Europas größter Schuhhändler

Deichmann wächst gegen den Trend

In Deutschland hat der Essener Schuhfilialist Deichmann eine über neunzig prozentige Bekanntheit. (Foto: Deichmann/Rüdiger Fessel)
In Deutschland hat der Essener Schuhfilialist Deichmann eine über neunzig prozentige Bekanntheit. (Foto: Deichmann/Rüdiger Fessel)

Der Schuhhändler Deichmann ist 2018 trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiter gewachsen. Sowohl bei der Anzahl der verkauften Schuhe als auch beim Umsatz konnte die Essener Deichmann Gruppe ein Plus verzeichnen. Für 2019 ist unter anderem der Start in China geplant.

Deichmann erzielte in 25 europäischen Ländern und in den USA im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Bruttoumsatz von 5,8 Mrd. Euro. Das währungsbereinigte Umsatzplus lag damit bei 2%. Verkauft wurden 2018 weltweit 178 Mio. Paar Schuhe in den Filialen und über die Onlineshops der Gruppe – knapp 1% mehr als im Vorjahr. Flächenbereinigt blieb der Umsatz mit einem leichten Plus von 0,1% stabil. Zum 31. Dezember 2018 betrieb der Schuhhändler 4.053 Filialen sowie 40 Onlineshops und beschäftigte 40.698 Mitarbeiter.  

„Das Jahr 2018 war für den Modehandel in Europa sehr schwierig. Vor allem das anhaltend warme Wetter hat die Entwicklung negativ beeinflusst“, sagte Heinrich Deichmann, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Deichmann SE. Auch für die Deichmann-Gruppe sei das vergangene Jahr herausfordernd gewesen. Neben den Wetterkapriolen sah sich das Unternehmen auch einem verschärften Wettbewerb durch reine Onlineanbieter und Modeunternehmen mit Schuhsortimenten gegenüber. „Unter diesen Rahmenbedingungen haben wir die Unternehmensgruppe erfolgreich stabil gehalten und entgegen dem Branchentrend ein Wachstum erzielt“, so Deichmann. „Basis dafür ist unser Markenkern, preiswerte und modische Schuhe in guter Qualität anzubieten. Aber das allein reicht heute nicht aus, um im Wettbewerb zu bestehen. In Zeiten wie diesen punkten wir damit, dass wir schon frühzeitig auf den E-Commerce gesetzt haben und unsere Omnichannel-Aktivitäten immer weiter ausbauen“, so Heinrich Deichmann.

Den Unternehmensgewinn nennt Heinrich Deichmann weiterhin zufriedenstellend. „Wir können auch zukünftig unser Wachstum ohne externe Geldgeber realisieren und bleiben damit unternehmerisch unabhängig“, so Deichmann. „Im vergangenen Jahr hat sich erneut gezeigt, dass unser Konzept, als Familienunternehmen kontrolliert schrittweise zu wachsen, weiterhin der richtige Weg ist.“

 

Umsatz von Deichmann in Deutschland stabil

In Deutschland konnte das Schuhunternehmen Deichmann annähernd das Niveau des außergewöhnlich guten Vorjahres erreichen. Man verkaufte im vergangenen Jahr in 1.461 Filialen und online 73,4 Mio. Paar Schuhe. Der Absatz lag damit in etwa auf dem Vorjahresniveau, genau wie der Umsatz in Höhe von 2,3 Mrd. Euro. 16.271 Mitarbeiter waren Ende 2018 in der Deichmann-Gruppe in Deutschland beschäftigt, darunter rund 3.000 Auszubildende. Für 2019 sind rund 400 Neueinstellungen geplant.
In Deutschland sind für das laufende Jahr 30 neue Filialen in der Planung, 110 Filialen sollen modernisiert werden. Ein Highlight soll der neue Flagship Store in München werden, der im Sommer eröffnen wird. Für das Geschäft im Joseph Pschorr Haus auf der Neuhauser Straße wird Deichmann ein individuelles Konzept ausarbeiten, bei dem neue Highlight-Elemente, große Screens und ein attraktiver Omnichannel-Bereich zum Einsatz kommen. Auf über 2.000 qm Verkaufsfläche und über zwei Ebenen wird Deichmann dort sein umfangreiches Angebot präsentieren.

 

Neue Impulse für Omnichannel-Konzept

Im wichtigen deutschen Markt wird der vorhandene Onlineshop von Deichmann technisch und optisch komplett neu gestaltet. Unter anderem ist die Einführung von ’Click & Collect‘ geplant. Zurzeit verkauft die Unternehmensgruppe ihre Produkte über 40 eigene Onlineshops und vier Online-Marktplätze. Die Wachstumsraten in diesem Bereich liegen weiterhin deutlich im zweistelligen Bereich. „Die Vernetzung zwischen dem stationären und dem Onlinehandel ist für uns entscheidend. Wir sehen unsere Zukunft als Omnichannel-Anbieter und wollen unseren Kunden eine nahtlose Markenerfahrung bieten“, so Heinrich Deichmann. „Sie sollen auf allen Kanälen bei uns einfach und bequem shoppen können und Inspiration und Spaß am Einkauf erleben.“
Für die weitere Entwicklung der Digitalkompetenz setzt Deichmann auch auf zusätzliche externe Experten aus diesem Bereich. Daher will das Unternehmen in Zukunft stärker sein Profil als attraktiver digitaler Arbeitgeber herausstellen, der interessante internationale Entwicklungsmöglichkeiten in einer Unternehmensgruppe mit zurzeit 40 Onlineshops in 26 Ländern bietet. Dazu startet in Kürze auch eine neue Homepage ’Deichmann Digital.‘

 

Deichmann plant Investitionen auf Rekordhöhe

Vor dem Hintergrund dieser wirtschaftlichen Ausgangslage stehen bei Deichmann auch 2019 umfangreiche Wachstumspläne auf der Agenda. Die geplanten Investitionen für die gesamte Unternehmensgruppe liegen bei 285 Mio. Euro und damit auf Rekordhöhe. Davon entfallen 102 Mio. Euro auf Deutschland. Die Investitionen sollen sowohl in die Modernisierung des Filialnetzes und in die Eröffnung neuer Geschäfte im stationären Bereich als auch in die Internationalisierung und die Digitalisierung fließen. Für 2019 plant die Unternehmensgruppe, weltweit 229 neue Geschäfte zu eröffnen, 256 werden umgebaut.

Ein neues Kapitel schlägt die Unternehmensgruppe zudem mit ihrem Engagement im Nahen Osten auf. In Dubai wird im Sommer die erste Deichmann-Filiale öffnen – erstmals in der Unternehmensgeschichte mit einem Franchise-Partner, der Azadea-Group. In der ersten Jahreshälfte 2019 wird das Unternehmen zudem in China an den Start gehen und dort online über die Plattform T-Mall Global eine Auswahl des Sortiments anbieten. Für das laufende Jahr ist außerdem der Markteintritt mit dem Deichmann-Konzept in Estland und Lettland geplant. Auch das Format MyShoes, das derzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten ist, wird weiter internationalisiert: In Kürze werden erste Filialen in Polen öffnen.

   

Zuwachs in den USA

Bereits vollzogen ist eine Akquisition in den USA. Dort hat die Deichmann-Gruppe ’KicksUSA‘ übernommen. Das Unternehmen betreibt zurzeit 64 Filialen an der Ostküste, hauptsächlich in den Städten Philadelphia, New York und im Bundesstaat New Jersey, sowie einen Onlineshop. In Zukunft sollen die Filialen des Labels unter der Marke Snipes geführt werden. Snipes gehört seit 2011 zur Deichmann-Gruppe und expandiert seitdem kontinuierlich. Aktuell betreibt Snipes mehr als 230 Läden in neun europäischen Ländern. „Wir haben in den USA erheblich investiert, weil wir auf der Basis unserer langjährigen Marktkenntnis davon überzeugt sind, dass wir uns hier in einem Segment engagieren können, das nachhaltiges Wachstum verspricht“, erläutert Heinrich Deichmann den größten Zukauf der Firmengeschichte.

Helge Neumann / 14.03.2019 - 10:16 Uhr

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