Marco Dionisio: Visuelle Verführung

Welche Auswirkungen hat der Online-Boom auf den Ladenbau? Marco Dionisio liefert Antworten im Gespräch mit schuhkurier.

Marco Dionisio ist Inhaber der Dioma AG mit Niederlassungen in Bern und Zürich. Der Schweizer gilt international als Visual Merchandising-Guru und hat neben vielen weiteren auch die neue Schuh- und Accessoires-Abteilung ’The Loft‘ im Berliner KaDeWe konzipiert. Marco Dionisio steht für einen emotionalen Ladenbau, in dem die Bedürfnisse des Kunden im Mittelpunkt stehen. Zudem setzt er auf "Curated Merchandising". Im Gespräch mit schuhkurier erläutert er seine Philosophie.

 


schuhkurier: Herr Dionisio, Sie sagen, der Kunde „will wieder König am POS sein“. Wie würden Sie seine Rolle aktuell beschreiben? 

Marco Dionisio: Heute wird von allen Seiten um den Kunden gebuhlt. Der Konsument steht dabei zwar im Mittelpunkt, fühlt sich aber durch das Überangebot im Einzelhandel völlig überfordert. Was ihm fehlt, ist die Aufmerksamkeit, die Konversation, die richtig getroffene Auswahl der Waren – und zwar nicht einfach mehr von allem, sondern das Richtige für ihn. Und zwischendurch einfach mal ein ehrliches und sympathisches Lächeln.

sk: Was bedeutet ’Curated Merchandising‘?

M.D.: Curated Merchandising ist die neue Art Produkte und Looks so zu präsentieren, dass man durch die gekonnt ausgewählte Selektion animiert wird, sich plötzlich auch für andere Waren zu interessieren. Es ist eine Präsentationsform, welche sehr maßgeschneidert und individuell auf die Kunden zugeschnitten wurde. Die Produkte stehen nicht nur isoliert da, sondern sie erzählen in der Kombination eine Geschichte – eine Story von der man sich angezogen fühlt.

sk: Funktioniert das Konzept auch im Schuhhandel?

M.D.: Natürlich kann man diese Präsentationsform in allen Bereichen einsetzen: Ob Lebensmittel, Drogerie/Parfumerie, Warenhaus, Home/Living oder eben auch im Bereich Schuhe. Das Wichtige dabei  ist, dass man seine Kunden kennt, sie versteht und ihnen immer etwas Neues bieten möchte. Die Basis bildet ein Einkauf, bei dem der Geschmack und die Innovation im Anforderungsprofil ganz oben stehen – denn es geht sehr gezielt um die visuelle Verführung.



sk: Welche Auswirkungen hat der Online-Boom auf den Ladenbau? Wie kann der Handel reagieren? Verändern sich die Anforderungen an die Gestaltung der Läden? 

M.D.: Der Handel musste schon immer reagieren – musste sich immer wieder auf neue Situationen einstellen. Nun ist mit dem online/offline Shopping eine neue Ära im Anmarsch. Diese wird uns mit Bestimmtheit täglich beschäftigen.  Ich bin jedoch überzeugt, dass man seine heutigen Stärken noch feinfühliger, noch persönlicher und überzeugender umsetzen muss. Die Konversation und die Beziehung spielen dabei eine wichtige Rolle, damit sich der Kunde nicht nur verstanden, sondern so richtig wohl fühlt – dann ist er auch endlich wieder König! Die zum Unternehmen passende Technik am POS ist dann einfach noch das Tüpfchen auf dem ’i‘. 

sk: Welche Mega-Trends gibt es derzeit im Ladenbau?

M.D.: Die Mega-Trends im Ladenbau sind meiner Ansicht nach zunächst die Klarheit in der Struktur. Zudem wird auf die Emotionalisierung durch angenehme Materialien und Farbtöne gesetzt. Für Spannung auf den Flächen wird zudem durch eine neue Formensprache gesorgt, aber vor allem auch durch das Einbringen von Ideen, welche den Entdeckergeist der Konsumenten stillen – und dies täglich immer wieder von Neuem.

Redaktion / 19.10.2017 - 15:25 Uhr

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