Onlinehandel

GMS beendet Kooperation mit Schuhe24

Dr. Karsten Niehus
Dr. Karsten Niehus

Im Herbst 2017 vereinbarte der GMS Verbund eine Kooperation mit Schuhe24. Nun hat die Verbundgruppe aus Köln die Zusammenarbeit mit der Online-Plattform wieder beendet. GMS-Geschäftsführer Dr. Karsten Niehus erklärt die Hintergründe.

Warum wird die Kooperation von GMS mit Schuhe24 beendet?

Dr. Karsten Niehus: Wir haben die Daten und Fakten diverser Händler, die an Plattformen teilnehmen, analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die meisten Händler auf Plattformen vor allem Neuware verkaufen. Dies bringt in der Regel keine wirtschaftliche Verbesserung, sondern zum Teil eine erhebliche Verschlechterung. Während bei Verkäufen von Neuware im Geschäft in der Regel einen Rohertrag von 40% bis 50% vom Nettoumsatz erzielt wird, reduziert sich der Rohertrag durch die variablen Kosten des Plattformhandels auf maximal 5%. Je nach Preislage und Einkaufskonditionen zeigen sich sogar negative Roherträge. Mit solchen Roherträgen ist es unmöglich die Fixkosten wie Personal Miete etc. zu decken. Der Händler legt also drauf. Dazu können wir unseren Fachhändler nicht raten.

War es nicht eine Forderung aus dem Kreis der Händler, die zu der Zusammenarbeit geführt hat? Haben sich die Erwartungen nicht erfüllt?

Wir erleben seit einigen Jahren einen erheblichen Druck auf alle Marktteilnehmer durch die Digitalisierung. Jeder Berater, jede Fachzeitschrift, manche Verbundgruppe spricht ständig von der Notwendigkeit digital zu werden. Diesen Druck spüren auch unsere Fachhändler und deshalb haben wir die Kooperation begonnen mit dem Ziel vor allem Altware zu erkaufen. Dadurch, dass vor allem Neuware verkauft wurde, hat das Projekt eine andere Richtung genommen.

Sie sind für Ihre Skepsis gegenüber dem Onlinehandel mit Schuhen bekannt. Fühlen Sie sich in dieser Ansicht bestätigt?

Wir sind der Überzeugung, dass es strategisch nicht klug ist die Stärken eines starken Wettbewerbers kopieren zu wollen. Vielmehr sollte sich jeder darauf konzentrieren die eigenen Stärken auszubauen. Es macht für einen Schuhfacheinzelhändler nur selten Sinn gegenüber einem Deichmann günstige Schuhe verkaufen zu wollen. Es macht auch nur wenig Sinn im Wettbewerb zu Amazon eine eigene Kundendatenbank aufbauen und professionell analysieren zu wollen. Es macht aber Sinn das auszubauen, was Deichmann und Amazon nicht können. Eine sofort verfügbare Auswahl von handwerklich soliden, schönen, ausgewählten Schuhen, einen Top Service, ein erlebnisreiches Ambiente und eine persönliche, freundliche Beziehung zum Kunden. Das sagen wir seit Jahren und darin sehen wir uns bestätigt.

Helge Neumann / 10.04.2019 - 12:52 Uhr

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