Kommentar von Helge Neumann

Modehandelskongress: Die Abrechnung von C&A-Chef Alain Caparros

Helge Neumann
Helge Neumann

Finale furioso. C&A-Chef Alain Caparros nutzte den Modehandelskongress zu einer knackigen Abrechnung mit der Fashionbranche.

Save the best for last. Auf dem diesjährigen Modehandelskongress ging dieses Rezept definitiv auf. Alain Caparros nutzte das Spitzentreffen des deutschen Modehandels zu einem knackigen Rundumschlag. Finale furioso. Dabei startete der C&A-Boss mit einem Bekenntnis: Vor rund zehn Tagen habe er nach einem Herzinfarkt noch im Krankenhaus gelegen. Nun stand der charismatische Franzose jedoch in Düsseldorf auf der Bühne – und sparte nicht mit Kritik. Viele Spitzenmanager in der Fashionbranche seien nicht Teil der Lösung, sondern eher Teil des Problems. Zudem hätten sie den Angriff der Discounter „verpennt“. Und wie, so fragte Caparros in den Saal, könne es sein, dass Aldi und Lidl mittlerweile signifikante Marktanteile gewonnen hätten: „Wo bleibt Ihr Ehrgeiz?“  Im Übrigen stehe dem Modehandel noch eine brutale Marktbereinigung bevor. Zu guter Letzt bekamen auch die Unternehmensberater, die in nicht unerheblicher Anzahl im Publikum saßen, ihr Fett weg. Sie seien „professionelle Angstmacher“ und Betreiber von „Therapiezentren für Manager, die keine Visionen haben“. So viel Offenheit und Angriffslust bei einem Branchentreffen ist selten. Doch Alain Caparros gefällt sich in der Rolle des unkonventionellen Querdenkers, der den Finger in die Wunde legt. Dabei steht auch er selbst vor einer Mammutaufgabe. Er soll den Koloss C&A zukunftsfähig machen. Bis Sommer 2020 werde er sich dieser Herausforderung mit aller Kraft stellen, so Caparros auf dem Modehandelskongress. Dann sei Schluss. „Meine Festplatte ist voll.“

Bereits vor dem Auftritt des launigen Franzosen hatte der Modehandelskongress viel zu bieten. Leidenschaftlich wurde argumentiert und gestritten. So etwa von Dr. Marc Schumacher von Liganova für eine vielversprechende Zukunft stationärer Handelsflächen – wenn diese anders gestaltet und genutzt werden. Und von Karstadt-Einkaufschefin Claudia Reinery für mehr Kreativität und Mut in Sortimentszusammenstellung und Marketing jenseits platter Rabattaktionen: „Wenn der Preis alles andere dominiert, führen wir uns selbst ad absurdum.“
Bemerkenswert auch der Auftritt von Mark Rauschen von L&T. Erst im Frühjahr hat der Osnabrücker Platzhirsch ein neues Sporthaus eröffnet. Ein Millionen-Investment inklusive ’Hasewelle‘, einer stehenden Welle, die Surfen mitten im Kaufhaus ermöglicht. „Angesichts der aktuellen Lage im Handel gibt es wie im Tierreich drei Optionen: Flucht, tot stellen und Angriff. Am gefährlichsten ist das Totstellen, einfach so weiter zu machen, als habe sich nichts in der Branche verändert“, so Rauschen. Auch angesichts dieser Aussage ist es  bedauerlich, dass das Interesse aus der Schuhbranche an Veranstaltungen wie dem Modehandelskongress quasi nicht existent ist. Genau drei Personen nutzen in diesem Jahr die Gelegenheit, um sich zu informieren und zu vernetzen. Drei. Das kommt einem Offenbarungseid einer Branche gleich, der es in weiten Teilen weiterhin schwer fällt, sich zu bewegen.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Helge Neumann / 13.11.2018 - 09:21 Uhr

Weitere Nachrichten