Herausforderungen im Schuhhandel

City-Frust

Dass immer weniger Menschen in die Innenstädte gehen, gehört zu den Herausforderungen, mit denen sich der Schuhhandel auseinandersetzen muss.

Samstag, 14. Oktober. Sturmtief Ophelia steuert von Westen auf Europa zu und bringt Temperaturen um die 25° nach Deutschland. Sommer im Herbst – wer kann, nutzt diese unverhoffte meterologische Gunst der Stunde. Die Düsseldorfer Königsallee fühlt sich noch bis in den Abend an wie die Flaniermeile eines Urlaubsortes. Tausende Menschen sind unterwegs, viele mit den Errungenschaften der nachmittäglichen Shopping-Tour. Die Straßenrestaurants sind bis auf den letzten Platz besetzt. Die Stimmung ist sensationell. Zumindest an diesem Tag hatte die City am Rhein kein Frequenzproblem. Es gibt andere Zeiten, in denen man in den hell erleuchteten Geschäften der internationalen Designer, Vertikalen und Fachgeschäfte zwar Ware, aber keine oder nur wenige Kunden entdeckt. Damit hat bei weitem nicht nur Düsseldorf zu kämpfen. Dass immer weniger Menschen in die Innenstädte gehen, gehört zu den Herausforderungen, mit denen sich der Schuhhandel auseinandersetzen muss. Während wir uns noch daran erinnern, wie es war, am Samstag mit der ganzen Familie ’in die Stadt‘ zu gehen, um etwa Kleidung für die neue Jahreszeit zu kaufen, nutzen wir heute längst die inzwischen lieb gewonnenen Alternativen. Niemand MUSS noch in die Stadt, um ein wichtiges oder auch heiß begehrtes Produkt in einem Kaufhaus oder einem Fachgeschäft zu kaufen. Und kaum jemand begibt sich heute noch auf die Schnitzeljagd von Geschäft zu Geschäft, auf der Suche nach dem perfekten Pullover, den schönsten Schuhen, dem angesagtesten Accessoire.

Ursächlich hierfür ist nicht nur der Onlinehandel mit seinem jederzeit verfügbaren, unendlichen Angebot. Menschen meiden den Weg in die Stadt auch, weil sie schon von der oft beschwerlichen Anfahrt genervt sind. Weil es mühsam ist, Parkplätze zu finden. Und teuer zudem. Hinzu kommt, dass viele Innenstädte deutlich an Attraktivität verloren haben. Experten gehen davon aus, dass die Frequenzen in den kommenden Jahren weiter sinken werden. Dass aber andererseits auch in Zukunft noch Menschen in die Städte gehen werden. Dort müssen sie ein Umfeld und ein Angebot vorfinden, das sie dazu animiert, nicht nur möglichst schnell die online bestellte Ware im Fachgeschäft abzuholen und wieder heimzufahren, sondern um Zeit in der Einkaufsstraße zu verbringen.

Um das zu erreichen, braucht es konzertierte Anstrengungen. Kommunen und lokaler Einzelhandel müssen an einem Strang ziehen. Und eine Belebung der Innenstädte erfordert Investitionen. In ein ansprechendes Stadtbild mit Plätzen und Grünflächen, die durch Gastronomie neues Leben eingehaucht bekommen. In einen spannenden Einzelhandels-Mix. In gemeinsame Aktionen, die Kunden neugierig machen. Nach ’Ophelia‘ hat der Herbst die Nation wieder im Griff. Es wäre allerdings schade, wenn der nächste Samstag mit Rekord-Frequenz erst der 2. Dezember wäre – am ersten Adventswochenende.

Petra Salewski / 17.10.2017 - 07:34 Uhr

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