Interview mit Markus Ense

Aldo im Anmarsch

Markus Ense, Vice President & General Manager Europe bei der Aldo Group (Foto: Aldo)

Das kanadische Schuhhandelsunternehmen Aldo will international wachsen. Auch in Deutschland. Verantwortlich für die Expansion ist Markus Ense. schuhkurier sprach mit dem 50-Jährigen über die Pläne.

Wo steht Aldo in Europa heute?  

Mitte des vergangenen Jahres haben wir mit dem Aufbau der Europa-Zentrale der Aldo-Group in der Schweiz begonnen. Heute beschäftigen wir 70 Mitarbeiter am Standort Baar und haben hier auch Showrooms für unsere Marken Aldo und Call It Spring eingerichtet, in dem wir unsere Kollektionen präsentieren. Von der Schweiz aus werden wir künftig unsere Aktivitäten in Europa steuern und unseren Partnern bei allen Fragen in der gleichen Zeitzone zur Seite stehen. Das ist von Kanada aus so nicht zu leisten. Ende des Jahres ist die Aufbauphase komplett abgeschlossen. Anschließend widmen wir uns der Expansion.

In welchen Segmenten will Aldo wachsen?  

Wir unterscheiden zwischen vier Kanälen: Stores in Eigenregie, Franchise-Stores, Wholesale und E-Commerce, zu dem sowohl eigene Onlineshops als auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern gehören. Für unsere beiden Marken Aldo und Call it Spring sehen wir in allen vier Bereichen noch viel Luft nach oben. Es gibt viele Regionen in Europa, in denen wir aus unserer Sicht ungenügend vertreten sind.

Gehört Deutschland auch zu diesen Ländern?  

Ja, absolut. Zusammen mit Österreich und der Schweiz genießt Deutschland in unseren Plänen Priorität. Aktuell sind unsere Schuhe hierzulande nur online über Zalando und About You erhältlich. Das wollen wir ändern.

Was heißt das konkret?  

Wir prüfen derzeit die Möglichkeit eines Markteintritts in allen vier Kanälen. Ein Fokus wird auf dem Aufbau von Wholesale-Partnerschaften liegen. Aber wir denken auch intensiv über eigene sowie Franchise-Stores nach. Wir planen, in der zweiten Jahreshälfte 2018 bereits sichtbarer zu sein als heute.

Der deutsche Markt gilt im internationalen Vergleich als besonders kompetitiv. Was macht Sie zuversichtlich, dass dennoch Platz für Aldo und Call it Spring ist?  

Wir wissen, dass unsere Marken funktionieren. In Europa betreiben wir ca. 300 Stores, davon 80% mit Franchise-Partnern. Schwerpunkte sind Großbritannien, Italien, Portugal und Israel. Diese Geschäfte helfen uns sehr bei der Planung der Expansion. Wir starten nicht bei Null, sondern verfügen über umfangreiche Erfahrungen, auf denen wir aufbauen können. Zudem sind wir auch in Deutschland bereits erfolgreich. Mit den Ergebnissen unserer Zusammenarbeit mit About You und Zalando sind wir außerordentlich zufrieden. Diese Erfolge wollen wir skalieren. Natürlich wissen wir, dass Deutschland als schwieriger Markt gilt. Davor haben wir durchaus Respekt. Zugleich ist Deutschland aber auch besonders reizvoll. 

Auch andere internationale Marken haben in der Vergangenheit versucht, in Deutschland Fuß zu fassen. Oftmals waren diese Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Was macht Aldo anders?  

 Der weltweite Erfolg der Aldo-Gruppe beruht wesentlich auf der Fähigkeit, Fashion-Trends innerhalb kürzester Zeit zu identifizieren und in kommerziellen Preislagen umzusetzen. Wir verbinden einen hohen Modegrad mit einem sehr guten Preis/Leistungsverhältnis. Diese Kompetenz ist ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil. Auch in Deutschland sehe ich für uns einen Platz im Markt, der derzeit nicht besetzt ist. Im Übrigen kommt uns dabei zugute, dass sich die Aldo-Group im Besitz der Familie Bensadoun befindet. Anders als vielleicht andere Akteure gehen wir neue Märkte mit einem langen Atem an. Das gilt auch für Deutschland. So können wir zum Beispiel in den kommenden Monaten in Ruhe und ohne Druck von außen Partnerschaften mit Wholesale-Kunden aufbauen, die für beide Seiten erfolgversprechend und auf Langfristigkeit ausgelegt sind.

Was können Sie Ihren Partnern bieten?  

Zukünftigen Wholesale-Partnern in erster Linie die Möglichkeit, sich mit frischen Marken vom Wettbewerb zu differenzieren. Pro Jahr entwickeln wir sechs Kollektionen, so dass wir regelmäßig neue Warenbilder anbieten. In den Gesprächen, die wir bislang geführt haben, wurde dieses Angebot sehr positiv bewertet. In der aktuellen Marktsituation ist es wichtiger denn je, sich durch ein unverwechselbares Angebot vom Wettbewerb abzusetzen. Franchise-Partnern bieten wir ein weltweit sehr erfolgreiches Store-Concept mit einem intensiven Unterstützungsmodel für alle Einkaufs- und Sortimentscheidungen.

Was unterscheidet Aldo und Call it Spring?  

Im Rahmen einer umfangreichen Konsumentenbefragung  in Europa haben wir erfahren, dass die Ziel-Konsumentin von Aldo bis zu 14 Paar Schuhe im Jahr kauft. Daraus folgt zum einen, dass wir kommerzielle Preise bieten müssen. Diese liegen bei Aldo im Schwerpunkt zwischen 90 und 100 Euro empfohlener VK-Preise. Und zum anderen benötigen wir ein hohes Maß an Innovation in der Kollektion, um immer wieder neue Kaufanreize setzen zu können. Die Zielgruppe von Call it Spring ist im Vergleich jünger und kauft weniger Paar Schuhe im Jahr. Der Modegrad ist entsprechend etwas geringer. Hier kommen auch verstärkt synthetische Materialien zum Einsatz, so dass sich die Preise rund um 60 Euro empfohlener VK-Preis bewegen. Für beide Brands sehe ich großes Potenzial in Deutschland.

Wie bewerten Sie die Lage des Schuhhandels in Deutschland generell?  

Der Markt steht unter Druck. Das veränderte Konsumentenverhalten hat massive Auswirkungen. Dazu gehört auch, dass die Funktion der stationären Geschäfte überdacht werden muss. Viele Händler stehen vor der Herausforderung, trotz sinkender Frequenz weiterhin kostendeckende Umsätze erzielen zu müssen. Zumal die Mieten bislang meist nicht an den Rückgang der Frequenz angepasst wurden. Es wird weiter Handel geben – aber er wird anders aussehen als in der Vergangenheit. Für viele Händler werden diese Veränderungen eine Herausforderung werden. Es ist das Ziel der Aldo-Gruppe, unseren Konsumenten auf allen Kanälen ein gleichbleibendes Einkaufserlebnis zu bieten. Im Kern steht für uns dabei immer die Frage: Was ist für meinen Konsumenten relevant? Die Konsumenten von heute sind heute extrem gut informiert. So akzeptieren sie es nicht, wenn ihre Wünsche nicht bedient werden können. Im Zentrum all unserer Aktivitäten steht daher immer der Konsument.  

Über die Aldo-Group  

Die Aldo-Group wurde 1972 von Aldo Bensadoun in Montreal, Kanada gegründet. Im Jahr 1993 wurde der erste Store in den USA eröffnet, zwei Jahre später startete die internationale Expan- sion in Israel. Heute werden die Schuhe des Unternehmens an mehr als 3.000 Verkaufspunkten weltweit sowie online verkauft. Rund 200 Mio. Kunden besuchen jährlich die Stores der Gruppe. Die Aldo-Group befindet sich weiterhin im Besitz der Bensadoun-Familie. Seit Anfang 2017 leitet David Bensadoun, der Sohn des Firmengründers, das Unternehmen, dessen Jahresumsatz auf über 2 Mrd. Dollar geschätzt wird.

Helge Neumann / 12.09.2017 - 11:14 Uhr

Helge Neumann / 12.09.2017 - 11:14 Uhr

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