leisten, dass man sich nicht selber hasst und verurteilt, nur weil man schlechte Haut hat oder einen Körper, der vielleicht nicht den Modelmaßen entspricht.

Die Haltung ist inzwischen auch in der Fashion-Branche angekommen. Immer neue Labels schließen sich dem Trend an. Jüngstes Beispiel ist die britische Modemarke ’missguided‘, die zum einen mit unretouchierten Körpern wirbt und derzeit sogar auf Models setzt, die mit ihrem Äußeren drastisch von der ästhetischen Norm abweichen. Zu den Kampagnengesichtern gehören Frauen mit Brandnarben, Hautkrankheiten sowie Sommersprossen und Muttermalen.

Die Message ist eindeutig: Schönheit ist keine Frage vermeintlicher, äußerlicher Makel. Auch andere Firmen schließen sich dem Wunsch nach mehr Natürlichkeit und weniger Photoshop an. So verzichtet beispielsweise Asos auf das Weichzeichnen von Dehnungsstreifen. Trotz ehrenhafter Absicht versteckt sich hinter der vermeintlichen Akzeptanz oftmals nur eine Marketing-Strategie. Dennoch: Eine grundsätzliche Verbesserung und ein Umdenken sind feststellbar.

Was ist, wenn man seinen Körper nicht liebt?

Die Kritik an der Body-Positivity-Bewegung besagt, dass es sich dabei vielfach um erzwungene Selbstliebe und Autosuggestion handle. Die Befürworter lehnen sich implizit gegen Herrschaftsmechanismen und gesellschaftlichen Druck auf, würden aber dadurch vielmehr erreichen, dass eine gesunde Kritikfähigkeit abhanden käme. Es sei die Selbstliebe um jeden Preis, die verbieten würde, Dinge an sich selbst und bei anderen auch einfach mal doof oder eben nicht schön zu finden. Darüber hinaus haben gerade solche Bewegungen dank Social-Media die Tendenz, in inflationäre Freizügigkeit auszuarten, die nichts mehr mit der eigentlichen Message zu tun hat.

Darüber hinaus wird betont, dass Körperform, Haut und Co. nicht relevant seien und innere Werte, eine positive Ausstrahlung von wesentlich größerer Relevanz. Allerdings wird das Projekt Selbstliebe auf Instagram vielmehr so umgesetzt wird, dass fast ausschließlich halbnackte und unperfekte Körper unter dem Hashtag #bodypositive firmieren. Die Nachteile: Der Körper rückt wieder in den Vordergrund, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Aussehen steigert sich und unterliegt erneut einer Bewertung von außen.

Die Quintessenz aus Body Positivity

Die Freiheitsbewegung, die zwischen Hautunreinheiten und Speckfältchen für mehr Selbstliebe kämpft, mag für manche einen bitteren Beigeschmack haben, aber im Kern bringt sie auch viel Gutes zum Vorschein.

Sie bestärkt beispielsweise darin, dass Frauen mit vermeintlichen Makeln nicht alleine sind oder, dass man auch mit kräftigen Oberschenkeln kurze Röcke tragen kann. Außerdem inspiriert sie dazu, Normen und Ideale kritisch zu reflektieren und zu hinterfragen. Am wichtigsten ist aber der Effekt, dass Body Positivity dazu beitragen kann, zu sich selbst und zu anderen netter zu sein, ihnen mehr Akzeptanz entgegen zu bringen. Natürlich gibt es Tage, an denen man sich nicht wohl in der eigenen Haut fühlt, aber auch darum geht die Akzeptanz seiner selbst: Sich und den ganzen Rest der Welt auch einfach mal blöd finden zu dürfen.

Sarah Amadio / 23.05.2018 - 11:36 Uhr

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