Kommentar von Helge Neumann

Navyboot: Am Ende

Helge Neumann
Helge Neumann

Philippe Gaydoul ist gescheitert. Der Verkauf von Navyboot ist das Ende eines Missverständnisses.

Das Ende eines Missverständnisses. Eines Ausflugs in die Modewelt, der viel Geld gekostet hat. Und Nerven. Philippe Gaydoul hat die Reißleine gezogen und Navyboot an die Globus AG verkauft. Am Ende waren es wohl einige Franken zu viel, die die Holding von Gaydoul und seiner Mutter Denise Schweri-Gaydoul zum Ausgleich anhaltender Verluste zuschießen mussten. Eine nachhaltige Trendwende war offenbar nicht in Sicht. Trotz aller Bemühungen. Man werde sich künftig auf die Bereiche Asset Management und Immobilien konzentrieren, heißt es in der Mitteilung der Gaydoul-Holding zum Verkauf von Navyboot. 

Das hatte sich der smarte Schweizer sicher ganz anders vorgestellt, als er das Unternehmen vor zehn Jahren für viel Geld – im Raum steht ein Kaufpreis von rund 100 Mio. Schweizer Franken – übernahm. Nach dem Verkauf der Aktienmehrheit am Lebensmittelhändlers Denner verfügte die Familie Gaydoul- Schweri über ein Milliarden-Vermögen. Die Wahl von Philippe Gaydoul fiel auf den Modesektor. Auf die Übernahme von Navyboot folgte der Kauf der Strumpfmarke Fogal und des Fashionlabels Jet Set. Von den ambitionierten Plänen ist heute nicht mehr viel übrig geblieben, glücklich dürfte Gaydoul keines dieser Investments gemacht haben. Fogal ist insolvent, Navyboot verkauft und auch der Verkauf der Anteile an Jet Set ist wohl nur noch eine Frage der Zeit sein.

Philippe Gaydoul ist letztlich an einer Mischung aus widrigen äußeren Umständen, mangelnder Weitsicht und unglücklichen Personalentscheidungen gescheitert. So war zum Zeitpunkt der Übernahme von Navyboot die Welt des stationären Handels noch weitgehend in Takt. Welche massiven Auswirkungen der Onlinehandel auf die Branche haben würde, haben damals nur wenige erkannt. Die Präsentation des ersten Iphones durch Steve Jobs lag nur ein knappes Jahr zurück, die Gründer von Zalando versendeten ihre Schuhe noch aus dunklen Berliner Kellerräumen. Zudem sorgte der so genannte ’Frankenschock‘, die Freigabe des Referenzkurses des Franken zum Euro durch die Schweizer Nationalbank Anfang 2015, für Verwerfungen auf dem Heimatmarkt. Ein Jahr später setzte Gaydoul auf Marcus Meyer. Der ehemalige Geox-Manager sollte Navyboot auf Kurs bringen. Fünf Monate nach der offiziellen Vorstellung war Meyer aus familiären Gründen wieder weg. Das war bitter. Vor diesem Hintergrund hieß es für Philippe Gaydoul nun: ’Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

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Michael Frantze / 28.08.2018 - 07:54 Uhr

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