Premiere der Gallery Shoes

Harter Kern

In Düsseldorf ist etwas entstanden, das man mit Fug und Recht als gute Basis für weitere Entwicklungen ansehen kann.

Modemessen verlieren zunehmend an Zuspruch. Das schrieb vor einigen Tagen Carsten Dierig in der ’Welt‘. Der Autor zweifelt an der Sinnhaftigkeit von Orderveranstaltungen für den Handel in Zeiten, da große Marken im Monatsrhythmus neue Kollektionen in die Läden bringen. Und er hält die Zeiten gigantischer Fashion-Messen wie GDS, CPD oder Herrenmodewoche zumindest in Deutschland für vorbei; Großmessen wurden inzwischen abgelöst durch kleinteilige, spezialisierte Veranstaltungen in Berlin, München oder Düsseldorf, die, so Dierig weiter, die Prozesse für Einkäufer und Händler oft eher komplizierter machen als effizient. Mit seinen Zweifeln hat Dierig Recht: Wer sich angeschaut hat, welch gigantische Marketingmaschine die Bread & Butter geworden ist, die 30.000 weitgehend überdrehte Fashion-Victims in die Arena Berlin lockte, um für 20 Euro Eintritt ’barrierefrei‘ mit ihren Lieblingsmarken in Kontakt zu treten – ohne zwischengeschalteten Handel, mit Ausnahme von Zalando, versteht sich –, der mag sich die Frage stellen, welchen Weg die ’klassische‘ Mode- und Schuhbranche wohl einschlagen wird. Dierig spricht mit Blick auf die Premiere der Gallery Shoes aber auch von einem „harten Kern in der Schuhwelt“, der offenbar weiterhin auf das Thema Messe setzt. Und dieser Kern scheint doch sehr kraftvoll und vital. Denn in Düsseldorf ist – entgegen manchen Befürchtungen – etwas entstanden, das man mit Fug und Recht als gute Basis für weitere Entwicklungen ansehen kann.

Ein Neustart in vielerlei Hinsicht, der Aussteller und Händler gleichermaßen positiv überraschte. Drei Tage herrschte beste Stimmung in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Order. Kollektionssichtung. Netzwerken. Meinungsaustausch. Und danach der allseits bekundete Wille, auf diesem Fundament gemeinsam weiter aufzubauen. Das ist bemerkenswert für eine Branche, in der die Akteure zwar gern Partnerschaft fordern und predigen, sich mit dem gemeinsamen Ziehen an einem Strang dann aber doch oft schwer zu tun. Vielleicht ist es dem allseits spürbaren Druck geschuldet, dass es nun doch ein Commitment gab und gibt. Vielleicht auch der Sorge, eine Plattform für das Schuhbusiness in Deutschland gänzlich zu verlieren. Nun ist ein Anfang gemacht.

Es wird sich zeigen, welche weiteren Schritte folgen. Wachstum auf Ausstellerseite wird vom Handel gewünscht. Mehr internationales Publikum von den Ausstellern. Die Veranstalter zeigen sich offen für Gespräche, um der Schuh- und Modebranche in Düsseldorf auch langfristig eine ’neue Heimat‘ zu geben. Das sind positive Vorzeichen. Im März werden wir die zweite Gallery Shoes in Düsseldorf erleben. Und spätestens dann wird sich der weitere Weg abzeichnen.

Petra Salewski / 06.09.2017 - 09:48 Uhr

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