Lederindustrie

Indiens Regierung will Tötung von Rindern verbieten

In Indien bahnt sich ein Kulturkampf an. Während für die muslimische Bevölkerung das Schlachten und der Verzehr von Rindfleisch unproblematisch ist, wollen radikale Hindus, für die Kühe heilig ist, dies nicht länger hinnehmen.

Wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, häufen sich in Indien Übergriffe gegen Bauern und Personen, die in der Fleischindustrie beschäftigt sind. Es handelt sich hierbei meist um Muslime sowie so genannte Dalits, Menschen ohne Kastenzugehörigkeit. Ihre Arbeit ist in der Fleischindustrie unerlässlich. Beobachter gehen davon aus, dass die Hindu-Nationalisten im Land, die sich gegen das Töten von Rindern aussprechen, ihre Macht weiter ausbauen werden. An vorderster Front steht hier die Bharatiya Janata Partei (BJP) von Ministerpräsident Narendra Modi. Sie hat bereits erste Fleischverbote ausgesprochen.

Die Folgen dieser Entwicklung sind bereits in vielen Bereichen sichtbar: Bei den Wahlen im bevölkerungsreichsten indischen Bundesstaat Uttar Pradesh im März erlangte Modis Partei einen fulminanten Sieg und übertrug dem Hindu-Priester Yogi Adidyanath die Regierungsverantwortung. Laut Medienberichten schloss er kurzerhand 17 von 41 fleischverarbeitenden Betrieben; 30.000 Beschäftigte verloren ihre Arbeit. Auch in anderen Bundesstaaten hat sich die Lage deutlich verschärft. So stellte der Ministerpräsident des Bundesstaats Chattisgarh das Töten einer Kuh unter Todesstrafe; in Gujarat soll eine lebenslange Haftstrafe verhängt werden.

Branchenexperten gehen davon aus, dass die politischen Entwicklungen gravierende Folgen für die Lederindustrie haben dürften. Bereits jetzt seien steigende Preise zu beobachten. Zahlreiche Unternehmen suchen bereits nach Alternativen – etwa in Bangladesh. 

Petra Salewski / 31.05.2017 - 10:08 Uhr

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