EHI-Studie ’Inventurdifferenzen 2019‘

Handel beklagt höhere Inventurverluste

Die Kunden sind für den Löwenanteil der Inventurdifferenzen im Handel verantwortlich. (Grafik: EHI Retail Institute)
Die Kunden sind für den Löwenanteil der Inventurdifferenzen im Handel verantwortlich. (Grafik: EHI Retail Institute)

Klare Worte zu Inventurverlusten: „Im Handel wird nach wie vor gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist“, erklärt EHI-Sicherheitsexperte Frank Horst auf dem ’EHI Inventur- und Sicherheitskongress 2019‘ in Köln.

Die Inventurverluste stiegen 2018 um fast 5% auf 4,3 Mrd. Euro, teilt das EHI Retail Institute auf Basis der Studie „Inventurdifferenzen 2019“ mit. An der Untersuchung beteiligten sich 95 Unternehmen bzw. Vertriebsschienen mit 22.551 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von rund 98,3 Mrd. Euro erwirtschaftet haben. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der beteiligten Geschäfte beträgt 1.240 qm.

Von den 4,3 Mrd. Euro Inventurverlust – branchengewichtete Hochrechnung für den gesamten deutschen Einzelhandel – entfallen rund 3,75 Mrd. Euro auf Diebstahl, davon rund 2,38 Mrd. Euro auf Diebstähle durch Kunden. Den eigenen Mitarbeitern werden gut eine Milliarde angelastet, Lieferanten sowie Servicekräften werden 350 Mio. Euro an Warenverlusten im Jahr zugerechnet. Statistisch gesehen entfällt auf jeden Haushalt in Deutschland jährlich ein Warenwert von fast 60 Euro, der nicht bezahlt wird. Auf den Lebensmittelhandel projiziert bedeutet dies, dass nach wie vor rund jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt die Kasse passiert. 560 Mio. Euro entstehen durch organisatorische Mängel wie falsche Preisauszeichnung oder nicht erfasster Bruch und Verderb.

Inventurverlust schmälert Rendite

Bei der Mehrzahl der Studienteilnehmer haben sich die Inventurergebnisse in Prozentpunkten im Vergleich zu 2017 verschlechtert. Eine durchschnittliche Inventurdifferenz von 0,63 Prozent – bewertet zu Einkaufspreisen in Prozent vom Nettoumsatz – schmälert die Renditen im Einzelhandel. Bewertet zu Verkaufspreisen in Relation zum Bruttoumsatz entspricht dies in branchengewichteter Hochrechnung einem Wert von durchschnittlich 1 Prozent des Umsatzes. Hinzu kommen jährliche Ausgaben des Handels von rund 1,45 Mrd. Euro für Präventions- und Sicherungsmaßnahmen. Insgesamt gehen dem Handel damit durch Inventurdifferenzen und Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen rund 1,34 Prozent seines Umsatzes verloren, die letztlich jeder Kunde mit bezahlt.

2018 sind die angezeigten Ladendiebstähle laut polizeilicher Kriminalstatistik um 4,1 Prozent zurückgegangen auf insgesamt 339.021 Fälle. Während die Zahl der einfachen Ladendiebstähle seit 1997 nahezu kontinuierlich gesunken ist, haben sich schwere Ladendiebstähle in den letzten zwölf Jahren nahezu verdreifacht. Durch die hohe Dunkelziffer von über 98 Prozent besitzt die Statistik nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit. Aus dem durchschnittlichen Scha­den aller angezeigten Diebstähle und dem tatsächlichen Schaden im Handel ergibt sich, dass jährlich rechnerisch über 23 Millionen Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von 100 Euro unentdeckt bleiben.
 

Tobias Kurtz / 25.06.2019 - 11:44 Uhr

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