Designer Outlet-Center Duisburg

Kein Outlet

In Duisburg wird kein Mega-Outlet gebaut. Die Projektgegner haben sich durchgesetzt. Und nun? Alles gut in Duisburg?

Der vergangene Sonntag war ein Tag der weitreichenden Weichenstellungen. Auf Bundesebene – und auch für die Stadt Duisburg. Hier konnten die Wahlberechtigten am 24. September gleich drei Kreuze auf ihren Stimmzetteln machen. Neben der Bundestagswahl stand auch die Abstimmung über einen neuen Oberbürgermeister und die Entscheidung über das geplante Designer Outlet-Center (DOC) an, die von den Projekt- Gegnern über ein Bürgerbegehren erzwungen worden war. Im Laufe des Abends entwickelte sich die Outlet-Frage zu einem wahren Wahlkrimi. Gegner und Befürworter trennten nur wenige Prozentpünktchen, für beide Seiten schien lange ein Sieg möglich. Erst tief in der Nacht um 2.40 Uhr gibt es für das Bündnis gegen das DOC Gewissheit. 51,09% der Bürger haben gegen das DOC gestimmt, 48,91% dafür. Damit steht fest: In Duisburg wird kein Mega-Outlet gebaut. Die Projektgegner haben sich durchgesetzt. Schon wieder. Bereits im vergangenen Jahr platzten nämlich bereits die Pläne für ein Outlet- Center im Norden der Stadt.

Mit der umkämpften Entscheidung geht ein monatelanger Streit in der Ruhrgebietsstadt zu Ende. Beide Seiten hatten intensiv und mit beachtlichem Aufwand um Stimmen geworben. Für die DOC-Gegner, die von zahlreichen Einzelhändlern unterstützt wurden, stand dabei die Zukunft der Duisburger Innenstadt auf dem Spiel. Ein Outlet auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs werde zu dramatischen Umsatzeinbrüchen des Einzelhandels und der Gastronomie in der City und in der Folge zu weiterem Leerstand und einer Verödung der Innenstadt führen, so die Warnung. Grundstückseigentümer Kurt Krieger und Outlet-Betreiber Neinver hielten dagegen und prognostizierten sogar positive Effekte für den lokalen Handel. Den Beweis für diese These werden sie schuldig bleiben müssen. Und nun? Alles gut in Duisburg? Mitnichten. Die Stadt ist auch nach dem Votum gegen das DOC von einer blühenden Zukunft weit entfernt. Wie in vielen anderen Innenstädten auch machen Leerstände und Frequenzrückgänge dem Handel zu schaffen. Hinzu kommen die problematischen Rahmenbedingungen in der ehemaligen Malocher-Stadt. Eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit wird hier flankiert durch eine einzelhandelsrelevante Kaufkraft, die deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Die Stadt ist maßlos überschuldet, die bevorstehende Fusion von Thyssen-Krupp und Tata und die Folgen für das Stahlwerk in Duisburg sorgen auch beim örtlichen Handel für neue Sorgenfalten. Schuhhändler Henrik Dismer liefert das richtige Fazit zur Outlet-Abstimmung: „Wir haben jetzt ein Problem weniger – mehr nicht.“
 

Michael Frantze / 25.09.2017 - 15:33 Uhr

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