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Instagram: Mitschuld an Ängsten und Depressionen?

Instagram soll Depressionen begünstigen. Was kann man als Nutzer dagegen tun? (Foto: Unsplash)
Instagram soll Depressionen begünstigen. Was kann man als Nutzer dagegen tun? (Foto: Unsplash)

Social Media haben unsere Sicht auf die Welt verändert. Eine These, die man vielfach in Kolumnen oder wissenschaftlich-psychologischen Untersuchungen bestätigt findet. Doch wie weitreichend ist der Einfluss des schönen digitalen Lebens wirklich? I love shoes gibt einen Überblick.

Die neuen Eames-Stühle passen perfekt zum staubfreien Plexiglas-Tisch, auf den das strahlende Sonnenlicht durch die deckenhohen Fenster fällt. Ein Moment, der via Smartphone festgehalten und mit den Instagram-Followern geteilt wird. Fitness-Blogger lassen – sobald der Sommer zaghaft an die Türen klopft – ihre Bauchmuskeln vor die Linse wandern. Und das perfekt angerichtete Lamm-Filet mit Granatapfelsoße findet ebenfalls einen Platz im Katalog der Good-Life-Gesellschaft. Damit wäre das Stichwort bereits gefallen: Instagram und andere Social-Media-Dienste sind vermeintlich zur visuellen Feier des Perfektionismus geworden.

In sozialen Netzwerken regiert größtenteils die geschönte Form der Wahrheit. Da werden Bilder häufig nachbearbeitet, Hautunreinheiten entfernt. Mit verschiedenen Apps kann man sich heute sogar um einige Kilos schlanker schummeln. Doch welchen Einfluss können mit Photoshop und Weichzeichner verfeinerte Bilder auf die Psyche haben?

Instagram und das Problem mit dem Selbstwertgefühl

Medizinischen Prognosen zufolge soll die Depression bis zum Jahr 2020 zur zweithäufigsten Krankheit heranwachsen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung erkrankt jeder Deutsche mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 20% einmal im Leben daran. Der Umgang mit sozialen Netzwerken wirke unter anderem durch den permanenten Vergleich des eigenen Lebens mit dem der anderen begünstigend für psychische Erkrankungen wie der Depression. Die abonnierten Nutzer scheinen fröhlicher, glücklicher, wohlhabender, schlanker, kurzum: einfach besser zu sein. Der andauernde Vergleich sorge daher für erhöhten Leidensdruck. Die Studie der britischen ’Royal Society for Public Health‘ (RSPH) kommt zu einem ernüchternden, aber durchaus schlüssigen Ergebnis: Social Media sind nicht gut für unsere Stimmung, allen voran Instagram. Vor allem Frauen seien betroffen, denn via Instagram wird immer wieder die Gleichung ’dünner = besser‘ postuliert. Essstörungen und das Gefühl, dem Druck nicht gerecht werden zu können, seien die Konsequenz.

Positive Mind, positive Vibes

Die Risiken und Nebenwirkungen von Instagram sind inzwischen auch unter den Influencern bekannt. Als Influencer werden all jene Instagram-Nutzer bezeichnet, die in ihrer thematischen Nische eine besonders hohe Reichweite erzielen und andere mit ihren Bildern beeinflussen können. Die Bezeichnung stammt daher auch von dem englischen Begriff ’to influence‘.

Aufgrund des neuen Bewusstseins für die negative Beeinflussung durch Instagram posten Fitness-Blogger auch Bilder, die beispielsweise einen optischen Vergleich zwischen realen Körpern und mit Bildbearbeitungsprogrammen rank und schlank gezauberten Taillen ziehen. Andernorts werden verletzte Gefühle durch zerstörte Beziehungen oder gar der Verlust von geliebten Menschen unter den Bildern thematisiert.

Instagram kann also durchaus auch eine positive Wirkung haben – ob durch emotionale Unterstützung oder durch den Austausch mit Gleichgesinnten. Im Zuge des virtuellen Dialogs stellen User zudem schnell fest, dass die Redewendung ’Es ist nicht alles Gold, was glänzt‘ auch auf Instagram zutrifft.

Daher stellt sich resümierend die Frage: Warum sollte es anders sein? Warum sollten sich Menschen weinend oder in wochenlang ungeputzten Wohnungen präsentieren? Warum sollten sie ihren morgendlichen Haferbrei nicht schön anrichten? Was ist falsch daran, sich die Welt ein bisschen schöner, ein bisschen perfekter und ein bisschen ansehnlicher zu machen?

Im Endeffekt ist es nur die eigene Wahrnehmung und die Einstellung zu Social Media ausschlaggebend. Erlebt man bearbeitete Bilder als schönen, wenn auch wenig authentischen Einblick, ist die Nutzererfahrung auch dann positiv, wenn man perfekt wirkenden Lifestyle-Bloggern oder Models folgt. Bemerkt man aber den Drang, sich selber dadurch abzuwerten, besteht ein grundlegendes Problem, das es zu ändern gilt. Die Sichtweise, die Interaktion und natürlich auch die abonnierten Nutzer entscheiden darüber, wie wohl man sich im Kosmos des Foto-Streams fühlt.

Wohlfühl-Sphäre Instagram

Wer sich also weniger mit der vermeintlichen Konkurrenz vergleichen und positivere Nutzungserfahrungen sammeln möchte, sollte sich bewusst darauf fokussieren, was er von sozialen Netzwerken erwartet und was diese bieten können. Ein erster Schritt: Rigoros die Follower-Liste aussortieren. Werden oberflächliche Model-Posts mit Product-Placement als störend empfunden, sollten diese beispielsweise durch Accounts von authentischeren Personen ersetzt werden.

Ebenfalls wohltuend: Die ’Body Positive‘-Kampagnen. Viele User berichten von erfolgreich bekämpften Essstörungen und ihren persönlichen Erfahrungen auf dem Weg zu mehr Selbstliebe. Außerdem gibt es inzwischen viele Accounts, die sich primär mit feministischen Themen und bekannten Alltagsproblemen auseinander setzen – häufig klug beschriftet und teilweise sehr gefühlvoll mit Zeichnungen oder Video-Statement untermauert.

Die Empfehlung von I love shoes lautet also: Wer Probleme mit sozialen Netzwerken hat, sollte seinen Account umstrukturieren und zu seinem persönlichen Wohlfühlort machen. Social Media sind im Grunde wie ein virtueller Treffpunkt – und im echten Leben suchen Sie schließlich auch keinen engen Kontakt zu Menschen, die Ihnen unsympathisch sind.

Wider dem unbefriedigenden Voyeurismus, für mehr Selbstwertgefühl und Ehrlichkeit!

Sarah Amadio / 18.04.2018 - 10:00 Uhr

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