Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: EinsaMKeit

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Am 26. November ging ein Donnergrollen durch die Branche. Aus Hamburg kam die Meldung, die Schuhhaus Kay GmbH & Co. KG* gehe in die eigenverwaltete Insolvenz.

Neuer Geschäftsführer ist Steffen Liebich, inzwischen gut bekannt als harter Sanierer, der bereits Filialisten wie Leiser und Anika zu seinem Portfolio zählt. Wenige Stunden später meldete am selben Tag der Darmstädter Schuhhändler Dielmann, man werde die Doppelspitze der Geschäftsführung mit einem weiteren Manager verstärken, um nicht nur „gegenwärtige Problemsituationen zu bewältigen“, sondern das Unternehmen auch so aufzustellen, dass es weiterhin erfolgreich im Markt bestehen kann.

Die Ereignisse überschlugen sich an diesem Tag. Das große Interesse unserer Leser fand Ausdruck in sprunghaft ansteigenden Klickraten. Viele riefen unsere Redaktion an, um mehr zu erfahren. Allerorten war große Sorge spürbar. Sicher, man hatte manches kommen sehen; die Gerüchteküche brodelte schon seit längerem. Dass es nun konkrete Nachrichten – und konkrete Namen – gab, beendete manche wilde Spekulation. Zur Beruhigung trug es indes nicht bei. Zwei große Filialisten, zwei Unternehmen des MK-Kreises, zwei Flaggschiffe des deutschen Schuhfachhandels stehen vor großen Herausforderungen. Damit sind sie nicht allein.

Gerade größere Filialunternehmen in unserer Branche tun sich schwer in den letzten Jahren. Es scheint einsam um sie zu werden. Eine (zu) schnelle Expansion und damit einhergehend belastende Mietverträge in Lagen, die weit weniger Frequenz bringen als erwartet, Investitionsstau, Filialen ohne Emotionen, ein vielfach austauschbares Sortiment ohne kreative Handschrift, keine ausgereifte Online-Strategie. Mehr noch: zu behäbige Strukturen, zu wenig Flexibilität – und zu lange die Haltung, dass man einfach so weitermachen könne wie bisher. Schließlich dann die fehlende Kraft und Kreativität, um die eingeschlagene Richtung zu korrigieren.

Bei der Schuhhaus Kay GmbH & Co. KG* werden nun andere als die bisherigen Protagonisten das Zepter übernehmen. Es dürften schmerzhafte Einschnitte bevorstehen; das Ergebnis kann jedoch ein Schuhfilialist sein, der zukunftsfähig aufgestellt ist. Auch bei Dielmann ist nun externe Expertise mit an Bord, um den Händler nachhaltig auf Kurs zu bringen. Beide Unternehmen werden sich in den kommenden Monaten verändern. Andere werden ihnen wahrscheinlich folgen. Die gesamte Branche wird nicht bleiben, wie sie ist. Spätestens jetzt dürfte daran keiner mehr zweifeln. 

*Anmerkung der Redaktion: Die KG Schuhkay GmbH & Co. (neue Marke Schuhkay 1882) ist von der Insolvenz nicht betroffen.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Laura Klesper / 04.12.2019 - 09:37 Uhr

Weitere Nachrichten