Die Zukunft des Schuhhandels

Besser werden

Helge Neumann
Helge Neumann

Der Maßstab für Erfolg hat sich grundlegend verändert. Heute stehen nicht mehr die schnellste Expansion oder die größten Umsatzsprünge im Fokus. Im Gegenteil.

Einkauf und Verkauf. Tagesgeschäft im Schuhbusiness. Im Grunde keinen Aufreger wert. Das aktuelle Geschehen in der Branche ist jedoch alles andere als alltäglich. Zusätzlich zur Frühjahr/Sommer-Ware steht nämlich eine ganze Reihe namhafter Unternehmen zum Verkauf. Die Liste wurde in den vergangenen Wochen länger und länger. Darunter viele klangvolle Namen mit internationaler Strahlkraft.

So will sich die deutsche Milliardärs-Familie Reimann von den beiden Premium-Marken Jimmy Choo und Bally trennen. Dem Vernehmen nach möchte die Familie sich künftig verstärkt im Lebensmittelgeschäft engagieren. Luxusmarken passen daher nicht mehr ins Portfolio. Durch den Druck aggressiver Investoren prüft derzeit mit Deckers-Brands ein weiterer globaler Riese eine ’strategische Alternative‘. Übersetzt bedeutet dies: Das Mutterunternehmen von Ugg ist auf der Suche nach einem neuen Eigentümer – für das gesamte Portfolio oder einzelne Marken. Kurz vor einem Inhaberwechsel steht zudem auch einer der größten Schuhhändler der Welt. Belle International betreibt in China mehr als 20.000 Geschäfte. Der stationäre Handel läuft allerdings auch im Reich der Mitte nicht mehr rund: Mittlerweile 13 Quartale in Folge musste Belle flächenbereinigt sinkende Umsätze verzeichnen. Kein Wunder, dass Gründer und CEO Tang Yiu Ende des vergangenen Jahres in einem Schreiben forderte: „Wir müssen besser werden.“ Eine bemerkenswerte Aussage für den Chef eines Unternehmens, dass es seit der Gründung im Jahr 1991 von einem einzigen Schuhgeschäft bis auf den Zenit des globalen Schuhhandels geschafft hat.  

Die Worte von Tang Yiu gelten weit über die konkrete Situation bei Belle hinaus. Alle Beteiligten in der Branche sollten sie beherzigen. Auch wenn es unbequem ist. Und lästig. Die Zeiten sind rau. Das Umfeld hart. Und es wird künftig noch rauer und härter. Eine Rückkehr in die ’gute alte Zeit‘ ist ausgeschlossen. Auch in den kommenden Monaten wird es zu weiteren Verschiebungen der Marktanteile, Unternehmensverkäufen und höchstwahrscheinlich auch Pleiten kommen. Im Großen und im Kleinen. Daran dürfte mittlerweile kein Zweifel mehr bestehen.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Maßstab für Erfolg grundlegend verändert. Heute stehen nicht mehr die schnellste Expansion oder die größten Umsatzsprünge im Fokus. Im Gegenteil: Ein verlässliches Fundament ist gefragt. Nur wer heute über eine starke Basis verfügt, hat gute Chancen, den aktuellen Sturm durchzustehen – und anschließend, wenn der Markt bereinigt ist, die Weichen wieder auf Wachstum zu stellen.

’Besser werden‘. Diese Herausforderung ist extrem. Es gibt kein Patentrezept – und kein Entrinnen.

Helge Neumann / 09.05.2017 - 07:36 Uhr

Helge Neumann / 09.05.2017 - 07:36 Uhr

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