Sonntagsöffnungszeiten

Eine Frage der Zeit

Mehr Flexibilität. Einkaufen, wann man will. Und nicht lange warten müssen, bis das gewünschte Produkt verfügbar ist.

Das Internet verändert das Kaufverhalten. Das spürt jeder Händler im Dialog mit den Kunden. Den Schuh gibt es bei Ihnen nicht? Dann kaufe ich ihn im Internet. Ähnlich scheint sich die Einstellung der Verbraucher im Hinblick auf Sonntagsöffnungszeiten zu verändern. Ich kann am Sonntag, wenn ich Zeit habe, in der Stadt kein neues Hemd kaufen? Dann schaue ich eben online. Auf den Montag warten und nach Feierabend noch los hetzen, mühsame Parkplatzsuche inklusive? Nein danke.

Die Zahl der Verbraucher, die Sonntagsöffnungszeiten ablehnen, ist nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts YouGov von 54% im letzten Jahr auf 41% gesunken. Immer weniger Menschen sehen offenbar ein Problem darin, dass Geschäfte am Sonntag zumindest zeitweise geöffnet haben. Sie wollen Flexibilität. Zeit. Einkaufen, wann sie wollen. Ein Angebot, das ihrem Lebensalltag entspricht. Laut der Studie, die YouGov durchführte, sind es besonders berufstätige – überwiegend männliche – Verbraucher, die eine Liberalisierung der Sonntagsöffnungszeiten wünschen. Und es sind Menschen mit tendenziell höherem Einkommen und damit höherer Kaufkraft. Für sie spielt der Sonntag als Ruhetag schlichtweg eine untergeordnete Rolle. Religiöse Argumente treten offenbar mehr und mehr in den Hintergrund. Und letztlich wird ein entspannter Einkauf, vielleicht kombiniert mit einem gastronomischen Angebot, von vielen als wohltuende Bereicherung empfunden – weil er gemeinsam mit Familie und Freunden erlebt werden kann.

Stichwort Quality Time. Es ist durchaus anzunehmen, dass die Zahl der Verbraucher, die auch sonntags einkaufen wollen, künftig steigen wird. Und es werden auch die jüngeren Menschen sein, die diesen Trend weiter verstärken. Diese Käufergruppe wächst ohnehin ’grenzenlos‘ auf, sie reist viel, ist bestens und auch international vernetzt, kennt das stets verfügbare Internet in- und auswendig und sie weiß, was sie will. Diese Käuferschicht wird nicht verstehen, warum man sie daran hindern will, am Sonntag in die Stadt zu gehen, um einzukaufen. Nein: Es muss nicht von morgens bis abends sein. Und nicht überall. Vielleicht auch nicht jeden Sonntag. Während das Unternehmen Stüben Fuß & Schuh im beschaulichen Neumünster mit Sonntagsöffnungen experimentiert und eher keine überproportionale Nachfrage festgestellt hat, dürften Händler in den Innenstadtlagen größerer Städte ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Aber das Thema wird an Bedeutung zunehmen – einfach weil Kunden es einfordern. Und damit sollte man sich auch in unserer Branche auseinandersetzen.

Petra Salewsky / 16.08.2017 - 09:57 Uhr

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