Kommentar

Kommentar von Petra Steinke: Veränderung

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Sie besitzen recht viele Schuhe. Und erwerben auch gern neue. Sie legen Wert auf Marken, sind zugleich aber preisbewusst und haben eine klar umrissene „Obergrenze“ für ein Paar Schuhe im Kopf: die modernen Kundinnen. 

Die Frauen, die wir für unser Special Damenschuhe interviewt haben, sind wahrscheinlich typische, um nicht zu sagen durchschnittliche Kundinnen. Sie mögen Schuhe, kaufen Schuhe, tragen sie gern und schätzen sie. An der Einstellung zum Produkt Schuh hat sich quer durch die Altersgruppen nicht viel geändert. Schuhe sind auch heute ein beliebtes Accessoire. Was sich im Laufe der Jahre verändert hat, ist die Art der begehrten Modelle. Für unsere Gesprächspartnerinnen steht die Bequemlichkeit im Vordergrund. Und diese findet naturgemäß Ausdruck in flachen Sohlen – und damit in Sneakern. Ein Blick auf die Füße von Passantinnen genügt: Sneaker zum Hosenanzug, zum Kleid, zum Rock. Casualisierung ist nicht einfach ein Trend. Sie ist das Megathema unserer Zeit. Und es ist schwer vorstellbar, dass es davon einen Weg zurück gibt. Um das einzuschätzen, müssen wir nur auf unsere eigenen Vorlieben achten. Wann wurden zuletzt High Heels getragen? Stimmt. Lange her. Verändert hat sich auch – das spürt jeder Händler Tag für Tag – der Ort, an dem Schuhe gekauft werden. Schon auch stationär. Aber nicht mehr zwingend. Das Internet ist nicht nur Shop, sondern längst auch Inspirationsquelle. Man stöbert und sucht, vergleicht, trifft eine Vorauswahl. Wo gekauft wird, hängt von der Stimmung ab, von der Tagesplanung, vom Wetter. Das kann die Großbestellung sein, bei der dann die Hälfte der Ware nach dem Anprobieren im Wohnzimmer ohne weiteres Nachdenken zurückgeschickt wird. Es kann auch die kleine feine Boutique in der Innenstadt sein, das Schuhhaus, das Warenhaus. Kann. Muss aber nicht. Auch in dieser Hinsicht gibt es keinen Exit. Keinen Weg zurück. Wer heute von einer erwarteten Revitalisierung der Innenstädte spricht, bringt in weiten Teilen vor allem auch einen Wunsch zum Ausdruck. Es gibt eine echte Chance für kleine, feine Geschäfte, die ihr Angebot, ihr Engagement, ihren Service zu 100% auf ihre Kunden und Kundinnen ausrichten. Es gibt Möglichkeiten für Spezialisten. Das heißt aber auch, für viele andere gibt es diese nicht. Die Leerstände in unseren Innenstädten sprechen eine deutliche Sprache. Die Unternehmen, die in dieser Ausgabe vorgestellt werden, haben ihren Platz gefunden. Mutig äußern sich die Unternehmerinnen des Mülheimer Schuhhauses Oberhösel: Sie seien Spezialisten und hätten damit gute Karten. Punkt. Ähnliches berichten die Klever Händler Nina und Sebastian Kiesow: Alle Kraft werde in den stationären Handel gesteckt. Jeden Tag. Die Zukunft gehört Unternehmen wie diesen. Aller Veränderung zum Trotz.

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Laura Klesper / 14.08.2019 - 09:20 Uhr

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