Schuhhersteller in Schieflage

Erich Rohde GmbH ist insolvent

Harald Neisser
Harald Neisser

Die Erich Rohde GmbH hat am 28. Oktober beim Amtsgericht Marburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Gericht Rechtsanwalt Frank Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun bestellt. Mehrere Gründe haben zu der prekären Situation des Unternehmens geführt.

Die Erich Rohde GmbH, Eigentümerin der Schuhmarke Rohde, ist nach eigenen Angaben durch hohe finanzielle Lasten aus der Vergangenheit trotz stabiler Umsätze in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Skandinavien und der Schweiz in Schieflage geraten.
Hinzu kommen offenbar in jüngster Zeit massive Lieferverzögerungen. Zahlreiche Händler warten derzeit auf Ware für das aktuelle H/W-Geschäft. Wie schuhkurier aus gut informierten Kreisen erfuhr, gab es bei Rohde offenbar Probleme bei der Beauftragung von Produzenten. Bereits georderte Ware wurde daher gar nicht oder nicht rechtzeitig produziert. Händler, die aktuell Ware für die Wintersaison erwarten, wurden zuletzt auf Liefertermine Ende November vertröstet. Die Weiterentwicklung der Rohde-Kollektionen in Hinblick auf modische Impulse und Modellerie war zuletzt vom Handel durchaus goutiert worden. Dass es nun in vielen Fällen nicht zur Auslieferung kam, sorgte für gewisse Unruhe im Markt.

Der Geschäftsbetrieb soll laut Mitteilung des Insolvenzverwalters soll während des nun angestrebten Verfahrens uneingeschränkt fortgeführt werden.

 

’Sanierungsidee‘ bis Jahresende

 

Durch das nun angestrebte Verfahren soll auch die benötigte Liquidität gesichert werden, um die laufende Frühjahr-Sommer-Produktion vorzufinanzieren, begründet das Unternehmen den Schritt. Die 138 Arbeitnehmer des Unternehmens wurden am 28. Oktober in einer Betriebsversammlung über das Verfahren informiert. Ihre Löhne und Gehälter sind bis Ende des Jahres über das Insolvenzgeld abgesichert. Bis dahin soll die Sanierungsidee konkretisiert werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Schmitt erklärt: „Unser vorrangiges Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und gleichzeitig geeignete Sanierungsmaßnahmen zu identifizieren, um das Unternehmen langfristig ertragsfähig zu machen.“

Beratend unterstützt wurde Rohde bereits im Vorfeld durch die Kanzlei Lambrecht. Die Sanierungsbemühungen werden nun gemeinsam fortgesetzt. Schmitt sieht Chancen auf einen Erhalt des Unternehmens: „Rohde ist eine bekannte, gute Marke, die Kunden vertrauen auf die Qualität der Produkte. Wir werden die notwendigen Gespräche mit Lieferanten und Kunden unverzüglich aufnehmen, um gemeinsam den Betrieb langfristig zu sanieren.“

 

2014 hatten die Troisdorfer Unternehmer Viola Metzner und Hans-Josef Orth die Rohde-Gruppe von den damaligen Gesellschaftern Wheatfielt Investments, Morgan Stanley und Constantin Bastian Leander Venture Capital übernommen. Zuvor war das Unternehmen nach einer Insolvenz durch einen längeren Sanierungsprozess gegangen.

Die Troisdorfer Unternehmer Viola Metzner und Hans-Josef Orth haben die Rohde-Gruppe übernommen. Seit Anfang November sind sie alleinige Gesellschafter der Gruppe.

Die neuen Eigentümer sind nach Angaben von Rohde seit langer Zeit selbst erfolgreich unternehmerisch tätig. „Mit der Unternehmensentwicklung bei Rohde haben wir uns bereits intensiv beschäftigt“, sagt Hans-Josef Orth. Künftig werden die Unternehmer Rohde mit ihrem Fachwissen unterstützen. „Wir sehen großes Potenzial in dem Traditionsunternehmen und freuen uns darauf, es dorthin zu bringen, wo es hingehört: auf die Erfolgsspur.“

Die Sanierung hatte in 2013 erste Erfolge gezeigt. Das Jahr 2013 schloss die Rohde-Gruppe laut Pressemitteilung mit einem Gewinn ab. „Rohde ist jetzt wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Die Probleme der letzten Saisons gehören der Vergangenheit an und sind überwunden“, sagt Geschäftsführer Oliver Kraxner. Derzeit werde bei Rohde intensiv daran gearbeitet, das Unternehmen und die Marke weiter zu stärken. Nach dem notwendigen harten Sparkurs der vergangenen Jahre würden jetzt verstärkt Investitionen, beispielsweise in die Produktpalette, die Produktion oder auch die firmeneigene Logistik getätigt, insbesondere um die Lieferfähigkeit zu verbessern. „Es war nicht immer einfach, aber wir haben bei Rohde unser gemeinsames Ziel erreicht. Ich danke allen, die Rohde die Treue gehalten haben und uns geholfen haben, diesen wichtigen Schritt zu schaffen. Möglich gemacht haben das unsere Finanzpartner, das Engagement der Belegschaft und ganz besonders unsere Kunden, die treu zu uns gestanden haben“, so Kraxner.

Die bisherigen Gesellschafter verabschieden sich nach der erfolgreichen Restrukturierung aus dem Unternehmen. Wheatfield Investments, Morgan Stanley und Constantin Bastian Leander Venture Capital hatten die Rohde-Gruppe im Jahr 2008 übernommen. Der erfolgreiche Sanierungsabschluss und die aktuellen Veränderungen sind ein vielversprechender Neustart für das Traditionsunternehmen aus Hessen. „Wir bei Rohde haben gezeigt, dass man im Team alles schaffen kann. Insbesondere unsere Kunden werden den Neustart bei Rohde jetzt sehr bald positiv bemerken“, sagt Oliver Kraxner.

Petra Salewski / 28.10.2016 - 17:11 Uhr

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