Schuh von A bis Z – das große Schuhlexikon


von Absatz bis Ausbrennen / Abflämmen

 

Absatz

In der Regel besteht der Absatz eines Schuhs heute aus Kunststoff, der in vielen Fällen auch mit Schaftwerkstoff (Leder, Synthetik) oder einer speziellen Lederschichtfolie bezogen ist. Der Absatz kann eingefärbt oder oberflächlich lackiert bzw. bedruckt sein. Als Materialien für die Absatzfertigung kommen neben Kunststoff u.a. auch Holz, Metall und Gummi zum Einsatz. In der industriellen Schuhfertigung werden Absätze meist als ganzes Werkstück am Schuh befestigt (geschraubt, genagelt, geklebt). Maßschuhmacher oder auch Hersteller hochwertiger rahmengenähter Schuhe bauen den Absatz vielfach aus einzelnen Lederschichten (den so genannten Flecken) auf. Die letzte Schicht, zugleich die Auftrittsfläche des Absatzes, wird Ober- oder Deckfleck genannt.

Der Absatz ist ein wichtiger Bestandteil des Schuhs, was dessen Komfort, vor allem aber auch die Optik angeht. Zu den Highlights im Absatzbereich zählen z.B. die Pfennigabsätze der 60er-Jahre, Stilettos oder so genannte Skyscraper in schwindelerregenden Höhen. Je höher der Absatz, desto stärker sein Einfluss auf den Bewegungsapparat.

Für die richtige Dimensionierung des Absatzes müssen verschiedene Maße exakt aufeinander abgestimmt werden. Höhe und Platzierung des Absatzes müssen genau der Leistenform entsprechen.
 

Absatzbau

Zusammenfassung aller Tätigkeiten, die für das Herstellen von Absätzen aus Einzelteilen erforderlich sind. Maßschuhmacher bauen meist die Absätze der Schuhe selbst und fügen dabei einzelne Lederschichten (Flecken) zusammen, bis die erforderliche Höhe erreicht ist. Neben den Flecken sind auch Keder (ein hufeisenförmiges Lederstück, das im hinteren Sohlenbereich befestigt wird) und Absatzdeckfleck (die Auftrittsfläche, auch Oberfleck genannt) Bestandteile des Absatzes.
 

Absatzbeschlag

Bei hochwertigen Herrenschuhen wird der Absatz – und vielfach auch die Sohle an der Schuhspitze – beschlagen. Hierzu werden Absatzeisen eingesetzt, welche den Deckfleck vor Abrieb schützen sollen. Die Absatzeisen sorgen auch für einen markanten Klang beim Gehen. Zusätzlichen Schutz kann ein Nagelbeschlag am Spitzen- und Absatzrand bieten.
 

Absatzformen

Oberbegriff für verschiedene Absätze. Es gibt sehr unterschiedliche Formen wie Block-, Keil- und Diaboloabsätze. Darüber hinaus sind eine Reihe markanter Varianten zu nennen, etwa den ’Louis XV‘ oder ausgestellte Absätze.
 

Absatzhöhe

Als flach werden Absätze bis 30 mm bezeichnet. Mittlere Absatzhöhen liegen zwischen 30 und 60 mm; von einem hohen Absatz spricht man bei über 60 mm (siehe auch: Sprengung).
 

Ago

Die Bezeichnung einer Machart zur Schuhfertigung, basierend auf dem Verkleben von Schaft und Boden. Der Name ist ursprünglich eine Abkürzung: ’Another Great Opportunity‘. So wurde der Klebstoff auf Basis von Kollodiumwolle genannt, der 1911 erstmals für die Klebung der Laufsohle an den Schaft eingesetzt wurde. Der italienische Gerbereichemiker Dr. F. Rampichini entwickelte den Klebstoff, der Leder mit Leder fest verbinden konnte. Bei der Ago-Machart werden Schaft und Futter über den Leisten geformt und an der Brandsohle befestigt (gezwickt). Anschließend wird der auf die Leistenunterseite umgelegte Schaftrand (Zwickeinschlag) aufgeraut. Die Vertiefung zwischen den Zwickeinschlägen wird mit einer Ausballung aufgefüllt. Dann wird die mit Klebstoff eingestrichene Laufsohle aufgelegt und unter hohem Druck an die Schaftunterseite gepresst.
 

Ahle

Ein wichtiges Werkzeug des Schuhmachers. Es dient zum Vorstechen von Löchern. Mit der Ahle wird beispielsweise beim Rahmennähen durch Brandsohle, Futter, Kappen und Rahmen eingestochen, dann von beiden Seiten Pechdraht durch den Stich gezogen.
 

Altgrubengerbung (siehe auch: Grubengegerbtes Leder)

Methode der pflanzlichen Gerbung, vor allem von Sohlenleder, die heute nur noch von wenigen Gerbereien praktiziert wird. Als Gerbmaterial dienen bei diesem Verfahren unter anderem Fichten- oder Eichenlohe. Besonderheiten dieses Gerbprozesses sind die niedrige Gerbstoffkonzentration, der Verzicht auf Temperaturerhöhungen und der Verzicht auf Bewegung, etwa in sich drehenden Fässern. Statt dessen erfolgt die Gerbung in in den Boden eingelassenen Gruben. Die Altgrubengerbung kann bis zu zwei Jahre beanspruchen und ergibt ein Bodenleder von bester Qualität.
 

Anilinleder

Mit Anilinfarbstoffen gefärbte Leder. Aniline sind aus Steinkohlenteer gewonnene Öle, die als Basis zur Herstellung von Farbstoffen dienen. Anilinfarbstoffe bestehen aus winzigen Farbkörpern, werden vom Leder aufgenommen und gehen mit ihm eine chemische Verbindung ein, die idealerweise nicht mehr ausblutet. Anilinfarbstoffe sind nicht deckend, sondern lassen die Narbenstruktur des Leders sichtbar. Sie können zum Durchfärben oder zur oberflächlichen Behandlung eingesetzt werden. Anilingefärbte Leder werden in der Regel nach der Färbung nicht zusätzlich gefinisht. Sie sind empfindlicher als gedeckte Leder, beispielsweise von geringer Hitzebeständigkeit, was bei der Schuhherstellung und -reinigung berücksichtigt werden muss.
 

Ankle Boot

Stiefelette oder Boot, deren bzw. dessen Schaft etwa in Höhe des Knöchels endet.
 

Ankle Sandal

Mischung aus Boot und Sandale; Schuhmodell mit Riemchen-Optik, das etwa im Knöchelbereich geschlossen wird.
 

Anspritzen (siehe auch: Direktansohlverfahren)

Die Technik des Anspritzens von Sohlen an Schuhschäfte wird heute in vielen Schuhfabriken eingesetzt. Das Verfahren hat vor über 40 Jahren erstmals die Schuhproduktion nach industriellen Maßstäben ermöglicht. Zunächst wurde ausschließlich PVC als Sohlenwerkstoff dafür verwendet. Heute können auch Sohlen aus Gummi, Polyurethan oder speziellen Werkstoffkombinationen wie z.B. PU/TPU (Polyurethan/thermoplastisches Polyurethan) angespritzt werden. Bei dem Direktansohlen oder auch Direktanspritzen wird das Sohlenmaterial an den aufgeleisteten Schaft mit Textilbrandsohle (siehe auch: Strobeln) gespritzt.
 

Antikfinish

Ein spezieller Effekt auf der Lederoberfläche, bei dem mit verschiedenen Farbtönen und -helligkeiten gearbeitet wird. Eine hellere Grundnuance wird dabei z.B. durch eine dunklere Effektfarbe ergänzt. Als Antikeffekt wird auch die dunklere Einfärbung der Narbenvertiefung auf der Lederoberseite bezeichnet, die durch Auftrag und anschließendes Abwischen dunkler Effektfarbe erzielt wird.
 

Ausballung

Eine in dem flachen Hohlraum zwischen den Zwickeinschlägen auf der Brandsohle platzierte Schicht aus Kork (Korkschrot mit Leim vermischt oder auch gepresste Korkformplatte), Filz oder anderen Materialien, die auftrittsdämpfend und wärmeisolierend wirken soll.
 

Ausbrennen / Abflämmen

Bestandteil des Finishs. Sohlen- und Absatzrand sowie die Unterseite der Sohle werden beim Ausbrennen hoher Temparatur ausgesetzt. Der Schuhmacher nutzt hierfür ein spezielles Brenneisen. Beim Ausbrennen werden die zuvor aufgebrachten Farb- und Pflegesubstanzen vom Leder aufgenommen und die Lederoberfläche versiegelt. In vielen Schuhfabriken wird der Effekt der hohen Temperatur genutzt, indem beim ’Abflämmen‘ der fertige Schuh kurz über eine Flamme gehalten wird. Dabei werden auch überstehende Fadenenden von Steppnähten entfernt. Zusätzlich wird der Narben (die Lederoberfläche) durch die Hitze geschlossen. Das Abflämmen ’fixiert‘ die Lederoberfläche, festigt seine Struktur und erhöht die Haltbarkeit des Oberleders.

 


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