Religion in der Mode

Modest Fashion: Verhüllen ist Trend!

Modest Fashion: Religiöse Bekleidung als Mode-Trend. (Foto: Unsplash)
Modest Fashion: Religiöse Bekleidung als Mode-Trend. (Foto: Unsplash)

Schleier als modisches Statement? Weite Capes aus natürlichen Materialien in gedeckten Farben auf den Catwalks der Fashionweeks? Was früher vielleicht skurril gewirkt hätte, ist unter dem Stichwort ’Modest fashion‘ zum Trend avanciert.

In der Vogue wurde Trendforscherin Li Edelkoort bereits zum Einfluss von religiöser Symbolik in der Mode interviewt. Die Zeit schrieb kürzlich über ’Modest Fashion‘. Der Begriff bezeichnet verhüllende Outfits, die sich aus religiösen Bekleidungsregeln ergeben.

Besonders weit fallende Tuniken und Kleider, lange Röcke und hochgeschlossene Blusen finden jetzt längst nicht mehr nur in der muslimischen, orthodoxen und jüdischen Gemeinde ihre Fans. Inzwischen weiß die Modewelt den Komfort der weiten, bescheiden wirkenden Kleidung und ihre subtile Eleganz zu schätzen. Die Motivation, zu der sogenannten ’Modest Fashion‘ zu greifen steht inzwischen häufig losgelöst von religiösen Motiven. Auf der anderen Seite wird der Wunsch nach verhüllender Kleidung als Ausdruck moderner Bedürfnisse gewertet. In der Welt von heute fehlt Beständigkeit, die Gesellschaft besinne sich daher auf traditionelle Werte.

Die Niederländerin Li Edelkoort hat den neuen Trend bereits umfassend analysiert und führt die Suche nach religiösen Momenten in der Mode auf den Zustand der Gesellschaft zurück. Diese fühle sich derzeit nämlich verlassen, nahezu geprügelt und in einem permanenten Spannungsverhältnis – so erklärte sie im Eröffnungsplädoyer ihres Trendseminars. Trost, die Suche nach Halt und Erfüllung in einer zerrütteten Welt seien dementsprechend die Hauptmotivation, um zu spiritueller Mode zu greifen.

Besonders fragwürdig erscheint hierzulande noch der Kurzschleier, welcher ebenfalls mit der ’Modest Fashion‘ in Verbindung gebracht wird. Er nennt sich ’Hijab‘ und stehe in der westlichen Welt sinnbildlich für die Unterdrückung muslimischer Frauen. Eine Ansicht, die aber inzwischen überholt scheint – so titelte beispielsweise der Südwestrundfunk ’Der Hijab – kein Zeichen der Unterdrückung‘.

Das Kopftuch als modisches Statement wird bereits seit einigen Jahren von muslimischen Bloggerinnen modern und selbstbewusst inszeniert. Die Cosmopolitan berichtete dazu im Jahr 2015, dass beispielsweise die Bloggerin Indah Nada Puspita versuche, die traditionelle, religiöse Kleidung mit westlichen Fashion-Trends zu vereinen. Jetzt, drei Jahre später, scheint die schlichte Kleidung selbst zum Trend geworden zu sein.

Während auf der einen Seite natürliche Materialien, weite Schnitte und Erd-Nuancen ein Zeichen für Zurückhaltung und Achtsamkeit darstellen, steht auf der anderen Seite prächtiger Schmuck, der beispielsweise aus dem Voodoo-Kult und den dazu gehörigen Zeremonien abgeleitet wird. In dem Li-Edelkoort-Interview mit der Vogue heißt es dazu: „Daraus mitnehmen lassen sich für die Herbst/Winter-Saison 2019/20 fantasievolle, fast karnevaleske Looks mit Bestickungen, Pompons, Fransen und vielen weiteren verrückten dekorativen Details.“

Ebenso prunkvoll und üppig verziert präsentieren sich Gewänder, die von ihren Silhouetten her an das Papsttum erinnern. Purpur werde dementsprechend zu einer der wichtigsten Farben. Darüber hinaus sollen zukünftig Capes, seidig fließende Materialien, weite Umhänge und Ponchos zu den Key-Pieces dieser Strömung zählen.

 
Sarah Amadio / 30.01.2019 - 13:27 Uhr

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