Marktgespräch Lederwaren: BSCI und IVN im Fokus

Rund 20 Teilnehmer aus Handel, Industrie und Verbänden tauschten sich beim 5. Marktgespräch Lederwaren am 27. Mai in Offenbach über soziale und ökologische Anforderungen an die Produktion sowie die entsprechenden Siegel aus.

Damit wurde der im vergangenen Jahr gestartete Dialog fortgesetzt - ganz im Sinne nachhaltigen Handels.

In seinem Impulsreferat informierte Jan A. Eggert, Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE), über die Business Social Compliance Initiative (BSCI). Über 1.300 Mitglieder, davon 550 aus Deutschland, haben den ihr zu Grunde liegenden Verhaltenskodex unterschrieben. Sie erkennen definierte soziale Kriterien an und verpflichten sich, innerhalb von drei Jahren zwei Drittel ihrer Produktionsstätten bzw. Lieferanten in Risikoländern, wie z.B. Bangladesch, in einen Verbesserungsprozess einzubinden.

 

BSCI will Bewusstseinswandel fördern

 

Hauptprobleme in der Praxis seien Verstöße gegen die Arbeitszeit und eine nicht dem Gesetz entsprechende Bezahlung der Mitarbeiter, so Eggert. In den letzten Jahren habe man die Erfahrung gemacht, dass Audits und Zertifizierungen alleine nicht ausreichen. Die BSCI veranstaltet daher eine Reihe an Workshops in den Lieferländern, um dort einen Bewusstseinswandel zu fördern. "Es geht nur, wenn die Fabrikbesitzer auch wirklich wollen." Ebenso wichtig sei der Dialog mit NGOs, der Politik sowie Medien und Verbrauchern hierzulande.

Der Einsturz der Textilproduktionsstätte Rana Plaza und die damit verbundene Diskussion im vergangenen Jahr habe laut Eggert "Klarheit" geschaffen, dass in manchen Ländern eine Produktion nach europäischen Standards nicht so schnell aufzubauen ist wie sich Interessenvertretungen und Medien manchmal wünschten. Zudem stelle sich die Frage: "Wofür müssen wir Verantwortung übernehmen?" Ab einem bestimmten Punkt liege die Verantwortung auch in den Händen des jeweiligen Staates.

Nicht nur mit sozialen, sondern auch mit ökologischen Anforderungen an die Produktion setzt sich der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) auseinander. Janina Ocvirk ist im Verband aktiv und stellte dessen Aktivitäten vor. Der Verband vergibt die beiden Qualitätszeichen "Naturtextil IVN zertifiziert BEST" und "Naturleder IVN zertifiziert" sowie den "Global Organic Textile Standard". Seit kurzem gibt es zudem eine Spezifikation für Schuhe.

Die Diskussion zeigte die Komplexität des Themas deutlich auf. Wenn sich schon Experten leidenschaftlich über Nachweisgrenzen von Chrom VI und die Definition chromfreien Leders auseinander setzten, wie schwer sei es dann erst für die Mitarbeiter im Lederwarenfachhandel, ihre Kunden kompetent zu beraten, fragte sich Assima-Geschäftsführer Siegfried Despineux. Beklagt wurde zudem die inzwischen äußerst unübersichtliche Situation der Siegel-Landschaft. "Der Kunde wird mit Labels überfrachtet", so Holger Stappen (Galeria Kaufhof).

Eine ausführliche Berichterstattung finden Sie in der Juni-Ausgabe von Lederwaren Report.

Tobias Kurtz / 27.05.2014 - 17:48 Uhr

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