Positive Zwischenbilanz

Ebay will weitere Städte digitalisieren

Der Online-Marktplatz Ebay will in diesem Jahr fünf weitere Städte an Digitalisierung und E-Commerce heranführen. Das Zwischenfazit der Pilotprojekte der digitalen Innenstadt in Diepholz und Mönchengladbach fällt positiv aus.

Diepholz ist eine niedersächsische Kreisstadt mit rund 16 000 Einwohnern. „Nur sehr wenige Händler sind hier online gut aufgestellt", gibt der Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Diepholz, Bernd Öhlmann, an. Außerdem handle es sich bei einem Großteil der Geschäfte um Kleinstunternehmen.

Am Vorbild der Initiative in Mönchengladbach, die im Sommer 2015 startete, wurde das Konzept im Juli 2016 auch in Diepholz umgesetzt. Stefan Wenzel, Vice President von Ebay Deutschland, erachtete die Auswahl der kleinen Stadt für sinnvoll, um zu testen, ob und inwiefern das Modell in solchen Regionen funktionieren könne. Mit Erfolg, denn gemäß der Angaben von Ebay hätten die Diepholzer Händler durch den Abverkauf über die Online-Verkaufsplattform eine durchschnittliche, jährliche Umsatzsteigerung in Höhe von 30.000 Euro erzielen können. Im nordrheinwestfälischen Mönchengladbach hätten die 79 teilnehmenden Händler Waren im Gesamtwert von 6,7 Mio. Euro über die Plattform vertreiben. Sie belieferten 84 Länder mit ihren Produkten, gibt Ebay weiterhin bekannt.


Insgesamt wurde die Implementierung von Seiten der Stadt als zeitintensives Projekt erlebt, dessen Umsetzung sich aber für die Belebung des stationären Handels lohne. Bernd Öhlmann ist diesbezüglich der Auffassung, dass gerade in der Anfangszeit von drei bis fünf Monaten mit einem größeren zeitlichen Aufwand gerechnet werden müsse, bis sich Abläufe etabliert hätten. Der Wille, in die digitalen Geschäftsmodelle einzusteigen, müsse vorhanden sein, resümiert er.

Das Netzwerk soll zukünftig immer feinmaschiger werden: Für das laufende Jahr hat Ebay das Ziel formuliert, noch fünf weitere Städte und Kommunen auf die lokalen Plattformen zu holen. Welche Städte einbezogen werden, ist aktuell noch nicht bekannt.

 

Ebay-Studie: Verbesserungsbedarf im stationären Handel

 

Der stationäre Handel in den Innenstädten Deutschlands hinkt in punkto Digitalisierung maßgeblich hinter den Anforderungen der Konsumenten zurück - diese These wird durch die neue Ebay-Studie 'Atlas der ungenutzten Chancen' untermauert. Die Analyse der Digitalisierungsebene im Einzelhandel ergab, dass 66% der stationären Händler offline sind, 10% der Anbieter würden Online-Kanäle sogar ganzheitlich meiden.

Die in Gesprächen mit Einzelhändlern ermittelten Gründe für diese Stagnation seien in sieben unterschiedliche Aspekte zu unterteilen. Zum einen würde der zeitliche Aufwand für die Pflege eines Online-Shops und der Mangel an Personal gegen eine virtuelle Präsenz sprechen. Außerdem würden viele kleine und mittlere Händler nur über begrenzte technische Möglichkeiten und Fertigkeiten verfügen; es herrsche des Weiteren Angst vor zu hohen Kosten, Selbstkannibalisierung, rechtlichen Fallstricken und Preisdumping.

Zum anderen gäbe es auch ideelle Gründe, die für eine verbreiterte Ablehnung der Online-Distribution sorgen. Ebay ist der Überzeugung, dass Online-Markplätze durch die Schaffung von ganzheitlichen Rahmenbedingungen an dieser Stelle eingreifen könnten - beispielsweise der Kostenfaktor oder der gesetzliche Rahmen seien hier transparent, heißt es auf Seiten von Ebay.

Während der Kern des Ebay-Konzepts lokal und digital auf der City-Plattform liegt, sollen außerdem mittels Webinaren und Coachings für eine Annäherung an die Digitalisierung gesorgt und den Händlern nützliche Tipps an die Hand gegeben werden. Neben einer wesentlich vergrößerten Reichweite und die dadurch generierten Umsatzsteigerungen bekämen Händler weiterhin die Möglichkeit geboten, die eBay City-Plattform als digitale Visitenkarte der eigenen Stadt zu verwenden. Dies könne zu einer höheren Innenstadt-Frequenz beitragen und darüber hinaus zu einem nachhaltigen strukturellen Wandel führen, dem ein großes Potenzial inhärent sei. Zukunftsfähigkeit, Beständigkeit am Markt und eine standortübergreifende Sichtbarkeit der jeweiligen Stadt stehen im Fokus der Initiative.

Tobias Kurtz / 09.06.2017 - 09:34 Uhr

Weitere Nachrichten