Hamburger Schuhfilialist

Görtz: „Wir müssen uns schützen“

Görtz-Geschäftsführer Frank Revermann (Foto: Redaktion)
Görtz-Geschäftsführer Frank Revermann (Foto: Redaktion)

Vor einigen Tagen versandte der Hamburger Schuhfilialist Görtz ein Schreiben an Lieferanten, in dem ein ’Konjunktur-Bonus‘ angekündigt wird. schuhkurier sprach mit Görtz-Geschäftsführer Frank Revermann über die Gründe für dieses Vorgehen.

schuhkurier: Herr Revermann, am 18. Dezember haben Sie einen Brief an Ihre Lieferanten geschickt und dort um einen ’Konjunktur-Bonus‘ in Höhe von 2,5% gebeten. Warum?

Frank Revermann: Das Jahr 2018 war in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Wir hatten sieben Monate lang Sommer. Übergangsware ist kaum abgeflossen. Mit den stark nachgefragten Sandalen und Pantoletten wurde naturgemäß weniger Umsatz erzielt. Zum Jahresende ist dann die warmgefütterte Ware deutlich hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben. Und das Weihnachtsgeschäft schlägt sich im Schuhhandel ohnehin kaum nieder. Der stationäre Handel gerät immer mehr unter Druck. Wir wollen uns mit diesem Brief vor einer Negativentwicklung mit unabsehbaren Folgen schützen.

Welches Feedback haben Sie aus der Branche erhalten?

Frank Revermann: Wir haben sehr viele Rückmeldungen bekommen. Etliche Unternehmen haben uns signalisiert, dass sie helfen und weiterhin mit uns zusammenarbeiten wollen. Natürlich muss man dabei auch sehen, dass das schwierige Jahr 2018 auch für die Industrie herausfordernd ist.

In Ihrem Brief erwähnen Sie nicht nur die für den Schuhhandel allgemein problematische Wetterlage im nun endenden Jahr. Sie schildern auch die Investition in ein neues ERP-System. Nicht erwähnt wird die Neueröffnung in München in diesem Jahr – man könnte als Adressat Ihres Schreibens schlussfolgern, dass man nun für Management-Entscheidungen Ihres Hauses zur Kasse gebeten wird...

Frank Revermann: Vorab möchte ich betonen, dass wir das Schreiben nicht ’einfach so‘ verschickt haben. Mit den allermeisten Lieferanten haben wir vorher gesprochen; wir führen ohnehin mit unserer ganzen Mannschaft viele Gespräche mit unseren Geschäftspartnern. Mir war wichtig, dass unsere Botschaft ernst genommen wird. Wir reden hier nicht von Verhandlungen zur neuen Saison. Im Übrigen sind wir nicht die Ersten, die sich mit einer solchen Bitte an die Lieferanten wenden. Was unsere Standorte betrifft – zum Beispiel München, aber auch der Umzug innerhalb Berlins: Wir haben in den stationären Handel und damit auch in den Ausbau unserer Multichannel-Kompetenz investiert. Unsere Cross-Channel-Services wie zum Beispiel Click&Collect und Check&Reserve werden gestärkt und darüber hinaus schaffen wir mehr Sichtbarkeit für die Schuhe unserer Lieferanten. Natürlich könnte man als Schuhhändler auch sagen, man verzichtet auf Investments in dieser Richtung, tut nichts mehr für seine Geschäfte und damit auch nichts mehr für die Marken. Das halte ich aber für die falsche Strategie, denn Kosten sparen, indem man nicht investiert, macht nicht profitabel, sondern verstärkt nur stagnierendes bis rückläufiges Geschäft. 

In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Capital im Juli haben Sie davon gesprochen, dass Sie sich dem Kampf stellen wollen und gaben selbstbewusst die Devise ’Last Man Standing‘ aus. Passt ein solcher Brief dazu?

Frank Revermann: Die Devise gilt nach meiner Überzeugung immer noch. Es ist nichts Verwerfliches daran, wenn man seine Industriepartner um Unterstützung bittet. Was wird passieren, wenn wir im nächsten Jahr auch wieder sieben Monate Sommer haben? Vor einem solchen Szenario müssen wir uns schützen und Strategien entwickeln, um weiterhin ein gesundes Handelsgeschäft zu betreiben.

Wie entwickeln sich die noch jungen Standorte in Berlin und München?

Frank Revermann: Zunächst: Wir haben in beiden Städten vergleichsweise kostengünstig agieren können. In Berlin sind wir zweistellig im Plus zum Vorjahr. Hier ist eine deutliche Entwicklung sichtbar. In München haben wir die Zara-Kundin, die den Standort ja kennt, schon sehr gut gewinnen können. Nun gilt es, noch weitere Kundengruppen zu erschließen. Die Kaufinger Straße gehört zu den Standorten, in denen Einzelhandel noch sehr gut funktioniert.

Trifft es zu, dass es derzeit Konzepte bzw. konkrete Überlegungen gibt, Standorte in größeren Standorten (z.B. Berlin und München) abzustoßen? Es sollen Immobilienunternehmen beauftragt worden sein, diesen Prozess durchzuführen. 

Frank Revermann: Aktuell verhandeln wir natürlich im gesamten Markt Mieten nach und das bedeutet auch, dass es hier und da sogar taktische Kündigungen geben muss, damit man mit dem Vermieter ins Gespräch kommt. Das betrifft aber nicht nur große, sondern auch kleine Standorte und ist derzeit ein ganz normaler Prozess.

Aktuell wird der Umsatz Ihres Unternehmens mit 265 Mio. Euro beziffert. Halten Sie an dem Ziel fest, 300 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2021 zu erreichen?

Frank Revermann: Ja, das halte ich weiterhin für machbar.

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Petra Steinke / 20.12.2018 - 13:04 Uhr

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