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Digitale Tools im Store?

Der Digitalisierung den Kampf ansagen? Ein Vorhaben, das vermutlich nicht von Erfolg gekrönt sein wird. Stattdessen können Stores digitale Touchpoints sinnvoll nutzen. (Foto: Unsplash)
Der Digitalisierung den Kampf ansagen? Ein Vorhaben, das vermutlich nicht von Erfolg gekrönt sein wird. Stattdessen können Stores digitale Touchpoints sinnvoll nutzen. (Foto: Unsplash)

Die Digitalisierung schreitet voran und das setzt den stationären Handel stellenweise unter Druck. Frequenzverluste in deutschen Innenstädten und eine zunehmende Tendenz zum ’Showrooming‘ sorgen für Zugzwang. Wie können Stores von den neuen Technologien profitieren? Können digitale Tools Abhilfe schaffen?

Kunden müssen vom stationären Handel das geboten bekommen, was Onliner nicht leisten – so der grundsätzliche Tenor. Einen guten, kompetenten Service, haptisches Ertasten der Materialien, sofortiges Anprobieren von Schuhen und Bekleidung sowie allgemeines Wohlbefinden gelten als die vielversprechendsten Elemente, die vom Internet nicht ersetzt werden können. Trotz all der Vorteile stationärer Filialen gelten Online-Player als größte und stärkste Konkurrenz. Das Shoppen in den Innenstädten muss zum Erlebnis werden, sonst füllen die Konsumenten ihre Freizeit wahrscheinlich mit anderen Dingen und warten auf das Eintreffen der Pakete.

Statt in den neuen Technologien und Online-Shops den großen Feind zu sehen, können sich Stores mit der Digitalisierung verbünden und ihre Chancen sinnvoll in ihren Arbeitsalltag integrieren. Das bietet oftmals nicht nur den Kunden eine spannende Erfahrung und grenzenloses Einkaufen, sondern kann auch den Verkäuferinnen den Arbeitsalltag erleichtern.

I love shoes erklärt heute, welche digitalen Elemente auf der physischen Fläche genutzt werden können und welche Vorteile sie bieten.

Was versteht man unter digitalen Touchpoints?

Wenn beispielsweise ein Store seinem Kundenstamm die Möglichkeit bietet, via App auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten zu bestellen oder aber seine Verkaufsmitarbeiter mit Tablets ausstattet, spricht man von digitalen Schnittstellen. Der mögliche Vorteil digitaler Lösungen auf der Fläche? Verbesserter Service, optimierte Produktverfügbarkeit, individualisierter Content auf dem Smartphone der Kunden oder ein angenehmeres Shoppingerlebnis im Store.

Die sogenannte ’Verlängerte Ladentheke‘ wird beispielsweise immer beliebter und schon heute von zahlreichen Shops als virtuelle Erweiterung ihrer Lagerungskapazitäten genutzt. Dabei handelt es sich um Screens auf der Fläche, die das physisch vorhandene Angebot ergänzen und weitere Produktvarianten zeigen. Über den angeschlossenen Webshop können die Produkte dann direkt bestellt werden. Das lockert die Verfügbarkeitsgrenzen und bietet Kunden den Vorteil, dass sie ihre Shopping-Tour ganz ohne Tütentragen hinter sich bringen können.

Digitale Tools: Welche Technologien stehen zur Auswahl?

Jede Menge, wie beispielsweise der Experience Store ’exp37‘ auf der Tannenstraße in Düsseldorf beweist. Der kleine Fashion-Store, der von der Kreativagentur Mavis und der Unternehmensberatung Tailorit ins Leben gerufen wurde, will zeigen, wie die nahtlose Integration digitaler Elemente auf der Retailfläche aussehen kann. Die aktuellen Herausforderungen des Handels sollten in eine ganz konkrete und detailliert ausgestaltete Vision umgesetzt werden.

Der Kunde wird im ’exp37‘ vom Betreten des Geschäfts bis hin zum Kaufabschluss von digitalen Schnittstellen begleitet: Für Aufmerksamkeit sorgt dabei zunächst das virtuelle Schaufenster. Hier können Kunden über Displays durch das Sortiment browsen und auch nach Ladenschluss shoppen. Das bewegte Fenster wird durch Handgesten gesteuert. Betritt der Kunde den Laden spielt sein Handy eine zentrale Rolle. Durch Auslesen der MAC-Adresse hat der Store beispielsweise Zugriff auf die bisherige Kaufhistorie. Produktpräferenzen werden dann auf den Tablets der Verkaufsberaterinnen eingespielt, was für eine bessere Beratung sorgen soll. Gerade kein Interesse an Personenkontakt? Dann nutzt der Kunde im Experience Store eben künstliche Intelligenz, die ihm auf Grundlage einer ausführlichen Selbsteinschätzung Outfit-Vorschläge unterbreitet.

Geht der Kunde dann in die Umkleidekabine, erkennen intelligente Spiegel mittels RFID oder Barcode Produkte, die in die Umkleidekabine gebracht werden. Anschließend bietet er dem Kunden hilfreiche Informationen und Services. So kann der Kunde beispielsweise direkt aus der Umkleidekabine andere Produkte anfordern und den Zahlungsprozess bequem abschließen.

Über einen digitalen Schuh-Mirror können die Füße im neuen Gewand auf Augenhöhe in einer 360°-Ansicht betrachtet werden. Der Kunde sucht das perfekte Abendkleid? Kein Problem, im exp37 kann er die Lichtverhältnisse gleich noch auf seine persönlichen Vorstellungen hin optimieren.

Wie sinnvoll sind digitale Tools?

Der Düsseldorfer Experience Store zeigt die futuristischen Möglichkeiten der Digitalisierung bis ins kleinste Detail. Ob und inwiefern die Integration digitaler Tools sinnvoll ist, müssen Händler auf Grundlage ihrer eigenen Bedürfnisse und der Wünsche ihrer Kunden entscheiden. Die Unternehmensberatung Tailorit hat diesbezüglich Kunden und Händler nach ihrer Meinung gegenüber der virtuellen Schnittstellen befragt und ist zu den nachfolgenden Ergebnissen gekommen, die als Richtwert für Ihren eigenen Store gelten können.

Gemäß der Tailorit-Befragung stehen ein optimiertes Einkaufserlebnis durch ausführliche Produktinformationen, aufgeschlossene Mitarbeiter und die enge Verbindung von Online- und Offline im Vordergrund. Stressfaktoren, wie lange Schlangen an den Kassen und eine unübersichtliche Produktpräsentation, seien Kriterien, die gegen den stationären Handel sprechen.

Die Unternehmensberatung konnte fünf Faktoren ermitteln, die beim Shoppen entscheidende Rollen spielen:

  • Persönliche Beratung durch fachkundiges Personal
  • Verlängerte Öffnungszeiten
  • Sofortige Warenverfügbarkeit
  • Übersichtlichkeit
  • Datenschutz

Welche Touchpoints werden als relevant empfunden?

Die Top 3 aus Kundensicht:

Smart Tray: Via Screens können Kunden alle Produktdaten mittels RFID abrufen

Intelligent Mirror: Erkennt mittels RFID oder Barcode Produkte die in die Umkleidekabine gebracht werden und bietet dem Kunden hilfreiche Informationen und Services

Interactive Digital Shopping Window: Shoppen im Schaufenster – unabhängig von Ladenschlusszeiten

Die Top 3 aus Händlersicht:

Personalisierter Content: Die MAC-Adresse des Smartphones wird hierfür ausgelesen und mit dem Einkauf in Verbindung gesetzt. Beim Folgeeinkauf ist der Einsatz personalisierter Werbung möglich.

Mobile POS: Tablets als Unterstützung der Verkaufsberater. Durch die gespeicherte Einkaufshistorie können der Stil und die Interessen des Kunden besser eingeschätzt werden.

App: Zur Ermittlung von Kundendaten und dem Einblenden von Informationen, die sich an den Kundenbedürfnissen orientieren.

Interesse am Store der Zukunft in Düsseldorf? Über Mavis oder Tailorit können Sie eine Führung durch den Shop vereinbaren.

Sarah Amadio / 22.12.2017 - 11:20 Uhr

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