Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: ComMITment

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Wenn man die Situation unserer Branche allein an der Anzahl ihrer Order- und Informationsveranstaltungen messen würde, könnte man zu dem Schluss kommen, es gehe allen Akteuren geradezu fabelhaft.

Während der gesamten Orderrunde finden quer durch die Republik und auch international diverse Messen statt, auf denen Händler Kollektionen sichten und ordern können. Es gibt kleine, regionale Events, Tourneen, größere Messen, frühe Ordertermine und späte. Würde man an all diesen Veranstaltungen teilnehmen, wäre man als Händler oder Einkäufer mehrere Wochen on Tour und damit nicht im Geschäft bzw. Unternehmen. Handelsvertreter können davon ein Lied singen: Sie sind am Ende der Ordersaison rechtschaffen „durch“. 

Während es auf jedem Meeting und in jedem Vortrag heißt, gerade in Zeiten des zunehmenden Drucks müsse man sich auf das Wesentliche konzentrieren, scheint speziell mit Blick auf die Messen unseres Business nicht weniger mehr zu sein – sondern mehr weniger. Die Branchenkenner, die unsere Redaktion vor Kurzem zum Roundtable-Gespräch nach Düsseldorf bat, beklagen diese Situation. Immer kleinteiliger wird das Messegeschehen, immer individueller die Veranstaltungen, während man den roten Faden, das große Ganze nur mit Mühe im Auge behalten kann.

Der Appell der Roundtable-Teilnehmer war daher eindeutig: Man wünscht sich eine übergreifendePlattform für die deutsche Schuhbranche. Dazu eine  frühe Informationsmöglichkeit, gern in Berlin. Und zur Abrundung der Saison eine Ordermöglichkeit, zum Beispiel in München. Die Micam wird als internationales oder gar globales Event sehr wohl akzeptiert und geschätzt. Darüber hinaus aber, so der Wunsch, müsse es noch ein zentrales, verbundgruppen-unabhängiges Event in Deutschland geben. 

Wenn das so sein soll, dann müssen alle mitziehen. Dann braucht es das Commitment der Lieferanten, die dort ausstellen, um ihre Kollektionen zu zeigen und in den Dialog mit Kunden – und solchen, die es werden sollen – zu treten. Und zugleich braucht es ein deutlich vernehmbares „Ja“ von den Händlern, die sich auf den Weg zur Veranstaltung machen, auch wenn das zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeutet. 

Wer zuhause bleibt, unterstützt eine übergreifende Plattform nicht. Eine Messe, das ist nicht allein der Veranstalter, der sie organisiert. Das sind auch diejenigen, die hingehen, sie nutzen und weiterentwickeln, um sie vital zu halten. Und das sind wir alle.

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Laura Klesper / 10.12.2019 - 09:17 Uhr

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