Interview

Die Pläne der Panorama Berlin

Jörg Wichmann, CEO der Panorama Berlin (Foto: Panorama Berlin)
Jörg Wichmann, CEO der Panorama Berlin (Foto: Panorama Berlin)

Die Panorama Berlin stellt sich neu auf. Die Messe zieht gemeinsam mit der Neonyt auf das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Wie sieht das neue Konzept aus? schuhkurier fragte nach.

Herr Wichmann, die Panorama Berlin zieht im Januar nach Tempelhof. Warum haben Sie sich für den Umzug entschieden?

Nach der letzten Veranstaltung im Sommer haben wir eine umfassende Analyse vorgenommen. Nach einer guten Messe im Winter waren wir mit der vergangenen Ausgabe nicht vollumfänglich zufrieden. Es fehlte die Aussagekraft, die die Panorama Berlin in der Vergangenheit ausgezeichnet hat. Vor diesem Hintergrund haben wir uns die Fragen gestellt: Was sind aktuell wirklich relevante Produkte und Marken? Mit wem wollen wir in die Zukunft gehen? Wer bietet echte Innovation? Aus den Antworten haben wir unser neues Konzept entwickelt.

Wie sieht dieses Konzept konkret aus?

Wir richten die Panorama Berlin künftig konsequent an den Bedürfnissen der Konsumenten aus. Wir wollen Mode zeigen, die angesagt ist und nach der die Kundinnen und Kunden in den Stores suchen. Stilistisch entwickeln wir uns in Richtung Cool-Casual und setzen in erster Linie auf Brands, die den Markt aufmischen und spannende Neuheiten zeigen. Wir stellen uns spitzer auf – und verzichten im Zuge dessen bewusst auf einige Aussteller, deren Kollektionen zu beliebig sind.

Verzichten Sie so nicht auf Zugkraft?

Die Anziehungskraft bekannter Marken ist relativ. Oftmals verfügen diese Brands zwar über eine Relevanz im Markt, zeigen aber nur wenig Innovationen. Unsere Aufgabe als Messerveranstalter ist es aber, den Besuchern Neues zu zeigen. Und wo ginge das besser als in dem inspirierenden Ambiente des ehemaligen Flughafens Tempelhof? Daher bin ich gar nicht traurig um die Großen, die nicht ausstellen werden.

Welche Flächen steht Ihnen in Tempelhof zur Verfügung?

Wir werden neben dem zentralen Eingangsbereich das Vorfeld und zwei Hangars nutzen. Hinzu kommt ein weiterer Hangar, in dem die Neonyt stattfindet. Im Übrigen bin ich sehr froh über das Commitment der Messe Frankfurt, gemeinsam mit uns Tempelhof zu bespielen.

Was genau haben Sie für die Fläche geplant?

In den beiden Hangars stehen insgesamt rund 11.000 qm als Ausstellungsfläche zur Verfügung. Hier wird auch die Selvedge Run stattfinden. Insgesamt rechnen wir mit rund 300 Ausstellern, die sich überwiegend in kleineren Ständen präsentieren werden. Und das ist auch gut so: Es ist besser, konzentriert Highlights zu zeigen, als die Stände zu überfrachten.

Besonders spannend wird es auf dem Vorfeld. Unter dem Vordach werden wir im Januar erstmals eine Brand Avenue installieren, die sich in den kommenden Saisons weiterentwickeln soll. Dazu stellen wir den Ausstellern flexible und beheizbare Glascontainer-Elemente zur Verfügung, aus denen verschiedene Lifestyle-Welten entstehen werden. Mit freier Sicht auf das Rollfeld entsteht so ein Mix unterschiedlicher Marken und Produkte – wie in einer guten Innenstadt.

Darüber hinaus planen wir in einem weiteren Schritt, mit diesem Konzept auf Reisen zu gehen und in Kooperation mit Marken und Händlern spannende Pop-Up-Events zu veranstalten. Die gesamte Branche erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Wir sind daher überzeugt, dass es für uns als Messeveranstalter nicht mehr zeitgemäß ist, zweimal im Jahr für je drei Tage eine Messe zu organisieren. In Zukunft kommt das Produkt direkt zum Kunden! Im Laufe des nächsten Jahres werden wir dazu erste Pilotprojekte durchführen.

Befürchten Sie, dass Vergleiche zwischen der Panorama Berlin und der Bread & Butter gezogen werden könnten, die ebenfalls den Flughafen Tempelhof bespielt hat?

Generell fürchte ich gar nichts. Die Bread & Butter war eine tolle Veranstaltung, die den ganzen Modezirkus überhaupt erst nach Berlin gebracht hat – aber sie fand eben auch in einer anderen Zeit statt, die mit den aktuellen Rahmenbedingen nicht vergleichbar ist. Investitionen in Standbauten, wie sie damals getätigt wurden, sind heute überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Dennoch bleibt Tempelhof eine der spannendsten Locations in Europa, auf die wir uns sehr freuen. Wir werden im Januar liefern!

Ursprünglich war es Ihr Ziel, möglichst alle Berliner Messen an einem Standort zu vereinen. Wie schätzen Sie die Chancen für dieses Vorhaben ein?

Wir halten an diesem Vorhaben fest. Und es hat auch bereits sehr gute Gespräche mit dem britischen Mehrheitseigentümer der Premium gegeben. Wir werden auch in Zukunft miteinander sprechen. Möglicherweise sorgt auch der Verkauf der Station Berlin für neuen Schwung. Sag niemals nie.

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Helge Neumann / 19.11.2019 - 09:23 Uhr

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