Dominanz von Amazon

Marktmacht

Amazon ist eine Umsatzmaschine, die vor Kraft strotzend alle anderen Plattformen an den Rand drängt.

Amazon verändert die Art und Weise, wie eingekauft wird. Das dürfte bereits jeder geahnt haben. Wie groß der Einfluss des US-Unternehmens auf das Einkaufsverhalten mittlerweile tatsächlich geworden ist, zeigt nun eine neue Studie des Beratungsunternehmens PwC. Die Kernaussagen: Neun von zehn Deutschen bestellen bei Amazon. Knapp die Hälfte der deutschen Onlinekäufer starten ihre Produktsuche nicht auf Google, sondern direkt auf der Amazon-Plattform. Und mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, dass sie durch den Einkauf bei Amazon seltener im stationären Einzelhandel einkaufen. Das sitzt. So sieht Marktmacht aus.

Wirklich überraschend kommen diese Erkenntnisse allerdings nicht. Der Handel spürt das Wachstum des Onlinehandels schließlich schon seit Jahren. Und doch unterstreicht die Studie eindrucksvoll die Ausnahmestellung von Gigant Amazon. Das US-Unternehmen wächst und wächst. Amazon ist eine Umsatzmaschine, die vor Kraft strotzend alle anderen Plattformen an den Rand drängt – oder in die Bedeutungslosigkeit. Experten warnen seit Jahren, dass sich die Plattform in Richtung Monopol entwickelt. Bis es so weit ist, dürfte es nicht mehr lange dauern. Das Rennen ist gelaufen. Das glaubt auch Dr. Eva Stüber vom Institut für Handelsforschung in Köln. Neben Amazon bleibe in den meisten Kategorien langfristig Platz für ein bis zwei weitere Anbieter, so die Expertin im Gespräch mit schuhkurier. Der Wettlauf um diese Plätze ist im vollen Gange. Gute Chancen hat dabei im Modesegment Zalando. Im Wettstreit um Umsatzanteile scheuen die Berliner offenbar nicht davor zurück, Elemente aus der Erfolgsstrategie von Amazon zu adaptieren. So startet in Kürze das neue Kundenbindungsprogramm Zet, das stark an die Prime-Mitgliedschaft erinnert. Für einen Jahresbeitrag von zunächst 19 Euro erhalten Kunden exklusive Vorteile wie kürzere Lieferzeiten und einen früheren Zugang zu Verkaufsaktionen. Dem stationären Handel sollte jedoch vor allem ein weiterer Baustein von Zalando Zet zu denken geben: die persönliche Style-Beratung. Per Telefon oder Facebook-Chat sollen den Kunden künftig Berater für alle Fragen rund um Mode und Trends zur Verfügung stehen. Das Zet-Programm und die persönliche Ansprache ist damit ein weiterer Baustein im Vorhaben von Zalando, einen Nachteil gegenüber dem stationären Handel auszugleichen: die fehlende emotionale Komponente. Für den stationären Handel wird der Handlungsspielraum immer kleiner.

Helge Neumann / 19.07.2017 - 10:11 Uhr

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