Schuhe von A bis Z – das große Schuhlexikon

von Sabot bis Stupprad

 

Sabot

Ursprünglich französische Bezeichnung für Holzschuhe; heute üblicherweise für elegante Pantoletten verwendet.
 

Sacchetto

Bezeichnung für eine Machart, bei der aus Futterleder ein den Fuß ganz umschließender Innenschuh (ähnlich dem Mokassin) hergestellt wird. Dieser Innenschuh, gewissermaßen ein ’Futtersack‘ – daher der Name der Machart –, wird bei der Herstellung auf den Leisten aufgezogen, dann der Oberlederschaft präzise darübergezogen. Beide Schäfte werden miteinander verklebt. Anschließend wird die Sohle aufgebracht. Zur Erhöhung des Fußkomforts wird häufig eine weiche Polsterung eingearbeitet. Der Name Sacchetto kommt aus dem Italienischen und bedeutet ’Säckchen‘. Die Sacchetto-Machart kommt ohne harte Brandsohle aus; lediglich ein Gelenkstück wird eingearbeitet.
 

Sämischgerbung

Gerbverfahren, bei dem tierische Fette als Gerbsubstanzen eingesetzt werden. Die Fette dringen in die Haut ein und entfalten dort ihre Gerbwirkung. Sämischleder kommt z.B. bei der Trachtenbekleidung zum Einsatz.
 

San Crispino

Der Schaft dieses Schuhtyps wird auf der Brandsohle mit Hilfe des Klebezwickverfahrens befestigt. Die San Crispino-Naht wird in einem einzigen Nähgang rundum genäht. Dabei wird das Oberleder mit der dazwischen liegenden Brandsohle vernäht. Anhand dieser markanten Naht lässt sich ein ’San Crispino‘ stets erkennen.
 

Sandale

Kann als ’Ur-Schuh‘ bezeichnet werden, denn die Sandale ist bereits seit ca. 5000 v. Chr. bekannt. In der griechisch-römischen Antike war sie der Schuh aller Gesellschaftsschichten und wurde von Frauen und Männern gleichermaßen getragen. Seit 1800 waren Sandalen den Frauen vorbehalten. Heute gehören sie zu jeder Freizeitgarderobe, sind aber auch als sehr elegante, hochmodische Versionen trendweisend. Als Sandaletten werden Sandalen mit höherem Absatz bezeichnet.
 

Sattelschnitt

Bezeichnung für einen Schaftschnitt, der dem Blattschnitt ähnlich ist. Allerdings sind hier keine Quartiere im klassischen Sinne vorhanden, sondern diese beiden Schaftteile sind auf die Schnürung reduziert und sitzen ’sattelähnlich‘ auf dem Blatt.
 

Schärfen

Das Behandeln einzelner Schaftteile mit einer speziellen Maschine, die den Rand leicht abschrägt und so ausdünnt. Die Kanten mancher Schaftteile werden nach dem Schärfen ’umgebuggt‘, also nach innen gefalzt, was eine saubere, fransenfreie Kante ergibt.
 

Schaft

Bezeichnung für das Schuhoberteil. Der Schaft besteht beispielsweise aus Blatt, Quartier, Lasche, Hinterriemen, Futter, Fersenfutter, Hinterkappe, Vorderkappe, Ösen und Schnürsenkeln. Der Schaft wird vor der Montage (dem Zusammenbau von Schaft und Sohle) mit Vorder- und Hinterkappe versehen und dann über den Leisten gezwickt.
 

Schaftstepperei

Der Bereich einer Schuhfabrik, in dem die Schäfte hergestellt, also aus ihren Bestandteilen zusammengebaut werden. Neben den Stanzen für die einzelnen Teile des Schaftes kommen dabei unter anderem Schärfmaschinen, mit denen die Kanten von Schaftteilen ausgedünnt werden, und Steppmaschinen, die zum Zusammennähen der einzelnen Schaftteile dienen, zum Einsatz. Viele Schuhhersteller haben aus Kostengründen die Schaftstepperei ausgelagert und lassen die benötigten Schäfte im Ausland, z.B. in Osteuropa oder auch in Indien, fertigen. Die Montage der Schuhe erfolgt häufig nach wie vor in Deutschland.
 

Schaftstiefel

Bezeichnung für Stiefel mit einer Schafthöhe von mehr als 20 cm.
 

Schlauch-Riemen

Riemen aus weichem Leder, die zu einem Schlauch verarbeitet werden. Diese Machart sorgt für hohen Komfort, weil die Schlauchriemen anschmiegsam und soft sind. Druckstellen werden so vermieden. Hinzu kommt die feminine, modische Optik.
 

Schlupf-Riemen

Ein kleines Stück Qualität: Unter Schlupf-Riemen bzw. Schlupfriemen versteht man einen schmalen Streifen, meist aus Leder gefertigt, der im Fersenbereich des Schuhs eingearbeitet wird. Der Schlupfriemen dient einerseits dazu, das Hineinschlüpfen in den Schuh zu erleichtern. Andererseits schützt das kleine Lederstück die Fersennaht innen im Schuh. Schlupf-Riemen sind gemeinhin ein Qualitätsmerkmal für hochwertig verarbeitete Schuhe.
 

Schnürpumps

Kombination aus Pumps und Schnürschuh; hochgeschlossener Pumps mit Schnürelementen und meist mittelhohem Absatz.
 

Schnürsenkel

Für viele Verbraucher ein notwendiges Übel, das immer im falschen Moment reißt – wenn man nicht richtig vorbereitet ist. Das heißt: Ein kleiner Vorrat sollte immer vorhanden sein; idealerweise in der richtigen Farbe und Länge. Furniturenhersteller bieten eine große Auswahl verschiedener Senkel. Dem Fachhandel kommt hier eine wichtige Beratungsfunktion zu. Übrigens: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Schuh zu schnüren! Je nach Länge der Senkel lassen sich interessante Kreuz- und Parallelmuster erzielen. In der Breite unterscheidet man zwischen Normalschnürung (zwischen beiden Quartieren liegen ca. 5 bis 10 mm), Engschnürung (kein Zwischenraum) oder Weit-schnürung (Abstand mehr als 10 mm).
 

Schuhcreme

Ein hochwertiger Schuh verlangt intensive, regelmäßige Pflege, idealerweise mit hochwertigen Produkten. Schuhcreme verleiht dem Leder Geschmeidigkeit, gleicht mögliche Unebenheiten  oder auch Kratzer aus, kann Farbakzente setzen und imprägniert zusätzlich. Gerade auch für modische und High-Tech-Materialien (z.B. Tex-Obermaterialien) gibt es spezielle Schuhcremes, Pflegeschäume und Sprays. Hier kommt es auf die richtige Beratung an.
 

Schuhgrößen

Man unterscheidet zwischen dem englischen/amerikanischen Maßsystem auf Basis von Zoll mit Größenbezeichnungen wie z.B. 3 und 3 1/2 und dem französischen Maßsystem auf Basis des Pariser Stich mit Größenbezeichnungen wie 37 und 37 1/2.
 

Schuhlöffel

Niemals ohne! Schuhlöffel oder -anzieher sind unerlässlich zum An- und Ausziehen von Schuhen. Ihre Anwendung schont die Fersenkappen und trägt zur Formerhaltung des Schuhs bei.
 

Schuhspanner

Auch Schuhstrecker oder -former genannt. Ein der Leistenform des Schuhs nachempfundener Gegenstand aus Holz oder Kunststoff, der nach dem Tragen in den Schuh eingespannt werden sollte, um Gehfalten auszugleichen, die Form des Oberleders zu unterstützen und das Trocknen des Leders zu erleichtern. Es gibt unter anderem Schuhspanner aus aromatischem Zedernholz (ihm wird eine mottenabweisende Wirkung zugeschrieben) oder Buchenholz. Für kräftige Schuhe eignen sich Klapp- oder Schraubspanner gut, die den Schuh auch im Fersenbereich ausfüllen. Auch Schaumstoff-Schuhspanner, die besonders leicht und daher gut zu transportieren sind, werden häufig eingesetzt. Eine preiswerte Alternative sind zudem Kunststoff-Schuhspanner. Elegante Damenschuhe, etwa Slingpumps oder Pantoletten, können mit Schuhspannern bestückt werden, die dem Schuh nur im vorderen Bereich seine Form geben.
 

Scotchgrain

Bezeichnung für eine Lederart mit besonders kräftigen Narben, also einer deutlich auffallenden, fühlbaren, beinahe körnigen Struktur auf der Oberfläche. Scotchgrain sorgt speziell bei rustikaleren Schuhtypen für einen sehr individuellen Look.
 

Semi-Brogue

Ein Semi-Brogue ist etwas schlichter gearbeitet als der Full Brogue. Die Lyralochung beispielsweise wird bei diesem Modell insgesamt sparsamer eingesetzt und findet sich nicht an jedem Schaftteil. Die Kappe über dem Blatt ist nicht geschwungen, sondern gerade gearbeitet.
 

Skyscraper

High Heel mit extrem hohem Absatz, meist über 12 cm.
 

Sling, Sling-Pumps, Sling-Back

Kurzwort für Sling-Pumps oder -ballerinen; Modelle mit vorne geschlossenem Schaft, hinten jedoch einem Fersenriemen, ähnlich der Sandale.
 

Slipper

Schuhtyp, der durch einfaches Hineinschlüpfen angezogen
werden kann. Der Schaft dieses Schuhs ist ringsum geschlossen; der Schuh hat keine Schnürung oder andere Verschlüsse.
 

Slip-on

Schlupfschuh mit sportlicher Attitüde und spezieller Schaft- und Sohlengestaltung. Charakteristisch sind die Elastik-Einsätze rechts und links. Sie sorgen für schnelles An- und Ausziehen.
 

Sneaker

Heute geläufige Bezeichnung, ursprünglich aus dem Englischen (sneak = schleichen, sich heranschleichen), für straßentaugliche Sportschuhe.
 

Sommerstiefel

Stiefeletten, häufig mit Lochmuster und leichter Schaftgestaltung und ohne Warmfutter, die auch im Sommer zu Röcken oder Kleidern getragen werden können.
 

Sprengung

Man unterscheidet Absatz- und Spitzensprengung, d.h. die richtige Positionierung und Abstimmung von Schuh und Absatz bzw. Schuh und Spitze. Die richtige Sprengung sorgt für problemloses Abrollen und sicheren Auftritt. Ist die Sprengung der Gelenkfeder größer als die Leistensprengung, steht der Absatz nur mit der Hinterkante auf dem Boden. Ist die Sprengung der Gelenkfeder kleiner als die Leistensprengung, steht der Absatz nur mit seiner vorderen Kante auf dem Boden. In beiden Fällen kann der natürliche Abrollvorgang bzw. ein sicherer Auftritt nicht erfolgen.
 

Spritzgussverfahren

Auch Injection-Moulding-Verfahren genannt. Prozess, bei dem das Sohlenmaterial in eine Gießform eingespritzt wird, deren hohe Temperatur ein sofortiges Vulkanisieren der Sohlenmasse bewirkt. Sie nimmt dabei ihre endgültige Form an. Auf diese Weise werden beispielsweise Gummistiefel oder Sohlen hergestellt.
 

Stanzmesser

Sie sind in jeder Schuhfabrik ein echter Schatz: die Stanzmesser. Denn jeder Schuh besteht aus einer Vielzahl von Schaftteilen, die einzeln mit Stanzmessern und Stanzmaschine ausgestanzt werden. Dabei variiert die Form und Größe jedes Stanzmessers von Größe zu Größe. Für ein Modell muss also der komplette Stanzmessersatz z.B. in Größe 39 bis 46 vorhanden sein – eine beachtliche Investition für ein Unternehmen.
 

Stegspangenpumps

Auch geläufig als ’Mary Jane‘. Bezeichnung für einen Pumps, an dessen Vorderteil ein Steg angeschnitten oder angesetzt ist, der längs auf dem Spann verläuft und durch den rund um das Sprunggelenk der Verschluss- oder Fersenriemen gezogen wird.
 

Steppen

Mit Steppnähten werden die Schaftteile zusammengesetzt (gesteppt). In der Industrie werden Steppmaschinen eingesetzt, deren Handhabung ein hohes Maß an Können und Erfahrung bedarf. Darüber hinaus gibt es auch Steppautomaten, die vorzugsweise bei der Herstellung von Sportschuhen verwendet werden. Bei ihnen macht die Maschine praktisch ’alles alleine‘. Eine Bedienperson nimmt dann die fertig gesteppten Schaftteile, die in spezielle Klemmvorrichtungen eingelegt wurden, aus dem Gerät heraus.
 

Stiefel

Die ersten Stiefel waren um Füße und Beine geschlungene Felle und Häute. Kelten und Wikinger zogen in diesem Schuhwerk umher. Im Mittelalter kamen die ersten Stiefel auf, die den Modellen, die heute bekannt sind, sehr ähnelten. Im 19. Jahrhundert wurden kurze Schnürstiefel mit kleinem Absatz für Damen zum wichtigen Bestandteil der Schuhmode. 
Entscheidend für den Komfort von Stiefeln ist die Passform im Bereich der Wade. Viele Hersteller haben bei den Schäften von Stiefeln auf Elastikmaterialien zurückgegriffen, um hier eine gute und bequeme Passform zu gewährleisten.
 

Stiletto

Schlanker, nach unten hin spitz zulaufender Absatz von mindestens 60 mm Höhe. Die Auftrittsfläche des Absatzes ist etwa so groß wie ein Pfennig (’Pfennigabsatz‘).
 

Straußenleder

Leder aus der Haut von Straußen, das durch seine markante Oberfläche auffällt: Die Poren, in denen die Federkiele des Vogels saßen, treten deutlich hervor. Mit seiner speziellen Optik ist Straußenleder nicht nach jedermanns Geschmack, kann aber mit dem richtigen Schuh-Schnitt sehr elegant und individuell wirken. Straußenlederoptik kann auch durch Prägen erzielt werden.
 

Strobeln

Verbindung von Oberleder und Textil- oder Lederbrandsohle mit Hilfe der Tellertransportmaschine, die beide Teile ringsum vernäht. Entwickelt wurde die Maschine von der Firma Strobel, einem 1883 gegründeten Unternehmen mit Sitz in Puchheim, das auf Nähmaschinen spezialisiert ist. Gemeinhin bezeichnet man daher dieses Verfahren als ’Strobeln‘. Die Strobelnaht (auch Überwendlichnaht genannt) ist im Inneren des Schuhs zwischen Brandsohle und Oberleder sichtbar. Bei gestrobelten Schuhen wird keine Brandsohle benötigt, die auf den Leisten geheftet wird. Der Schaft mit angestrobelter Brandsohle wird lediglich auf den Leisten gezogen; dann kann die Bodenmontage erfolgen. In der Regel werden gestrobelte Schuhe angespritzt.
 

Stulpenstiefel

Bei diesen Stiefeln wird die obere Schaftkante in unterschiedlicher Breite nach außen umgeschlagen.
 

Stupprad

Ein Werkzeug, mit dem der Schuhmacher am fertigen Schuh den Rahmen verziert. Dieser wird angefeuchtet und dann mit dem Stupprad umfahren. Es entsteht ein feines, aber sehr markantes Rillenmuster.


 

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